Skigebiete im Klimawandel So leiden Unternehmen unter der Schneeschmelze

Talabfahrt unmöglich: Der Klimawandel trifft die Wirtschaft

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Foto: MICHAEL DALDER/ REUTERS

Abgesagte Weltcuprennen, und dann auch noch das Aus für den Biathlon-Weltcup in Oberhof - die aktuelle Skisaison war bislang alles andere als leicht - sowohl für Skifans als auch für Skigebiete und Hoteliers.

Um mehr als 90 Prozent sind in einigen Gegenden in der Schweiz die Gästezahlen wegen des milden Wetters in der ersten Saisonhälfte eingebrochen. Landesweit lag das Umsatzminus der Seilbahnen trotz künstlicher Beschneiung immernoch bei knapp 13 Prozent.

Und dass 2015 ein einmaliger Wärme-Ausrutscher gewesen ist, glaubt keiner mehr. Selbst die Bundesregierung geht mittlerweile davon aus, dass bald nur noch jedes zehnte Skigebiet in Deutschland schneesicher sein wird. 

Steht ein Massensterben kleinerer Skigebiete bevor?

Eine Entwicklung, die nach Einschätzung des Innsbrucker Tourismusforschers Robert Steiger letztlich für eine Vielzahl vor allem kleinerer Skigebiete das Aus bedeuten wird. Denn auch wenn viele aktuell noch mit Skikanonen und Liften aufrüsten, um gegenüber der direkten Konkurrenz nicht ins Hintertreffen zu geraten - auf Dauer, so Steiger, werden etliche das Wettrüsten nicht durchhalten können.

Denn künstliche Beschneiung in immer größerem Ausmaß ist teuer. "Die Zahl der Skifahrer in den Alpen ist stagnierend bis rückläufig, der Markt umkämpft - auch zwischen den heimischen Skigebieten", fasst Steiger die aktuelle Entwicklung gegenüber dem österreichischem "Kurier" zusammen. "Der Verdrängungswettbewerb findet bereits statt." Er sei nur noch nicht gut sichtbar, weil Skigebiete in wirtschaftlichen Schwierigkeiten oft mit öffentlichen Geldern aufgefangen würden.

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Viele Wintersportorte versuchen indes, ihre Gäste auch ohne Schnee bei Laune zu halten, bieten geführte Wandertouren, Thermenbesuche oder Kinderbespaßung an. Ohne Schnee dürfte es für viele Regionen aber schwer sein, im Kampf mit anderen Urlaubsregionen mithalten zu können.

Doch es sind nicht nur die Skigebiete, die leiden. An dem Geschäft mit den Skifahrern hängen gleich mehrere Industrien.

Seilbahnhersteller zieht es in die Städte

Die goldenen Zeiten für Seilbahnhersteller sind vorbei

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Foto: Andreas Gebert/ picture alliance / dpa

Angesichts des Schneemangels bekommen selbst die Seilbahnhersteller mittlerweile so etwas wie Zurückhaltung bei den Bestellungen zu spüren. In den vergangenen Jahren sei das größte Wachstum noch ganz klar aus dem Geschäft mit den Wintersportregionen gekommen, erklärt ein Sprecher des weltweit führenden Seilbahnherstellers Doppelmayr gegenüber manager-magazin.de. Das ist nun ins Stocken geraten.

Aktuell stagniere das Geschäft mit den Wintersportorten. Zwar immer noch auf einem hohen Niveau, da auch weiter alte Bahnen ersetzt und Verbindungen zwischen Skigebieten ausgebaut würden.

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Ihre Wachstumshoffnungen setzen die Österreicher, die im vergangenen Jahr rund 800 Millionen Euro an Umsatz generierten, mittlerweile aber auf andere Segmente, wie innerstädtische Seil- oder Kabelbahnen und auf Wachstumsregionen in Asien und Südamerika.

Skihersteller retten sich in neue Technologien ...

Auch Skihersteller tragen sich mit Nachwuchssorgen

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Bei den Skiherstellern sieht die Entwicklung auch nicht rosig aus. Der Hersteller von Völkl und K2-Skiern, der amerikanische Mischkonzern Jarden, rechnet in diesem Jahr mit einem Rückgang des deutschen Skimarktes um 5 bis 8 Prozent. Ein durchaus markanter Rückgang, schließlich gehört Deutschland hinter den USA, Frankreich und Österreich und Japan zu den wichtigsten Märkten.

Um derartige Rückgänge aufzufangen, setzen die Amerikaner auf technische Neuerungen wie die Rockertechnologie oder neue Materialien und Bindungen.

... oder flüchten ins Luxus-Segment

Skifahrer auf dem Fellhorn in Oberstdorf - damals noch mit Schnee

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Foto: A3542 Karl-Josef Hildenbrand/ dpa

Auch Konkurrent Kästle hat mit schrumpfenden Skifahrernachwuchs und Schneevorkommen in den europäischen Skihochburgen zu kämpfen - und eine ganz eigene Antwort darauf gefunden: die Flucht ins Hochpreissegment. "Als Kästle Ski vor acht Jahren wiederbelebt wurde, stand die Frage nach dem Klimawandel natürlich schon im Raum", sagt Kästle-Geschäftsführer Bernd Knünz vor kurzem dem österreichischen "Wirtschaftblatt". "Wir haben daher bewusst hochgegriffen und uns eine Nische ausgesucht, in der wir langfristig gute Absätze erwarten, und zwar im Hochpreissegment und - topografisch gesehen - in höher gelegenen Skigebieten."

Selbst Brillenhersteller suchen sich neue Geschäftsfelder

Selbst das Geschäft mit Skibrillen läuft nicht mehr wie früher

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Foto: Patrick Seeger/ dpa

Im deutlich margenstärkeren Geschäft mit Brillen und Zubehör wie Helmen sieht die Lage indes oft noch besser aus. Die Uvex Sports Group, die Brillen der Marken Uvex und Alpina vertreibt, hat ihren Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr noch um 6 Prozent steigern können. Allerdings kommt auch hier das Wachstum nicht mehr aus dem Wintergeschäft, sondern in erster Linie vom Rad- und Reitsport, die beide jeweils zweistellig wuchsen.

Pistenraupenhersteller weichen aus

Pistenraupe beim Nachteinsatz

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Foto: DPA

Auch die Hersteller von Pistenraupen haben mittlerweile unter den Folgen des Schneemangels zu leiden. Der Pistenbully-Hersteller Kässbohrer hatte schon jetzt im abgelaufenen Geschäftsjahr mit einem Rückgang des Ersatzteilgeschäftes zu leiden. Und nun könnte es noch schlimmer kommen. Im aktuellen Geschäftsjahr zeichnet sich der schlechteste Auftragseingang seit zehn Jahren ab. Aufgrund des aktuellen Schneemangels rechnet das Unternehmen für nächstes Jahr für die Alpenregion mit einem Umsatz-Rückgang von bis zu 10 Prozent. Und in Russland könnten sich die Aufträge wegen des teuren Rubel sogar halbieren.

Entsprechend wird an möglichen Alternativen gearbeitet. Kässbohrer beispielsweise setzt bereits seit einigen Jahren auch Gefährte zur Strandreinigung.

Und hier die Branche, die profitiert

Schneekanone im bayerischen Fischern - hier läuft das Geschäft noch

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Foto: Karl-Josef Hildenbrand/ dpa
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Gefährdeter Luxus: Acht geliebte Dinge, die der Klimawandel schon jetzt zerstört

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Aktueller Profiteur der Schneekrise sind indes die Hersteller der mittlerweile weit verbreiteten Schneekanonen. Techno Alpin etwa, einer der führenden Hersteller von Beschneiungsanlagen hat im vergangenen Jahr seinen Absatz "deutlich steigern" können, wie eine Sprecherin manager-magazin.de sagte. Alleine im abgelaufenen Jahr habe man 5000 Schneeerzeuger in 300 unterschiedliche Skigebiete geliefert.