Montag, 30. März 2020

Siemens Energy Paukenschlag bei Siemens - Sen wirft kurz vor Börsengang hin

Scheidung: Michael Sen (ganz links) verlässt den Siemens-Konzern. Auf Siemens-Chef Joe Kaeser (Mitte) folgt spätestens im Februar 2021 Roland Busch (rechts)
Michaela Handrek-Rehle / Bloomberg
Scheidung: Michael Sen (ganz links) verlässt den Siemens-Konzern. Auf Siemens-Chef Joe Kaeser (Mitte) folgt spätestens im Februar 2021 Roland Busch (rechts)

Führungswechsel bei Siemens Börsen-Chart zeigen: Kurz vor der geplanten Aufspaltung in ein industrielles Siemens und die Energiefirma Siemens Energy wirft die Führungsspitze von Siemens Energy hin. Der designierte Energy-CEO Michael Sen und sein Finanzvorstand Klaus Patzak verlassen Siemens "im gegenseitigen Einvernehmen", teilte der Münchener Konzern am Donnerstagabend nach einer außerordentlichen Sitzung des Kontrollgremiums mit.

Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser werde Aufsichtratschef von Siemens Energy. Zugleich strebe der 62-jährige Kaeser keine weitere Verlängerung seines Vertrags an, der mit der Hauptversammlung am 3. Februar 2021 endet.

Kaesers Stellvertreter Roland Busch wird nun offiziell zum Nachfolger ernannt. Der Aufsichtsrat habe Busch "mit Wirkung spätestens zum Ende der nächsten ordentlichen Hauptversammlung am 3. Februar 2021 zum CEO der Siemens AG bestellt", schreibt der Konzern. Busch erhalte mit Wirkung vom 1. April 2020 einen neuen Vertrag über fünf Jahre.

Damit muss Siemens-Chefkontrolleur Jim Hagemann Snabe nach nur sechs Monaten einen Teil seiner Nachfolgeplanung wieder über den Haufen werfen. Siemens-Veteran Sen war erst vergangenen September zum CEO von Siemens Energy ernannt worden. Sen, zuvor im Siemens-Vorstand für Medizintechnik (Siemens Healthineers) und Windanlagen (Siemens Gamesa) zuständig, trat das Amt als Chef der Energiesparte im Oktober an, zunächst gemeinsam mit der langjährigen Energievorständin Lisa Davis, die wenig später ausschied.

Über die Details der Abspaltung haben sich Sen und sein CFO Patzak nach Informationen des manager magazins völlig mit Kaeser und Siemens-Finanzvorstand Ralf Thomas zerstritten. Kaeser und Thomas wollen Unternehmenskreisen zufolge möglichst viel margenschwaches Geschäft und möglichst hohe zentrale Kosten auf Siemens Energy packen. Dagegen wehrten sich Sen und Patzak, sahen sie es doch als ihre Aufgabe an, eine nachhaltig überlebensfähige Firma zu separieren.

Siemens Energy soll trotz der aktuellen Turbulenzen Ende September an die Börse, wie Siemens Börsen-Chart zeigen am Abend bestätigte. Das Listing ist via Spin-off geplant; das heißt, Siemens will die Mehrheit der Siemens-Energy-Aktien den eigenen Aktionären in die Depots buchen.

Christian Bruch als Nachfolger für Sen - kurz vor dem Börsengang

Als Nachfolger für Sen holt Siemens Christian Bruch von Linde; Bruch leitet den Anlagenbau und soll am 1. Mai als Chef der Energiesparte anfangen, also weniger als drei Monate vor dem geplanten Börsengang. Finanzvorstand wird Maria Ferraro, bisher Finanzchefin von Siemens' Sparte Digital Industries.

Kaeser übernimmt im Siemens-Vorstand neben seiner Aufgabe als Vorstandschef mit sofortiger Wirkung die Verantwortung für das Energiegeschäft einschließlich Siemens Gamesa. Busch zeichnet ab 1. April verantwortlich für die Geschäfte der künftigen Siemens AG, nämlich Digital Industries, intelligente Infrastruktur und das Zuggeschäft (Mobility).

Busch bereits im September als Nachfolger inthronisiert

Busch sei "der richtige CEO für die Spitze der künftigen Siemens AG", sagte Chefaufseher Snabe laut Pressemitteilung. "Er vereint unternehmerische Weitsicht, Nähe zu den Kunden und ein tiefes Verständnis all der Technologien, die Siemens erfolgreich gemacht haben und auf die es in Zukunft ankommen wird." Kaeser werde für den Energy-Vorstand "mit all seiner Erfahrung und seinem exzellenten Netzwerk zu den global agierenden Kunden sowie den Regierungen überall auf der Welt ein wichtiger Ratgeber sein", so Snabe.

Der Siemens-Aufsichtsrat hatte im September Busch, de facto als "Chief Operating Officer" schon die Nummer zwei im Konzern, offiziell zu Kaesers Stellvertreter ernannt. Seither galt er als designierter Nachfolger. Allerdings ließen die Kontrolleure damals nicht nur offen, wann Busch Kaeser nachfolgen solle, sondern auch, ob das überhaupt vorgesehen sei. "Der Aufsichtsrat entscheidet über die Nachfolge und den Zeitpunkt der Nachfolge von Joe Kaeser im Sommer 2020", teilte der Konzern im September lediglich mit.

Kaeser erweckte danach immer wieder den Eindruck, sich schwerlich mit seinem Ende an der Siemens-Spitze abfinden können. Zwar betonte er stets öffentlich, es sei seine Idee gewesen, Busch zum Stellvertreter zu ernennen. Aus dem Konzern wurde zugleich aber gestreut, Busch sei ein Nachfolger auf Bewährung.

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