Donnerstag, 27. Juni 2019

Umbau bei Siemens Personalchefin Ederer geht, Snabe rückt in Aufsichtsrat 

Siemens-Zentrale: Vorstand und Aufsichtsrat werden umbesetzt

Umbau bei Siemens: Kurz nach der Ablösung von Konzernchef Löscher räumt auch Personalvorstand Brigitte Ederer ihren Posten. Für den scheidenden Siemens-Aufsichtsrat Josef Ackermann rückt Jim Hagemann Snabe in das Kontrollgremium - und Werner Wenning wird als Aufsichtsratsvize Stellvertreter von Chefkontrolleur Gerhard Cromme.

München - Das Siemens -Spitzenduo Joe Kaeser und Gerhard Cromme bastelt sich eine neue Konzernführung. Im Vorstand sitzen künftig nur noch Männer - Personalchefin Brigitte Ederer verliert in dem Gremium ihren Posten. Die Österreicherin verlässt den Konzern Ende September, wie die Münchner am Mittwoch nach einer Aufsichtsratssitzung mitteilten.

Mit dem bereits angekündigten Abgang von Einkaufschefin Barbara Kux ist der Siemens-Vorstand ab dem Herbst wieder eine reine Männerrunde. Außer dem Rechtsvorstand Peter Solmssen besteht die Riege dann wieder nur aus Deutschen, von denen die meisten den Großteil ihres Berufslebens bei dem Technologieriesen verbracht haben.

Der neue Vorstandschef Joe Kaeser hatte sich zu seinem Amtsantritt vor allem Ruhe für den Konzern gewünscht, nachdem die Führungsspitze in den Tagen zuvor durch Macht- und Ränkespiele das Interesse der Öffentlichkeit auf sich gezogen hatte. Im Umfeld des Siemens-Konzerns wurde spekuliert, Ederers Abgang sei bereits seit der Kaeser-Berufung klar gewesen. "Die IG Metall hat da Druck auf Cromme aufgebaut", sagte ein Insider.

Aufsichtsräte opfern die "rote Gitti"

Die ehemalige SPÖ-Politikerin Ederer war von ihrem österreichischen Landsmann Peter Löscher in die Konzernzentrale geholt worden, der Ende Juli nach einer langen Reihe von Misserfolgen stürzte. Experten zufolge dürfte sie nach dessen Fall nun dem freien Spiel der Kräfte im Aufsichtsrat ausgeliefert gewesen sein.

Das Verhältnis der "roten Gitti" zu den Arbeitnehmervertretern sei gestört gewesen, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen. Aus dem Umfeld des Aufsichtsrats hieß es, die Zusammenarbeit zwischen der 57-Jährigen und den Belegschaftsvertretern sei nicht rund gelaufen. "Das Verhältnis war nicht gut, aber auch nicht so spektakulär schlecht wie getan wird", sagte ein Kenner.

Die Aufsichtsräte der Kapitalseite hätten es dennoch als heikle Sache betrachtet. Auch die "Süddeutsche Zeitung" berichtete über Spannungen zwischen Ederer und Betriebsratschef Lothar Adler. Beide waren zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Ederer kann nach den Siemens-Regeln mit einer Schlusszahlung von etwa fünf Millionen Euro rechnen.

Nachfolge für Kaeser: Ralf Thomas wird neuer Finanzvorstand

Zum neuen Finanzvorstand rückt der langjährige Siemens-Manager Ralf Thomas auf, der in der Funktion Joe Kaeser nach seiner Beförderung nach ganz oben folgt. Der 52-jährige Thomas leitete zuletzt das Finanzressort des Sektors Industrie und ist seit 1995 im kaufmännischen Bereich des Konzerns beschäftigt.

Hagemann Snabe rückt für Ackermann in den Aufsichtsrat

Im Aufsichtsrat löst ein Technologieexperte den scheidenden Banker Josef Ackermann ab. Der bisherige SAP -Co-Chef Jim Snabe ersetze den früheren Deutsche-Bank-Chef im Oktober, hieß es. "Vor dem Hintergrund der wachsenden strategischen Bedeutung der Digitalisierung für die Kerngeschäfte von Siemens verstärken wir mit Jim Hagemann Snabe die Technologie- und Softwarekompetenz im Aufsichtsrat", rühmte ihn Aufsichtsrats-Chef Cromme.

Ackermann hatte im Streit mit Cromme die Brocken hingeworfen. Er habe schriftlich in Abwesenheit als Grund für seinen Rücktritt "Diskrepanzen in Stil- und Fairnessfragen" angeben, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person.

Werner Wenning wird Aufsichtsrats-Vize

Ackermanns Funktion als Crommes Stellvertreter übernimmt der einstige Bayer-Chef Werner Wenning, der im Januar von den Aktionären in das Gremium gewählt worden war

Ederers Ressort übernimmt Technologie-Vorstand Klaus Helmrich, der sich stärker um die Verbindung Technik und Personal kümmern soll. "Vor diesem Hintergrund und dem immer stärker werdenden Fachkräftebedarfs hält der Aufsichtsrat eine enge Verzahnung des Technologie- und Personalressorts für angemessen. Diese Überzeugung wird insbesondere auch von der Arbeitnehmerseite stark unterstützt", hieß es. "Brigitte Ederer war durch ihr vorzeitiges Ausscheiden bereit, diese neue Ressortstruktur im Vorstand schon jetzt möglich zu machen", lobte Cromme den Schritt als Selbstopfer. Der umstrittene 71-Jährige hatte bereits vor der vergangenen Hauptversammlung angekündigt, mittelfristig den Vorstand von Siemens Börsen-Chart zeigen schrumpfen zu wollen.

Vergangene Woche hatte der ehemalige Deutsche-Bank-Chef Ackermann seinen Rückzug bei Siemens mit "Diskrepanzen in Stil und Fairnessfragen" erklärt.

kst/dpa-afx/reuters

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