Montag, 24. Februar 2020

Für 1,1 Milliarden Euro Anteil bei Siemens Gamesa aufgestockt Siemens verfehlt Erwartungen

Siemens macht die anhaltende Schwäche im Energiesektor, der Autoindustrie und des Maschinenbaus zu schaffen
REUTERS/Arnd Wiegmann
Siemens macht die anhaltende Schwäche im Energiesektor, der Autoindustrie und des Maschinenbaus zu schaffen

Siemens ist mit einem deutlichen Gewinnrückgang ins neue Geschäftsjahr gestartet und hat die Experten-Erwartungen damit verfehlt. Das bereinigte operative Ergebnis aus dem Industriegeschäft, die meistbeachtete Erfolgs-Kennziffer, brach im ersten Quartal (Oktober bis Dezember) um 30 Prozent auf 1,43 Milliarden Euro ein, wie der Industriekonzern am Mittwoch vor der Hauptversammlung in München mitteilte.

Von Siemens Börsen-Chart zeigen befragte Analysten hatten im Schnitt mit 1,88 Milliarden Euro gerechnet. Das vor der Abspaltung stehende Energietechnik-Geschäft zeigte ebenso Schwächen wie das Aushängeschild, die Industrieautomatisierung (Digital Industries). Diese litt unter dem Abschwung in der Autoindustrie und im Maschinenbau und musste einen operativen Gewinnrückgang um ein Drittel hinnehmen.

Vorstandschef Joe Kaeser sprach von einem verhaltenen Start ins Geschäftsjahr. Der Nettogewinn ging um 3 Prozent auf 1,09 Milliarden Euro zurück. Der Umsatz stieg um 1 Prozent auf 20,3 Milliarden Euro, während der Auftragseingang mit 24,8 Milliarden Euro um 2 Prozent unter Vorjahr lag. Die Kennzahlen lagen über den Analystenerwartungen. Siemens bestätigte die Prognosen für 2019/20 (Ende September): Der Umsatz soll auf vergleichbarer Basis moderat steigen, der Gewinn je Aktie soll zwischen 6,30 und 7,00 (Vorjahr: 6,41) Euro landen.

"Die unbefriedigende Situation im gesamten Energiegeschäft macht deutlich, wo der primäre Handlungsbedarf liegt", sagte Kaeser. Siemens Energy soll im September separat an die Börse gebracht werden, Siemens will dann die Mehrheit abgeben. Die restlichen Anteile sollen an die eigenen Aktionäre abgegeben werden. Kern der Sparte sind Turbinen und Dienstleistungen für Kohle-, Öl- und Gaskraftwerke.


Lesen Sie auch:
Siemens Fragen und Antworten vor der HV
Greenpeace fordert Blackrock zur Revolte gegen Siemens auf


Anteil bei Siemens Gamesa aufgestockt

Der operative Gewinn in diesem Geschäft brach im ersten Quartal um fast zwei Drittel ein, die Windkraft-Sparte Siemens Gamesa, der Hoffnungsträger für die Energiewende und dessen Minderheitsaktionär IberdrolaSiemens gerade für rund 1,1 Milliarden Euro rausgekauft hat, rutschte sogar in die roten Zahlen. Damit stieg der Anteil des Konzerns bei Siemens Gamesa auf 67,1 Prozent, was Siemens eine Zweidrittelmehrheit in der Hauptversammlung sichert. Ein Übernahmeangebot für die restlichen Aktien ist nicht geplant.

Durch den Kauf verschönert Siemens nun die Mitgift für das neue Unternehmen Siemens Energy, das im Laufe des Jahres an die Börse gebracht werden soll und hauptsächlich aus der alten Siemens-Sparte Gas and Power und dem Anteil an Siemens Gamesa besteht.

Zukäufe möglich

Die Abspaltung der Energie-Sparte und Kostensenkungen sollen Siemens größere Handlungsspielräume für Zukäufe geben. Die "Vision 2020+" solle den Technologiekonzern profitabler machen, sagte der stellvertretende Vorstandschef Roland Busch am Mittwoch in München. "Nur so bekommen wir die Freiräume, die wir brauchen, um in die Zukunft von Siemens zu investieren: (...) in die digitale Transformation unserer Geschäfte, in den Ausbau unserer Geschäfte in neuen Wachstumsmärkten und letztendlich auch in Akquisitionen." Busch gilt als designierter Nachfolger von Vorstandschef Joe Kaeser, dessen Vertrag in einem Jahr ausläuft.

Die Diskussion um den Klimawandel dürfte auch die Hauptversammlung in der Münchner Olympiahalle bestimmen. Umweltschutz-Organisationen haben Proteste mit Hunderten Teilnehmern vor der Halle angekündigt. Sie richten sich gegen die Beteiligung des Münchner Industriekonzerns an einem umstrittenen Kohlebergwerks-Projekt in Australien. Ein Dutzend Aktivisten - unter anderem von der Gruppe "Fridays for Future" - wollen auch offiziell zu den Anteilseignern sprechen. Kaeser hält an dem Signaltechnik-Auftrag in Australien fest, weil er um den Ruf von Siemens als verlässlicher Vertragspartner fürchtet. Gegen Kaesers Entlastung liegen acht Anträge vor, denen aber kaum Chancen gegeben werden. Sein Vertrag läuft in einem Jahr aus.

rtr/dpa/akn

© manager magazin 2020
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung