Dividende steigt Siemens verdient operativ zehn Milliarden Euro

Trotz hoher Abschreibungen beendet Siemens das Geschäftsjahr mit 4,4 Milliarden Euro Nettogewinn. Operativ verdiente der Konzern im zentralen Industriegeschäft erstmals in seiner Geschichte mehr als zehn Milliarden Euro. Vorstandschef Busch bündelt weiteres Geschäft.
Erwartet für das laufende Geschäftsjahr steigende Gewinne: Siemens-Chef Roland Busch

Erwartet für das laufende Geschäftsjahr steigende Gewinne: Siemens-Chef Roland Busch

Foto: REUTERS / Andreas Gebert / REUTERS

Siemens bekommt die schwächelnde Konjunktur offenbar kaum zu spüren. Mit einem Schlussspurt schraubte sich der Münchner Technologiekonzern im Geschäftsjahr 2021/22 (per Ende September) zu einem operativen Rekordgewinn und erhöht die Dividende. Das Ergebnis aus dem zentralen Industriegeschäft schnellte um 17 Prozent auf 10,3 Milliarden Euro und übersprang damit zum ersten Mal in der 175-jährigen Firmengeschichte die Zehn-Milliarden-Marke, wie Siemens am Donnerstag zur Bilanzpressekonferenz mitteilte. Analysten hatten Siemens im Schnitt nur 9,9 Milliarden Euro zugetraut. Die Aktie  sprang um fast 8 Prozent nach oben.

Obwohl der Nettogewinn durch die Milliardenabschreibung auf die ehemalige Energietechnik-Tochter Siemens Energy auf 4,4 (Vorjahr: 6,7) Milliarden Euro einbrach, sollen die Aktionäre eine um 25 Cent höhere Dividende von 4,25 Euro je Anteilsschein erhalten.

Der Konzernumsatz wuchs auf vergleichbarer Basis um 8 Prozent auf 72,0 Milliarden Euro, ebenfalls stärker als gedacht. "Die hohe Nachfrage nach unseren Hardware- und Software-Angeboten hält an", erklärte Vorstandschef Roland Busch (57). Das gelte auch für das Geschäft mit digitalen Produkten, dem sein Augenmerk gilt. Der Umsatz in dem Bereich wuchs um 15 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro und übertraf damit die Erwartungen. Der Auftragseingang schwoll um 17 Prozent auf 89 Milliarden Euro an.

Aufträge von mehr als 102 Milliarden Euro in den Büchern

Auch im neuen Geschäftsjahr rechnet Siemens mit Zuwächsen – basierend auf einem Auftragsbestand von 102 Milliarden Euro. Der Siemens-Vorstand stellte einen Umsatzanstieg um 6 bis 9 Prozent und ein um Sondereffekte bereinigtes Ergebnis je Aktie von 8,70 bis 9,20 (2021/22: 5,47) Euro in Aussicht. Es läge damit in etwa auf dem Niveau, das Siemens vor der Abschreibung auf Siemens Energy schon für 2021/22 versprochen hatte. Ohne die Wertberichtigung auf den 35-Prozent-Anteil an Siemens Energy infolge des Kurseinbruchs hätte Siemens schon im abgelaufenen Jahr 8,84 Euro je Aktie geschafft.

Dabei profitierte der Konzern im Schlussquartal von einem Extragewinn von 1,08 Milliarden Euro aus dem Verkauf des Brief- und Paket-Logistikgeschäfts an den Lübecker Anlagenbauer Körber. Der endgültige Rückzug aus Russland kostete Siemens noch einmal 267 Millionen Euro. Im vierten Quartal habe man sich auch vom Finanzierungs- und Leasinggeschäft getrennt, hieß es in der Mitteilung.

Siemens gliedert weitere Bereiche an Großgetriebe-Geschäft an

Die geplante Ausgliederung des Geschäfts mit großen Motoren (LDA) kommt unterdessen voran. Um das Geschäft schlagfertiger aufzustellen, hat Siemens beschlossen, weitere Bereiche hinzuzufügen und daraus eine neue Gesellschaft mit einem Jahresumsatz von etwa drei Milliarden Euro und rund 14.000 Beschäftigten zu formen. Dies entspreche einer Verdopplung des ursprünglichen Geschäfts, sagte Busch. Unter anderem soll das Geschäft mit Niederspannungs- und Getriebemotoren, das Spezialgeschäft mit hochpräzisen Motorspindeln sowie der Komponentenhersteller Sykatec in die neue Gesellschaft mit einfließen.

Die Restrukturierung dürfte die nächsten Monate in Anspruch nehmen, schätzt Finanzvorstand Ralf Thomas (61). Die Abspaltung könne dabei sowohl über einen Verkauf als auch über eine Börsennotierung erfolgen. Jedoch dürfte dies wahrscheinlich nicht mehr 2023 passieren.

Damit "schaffen wir einen starken Global Player, der einen Markt von mehr als 20 Milliarden Euro für Elektrifizierung und Stromumwandlung adressiert", sagte Busch. Zusammen seien diese Unternehmen stärker und widerstandsfähiger als allein. In dem Bereich konkurriert Siemens unter anderem mit ABB und der japanischen Yaskawa.

Bei der Gewerkschaft IG Metall waren die Ausgliederungspläne von LDA bislang auf Widerstand gestoßen. "Wir sind nach wie vor äußerst skeptisch gegenüber der Ausgliederung an sich. Wenn sie aber nicht zu verhindern ist, dann halten wir sie in der jetzt erweiterten Form für die günstigste Perspektive. So ist das künftige Unternehmen am stabilsten und breitesten aufgestellt", sagte Hagen Reimer, der auch im Aufsichtsrat von Siemens sitzt.

rei/Reuters
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