Neue Struktur zum 1. Oktober Wie der neue Siemens-Chef den Konzern umbauen will

Roland Busch wird Siemens eine neue Struktur geben. Die bisher als operative und strategische Unternehmen geführten Konzernsparten werden künftig als „Businesses“ geführt. Die zweistufige Länderorganisation aufgelöst. Die Aufgaben im Vorstand neu verteilt.
Will den Konzern wieder einen: Roland Busch.

Will den Konzern wieder einen: Roland Busch.

Foto: Siemens

Der designierte Siemens-Chef Roland Busch (55) beendet die Strategie seines noch amtierenden Vorgängers Joe Kaeser (63), immer neue Konzernsparten separat an den Kapitalmarkt zu bringen. Dafür organisiert Busch wieder um.  Ab 1. Oktober – also pünktlich zu seinem Amtsantritt – werden Siemens’ Kerngeschäfte "Digital Industries", "Smart Infrastructure" und "Mobility" (Züge) unternehmensintern nicht mehr als "operative und strategische Unternehmen" geführt, sondern als "Businesses".

Das ist eine klare Abkehr vom bisherigen Kurs. Kaeser hatte erst vor zwei Jahren das gesamte Konzernportfolio in operative und strategische Unternehmen gegliedert und massiv Verantwortung und Personal von der Zentrale in die Geschäfte verlegt. Damit entwickelte sich Siemens zunehmend in Richtung einer Holding. Mit der neuen, im Aufsichtsrat am 5. August beschlossenen Struktur will Busch nun klarstellen, dass Siemens keine Holding werden soll, und die gemeinsamen Stärken wieder besser herausarbeiten.

Ab 1. Oktober schleift Busch auch die von Kaeser 2013 installierte zweistufige Länderorganisation mit "Lead Countries" und Ländern, die diesen zugeordnet sind. Künftig berichten die Länder wieder direkt an einen der sechs Vorstände.

Busch übernimmt am 1. Oktober von Kaeser sämtliche CEO-Funktionen. Der Titel Vorstandsvorsitzender geht allerdings erst mit Kaesers Vertragsende Anfang Februar 2021 auf Busch über. Kaeser hatte 2018 die Medizintechniksparte Siemens Healthineers an die Börse gebracht. Das Energiegeschäft soll am 28. September als "Siemens Energy AG" via Spin-off an den Aktienmarkt gehen; dort übernimmt Kaeser dann den Aufsichtsratsvorsitz.

Auch Mobility ist bereits eine ausgegliederte Tochter. Busch hat indes bereits betont, diese sei "integraler Bestandteil" des künftigen Siemens-Konzerns.

Neue Aufgabenverteilung für die Vorstände

Aus der am 5. August ebenfalls beschlossenen neuen Geschäftsverteilung geht zudem hervor, dass Busch per 1. Oktober viele seiner bisherigen Aufgaben an Vorstandskollegen abgibt. Nur die Zuständigkeit für Mobility, Strategie und Technologie behält er. Die Geschäftsverteilung liegt manager magazin vor.

Demnach gehen die "Portfolio Companies" (POC) - die teils ertragsschwachen Mittelständler im Konzern, die in keine Sparte recht passen – auf Finanzchef Ralf Thomas (59) über. Die Verantwortung für die Konzern-IT sowie für die von Busch gegründete Beratungstochter für das Internet der Dinge namens Advanta übernimmt der künftige Industrievorstand Cedrik Neike (47). Nachhaltigkeit und die interne Servicesparte Global Business Services gehen an die künftige Personalvorständin Judith Wiese (49).

Dem Geschäftsverteilungsplan zufolge wird Kaeser bis zu seinem Ausscheiden neben seiner Zuständigkeit für Siemens Energy noch für die Konzernsicherheit verantwortlich sein.

Ein Siemens-Sprecher bestätigte die Aufstellung ab dem 1. Oktober.

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