Mittwoch, 20. November 2019

Stellenabbau vor Abspaltung Siemens spart Energiesparte an die Börse

Bringt ihre Sparte an die Börse und verabschiedet sich dann von Siemens: Energievorstand Lisa Davis.

Siemens streicht in der Energiesparte Gas & Power weitere 2700 Arbeitsplätze. Davon entfielen 1400 auf Deutschland, teilte der Münchner Industriekonzern am Dienstag mit. Betroffen sind das Projektgeschäft und die Energieübertragungs-Sparte, in der Siemens Hochspannungsnetze und Transformatoren herstellt. Im Kraftwerksbau hatte Siemens bereits gut 6000 Stellen gestrichen.

Siemens will damit angesichts einer schwindenden Zahl von Großprojekten und sinkenden Margen 500 Millionen Euro einsparen, um die Sparte attraktiv für die Börse zu machen. Siemens Gas & Power soll aus dem Konzern ausgegliedert und bis September 2020 als eigene Aktie an der Börse gelistet werden, indem die Siemens-Aktionäre die Papiere ins Depot gebucht bekommen. Das hatten Vorstand und Aufsichtsrat im Mai beschlossen.

"Die geplanten Maßnahmen helfen uns dabei, mehr Wachstumschancen zu schaffen", sagte die für die Sparte Gas & Power im Vorstand zuständige Lisa Davis. "Außerdem können wir dadurch unsere Wettbewerbsfähigkeit im Energiemarkt erhöhen und unser Geschäft besser sichern."

Bei Siemens fallen damit in den nächsten Jahren mehr als 13.000 Arbeitsplätze weg. Davon betroffen sind neben Gas & Power die Konzernzentrale, von der viele Tätigkeiten in die Sparten und Tochterfirmen verlagert werden, sowie die Digital- und die Infrastruktur-Sparte, die künftig den Kern von Siemens bilden sollen. Unter dem Strich sollen aber in einigen Jahren 10.000 Menschen mehr bei Siemens arbeiten als heute. Das gelte auch nach dem zusätzlichen Abbau bei Gas & Power, sagte ein Sprecher.

Die IG Metall will darauf achten, dass das auch wirklich passiert. Es dürfe nicht bei Lippenbekenntnissen und halbherzigen Ansätzen bleiben, betonte Hagen Reimer, der für die Gewerkschaft im Aufsichtsrat des Konzerns sitzt. Siemens habe versprochen, dass die Mitarbeiter für den Strukturwandel umgeschult und neu qualifiziert würden. "Nur so bleiben die bei Bekanntgabe der Ausgliederung des Bereichs verkündeten Wachstumspläne wirklich glaubwürdig", sagte Reimer. Grundsätzlich sei der Abbau von Arbeitsplätzen "ideenlos", zumal angesichts des langfristig drohenden Fachkräftemangels.

Siemens hatte den Stellenabbau in der neu formierten Sparte Gas & Power schon angekündigt, ihn aber noch nicht beziffert. Nun seien die Arbeitnehmervertreter im Wirtschaftsausschuss über die Abbaupläne informiert worden. Mit zahlreichen Großprojekten hatte Siemens zuletzt Verluste geschrieben. Künftig wolle man mehr Aufträge ablehnen und nicht nur auf Masse achten, sondern verstärkt auf die Rendite, hieß es.

Reuters, soc

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