Verlust nach Milliardenabschreibungen Siemens Energy lässt Geschäft mit Kohlekraft auslaufen

Siemens Energy verbucht nach hohen Abschreibungen einen Milliardenverlust, kann sich im neu begonnenen Geschäftsjahr aber auf ein dickes Auftragspolster stützen. Aus der Kohlekraft will sich der jüngste Siemens-Ableger zurückziehen.
Windturbine von Siemens: Siemens Energy will sich aus dem Geschäft mit Kohlekraftwerken zurückziehen

Windturbine von Siemens: Siemens Energy will sich aus dem Geschäft mit Kohlekraftwerken zurückziehen

Foto: FABIAN BIMMER/ REUTERS

Siemens Energy  will sich mit sofortiger Wirkung nicht mehr an neuen Ausschreibungen für ausschließlich mit Kohle befeuerte Kraftwerke beteiligen. Die bereits bestehenden Verpflichtungen aus Kohlekraftwerksprojekten inklusive verbindlicher Angebote würden noch erfüllt. Die Folgen für Standorte und Mitarbeiter werde Siemens Energy nun prüfen, teilte das Unternehmen zur Vorlage der Quartalszahlen mit. 

Hohe Abschreibungen haben Siemens Energy, das vor wenigen Wochen einen turbulenten Börsengang erlebte, im abgelaufenen Geschäftsjahr tief in die Verlustzone gedrückt. Unter dem Strich stand 2019/20 (per 30. September) ein Minus von fast 1,9 Milliarden Euro. Dabei schlugen Abschreibungen unter anderem auf das schwache Geschäft mit aeroderivativen Gasturbinen, Restrukturierungskosten sowie Aufwendungen in Zusammenhang mit der Abspaltung mit insgesamt rund 1,5 Milliarden Euro zu Buche. Wie bereits angekündigt, will Siemens Energy keine Dividende ausschütten.

Siemens Energy war von der Konzernmutter Siemens ausgegliedert und Ende September an der Börse notiert worden. Siemens hält seitdem noch 35,1 Prozent. 9,9 Prozent liegen beim Siemens-Pensionsfonds. Der Konzern will seine Anteile mittelfristig weiter senken.

Geringes Neugeschäft in der Corona-Pandemie belastet

Operativ erreichte der Konzern seine Ziele. So sank der Umsatz um 5 Prozent auf 27,5 Milliarden Euro. Beim bereinigten operativen Ergebnis (Ebita) stand ein Fehlbetrag von 17 Millionen Euro, nach einem Gewinn von 1,5 Milliarden Euro im Vorjahr. Die entsprechende Marge lag bei minus 0,1 Prozent.

Das Management um Konzernchef Christian Bruch (50) hatte Anfang September ein Umsatzminus von bis zu 5 Prozent sowie eine Ebita-Marge von minus einem bis plus einem Prozent in Aussicht gestellt. Durch die deutliche Senkung von Lagerbeständen sowie Forderungen bei Gas and Power konnte der Konzern einen robusten freien Mittelzufluss von 977 Millionen Euro vor Steuern erzielen.

Im Schlussquartal belastete die Corona-Pandemie die Entwicklung erheblich. Vor allem die Sparte Gas and Power verzeichnete ein deutlich geringeres Neugeschäft sowie sinkende Umsätze aufgrund von Auftragsverschiebungen sowie Projektverzögerungen. Der Windanlagenbauer Siemens Gamesa , an dem Siemens Energy die Mehrheit hält, hatte bereits vergangene Woche Rückgänge bei Umsatz und Ergebnis vorgelegt, hier belasteten weiter unter anderem Probleme im Onshore-Geschäft. Konzernweit schrieb Siemens Energy auch in den Monaten Juli bis September Verluste, das bereinigte Ebita lag mit 70 Millionen Euro im Plus.

Auftragsbestand beläuft sich auf 79 Milliarden Euro

Die Prognose für das laufende Geschäftsjahr bekräftigte Siemens Energy. Dabei will der Konzern wieder zu Wachstum zurückkehren. Die Umsätze sollen in einer recht breiten Spanne von 2 bis 12 Prozent steigen. Die bereinigte Ebita-Marge soll 3 bis 5 Prozent erreichen. Sowohl Gas and Power als auch Siemens Gamesa sollen dazu beitragen. Dabei kann der Konzern auf einen Auftragsbestand von insgesamt 79 Milliarden Euro per Ende September blicken.

rei/Reuters/dpa
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