Anleger düpiert Siemens schockt mit neuer Gewinnwarnung

Siemens kann seine Gewinnversprechen nicht halten. Im kommenden Jahr werde es nicht gelingen, eine operative Rendite von 12 Prozent zu erreichen, teilte das Unternehmen mit. Die Börsenreaktion darauf ist eindeutig: Der Siemens-Aktienkurs rauscht in den Keller.
Geschäfte laufen nicht rund: Siemens kappt die Prognose

Geschäfte laufen nicht rund: Siemens kappt die Prognose

Foto: Matthias Rietschel/ AP

München - Der Elektrokonzern Siemens bekommt seine Probleme nicht in den Griff und muss sein Gewinnziel auch für das kommende Jahr aufgeben. Wegen "geringerer Markterwartungen" sei die für 2014 angepeilte Marge im operativen Geschäft von mindestens 12 Prozent voraussichtlich nicht erreichbar, teilte das Unternehmen am Donnerstag in München mit. Siemens leidet unter der Wachstumsschwäche in Schwellenländern wie China. Es ist bereits die zweite Gewinnwarnung in nicht einmal drei Monaten. Erst Anfang Mai musste Konzernchef Peter Löscher die Prognose für das laufende Geschäftsjahr, das am 30. September endet, kassieren.

Die Marge, die den Anteil des Ergebnisses am Umsatz bezeichnet, war eines der Herzstücke des Sparprogramms "Siemens 2014", mit dem der Konzern auf mehr Profitabilität und Effizienz getrimmt werden soll. So will Siemens bis zum kommenden Jahr mehr als sechs Milliarden Euro einsparen. Das wird auch tausende Jobs kosten - wie viele genau, will Siemens erst zum Geschäftsjahresende beziffern. Außerdem stellte der Konzern Geschäftsfelder wie die Gepäckabfertigung zum Verkauf.

Mit den Maßnahmen zur Optimierung des Portfolios sowie zu Kostensenkungen sei man "weitestgehend" auf Kurs, erklärte das Unternehmen am Donnerstag. Ein Siemens-Sprecher wollte sich zu Details auf Nachfrage nicht äußern. Das Thema wird aber auch im Fokus der Quartalsbilanz stehen, die Siemens am kommenden Donnerstag (1.8.) vorlegt. In Medienberichten war bereits über durchwachsene Zahlen spekuliert worden.

Tiefer Sturz des Siemens-Aktienkurs

Der Aktienkurs des Dax-Schwergewichts Siemens  sackte nach dem neuerlichen Paukenschlag zeitweise um fast 7 Prozent ab. Das Unternehmen kämpft seit Monaten mit der Konjunkturflaute und einer ganzen Serie von Pannen, darunter hohe Belastungen durch Verzögerungen bei der Auslieferung von ICE-Zügen an die Deutsche Bahn und die verspätete Anbindung von Nordsee-Windparks.

Nun hat der Konzern auch noch Probleme mit Windkraftanlagen auf dem Festland: Nach einem Unfall im Mai in einem Windpark in der kalifornischen Wüste, bei dem sich ein Rotorblatt löste und zu Boden stürzte, musste Siemens nun alle baugleichen Anlagen überprüfen. Bei einer geringen Anzahl der Rotorblätter seien Mängel festgestellt worden. Diese würden nun ausgetauscht, sagte ein Sprecher am Donnerstag.

Auch für das laufende Jahr musste Siemens die Messlatte tiefer hängen: Angesichts der Konjunkturflaute und der hausgemachten Projekt-Pannen geht der Konzern statt der ursprünglich angepeilten 4,5 bis 5 Milliarden Euro Gewinn im fortgeführten Geschäft nur noch davon aus, sich dem unteren Ende der Spanne anzunähern. Beim Umsatz stellt sich der Dax-Konzern auf einen moderaten Rückgang ein, nachdem sich die Erlöse ursprünglich den 78,5 Milliarden Euro aus dem Vorjahr annähern sollten.

nis/rtr/dpa-afx
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