Gewinn fast verdreifacht Siemens-Chef Busch hebt Jahresziele zum dritten Mal an

Nach einem markanten Gewinnsprung im vergangenen Quartal ist sich Siemens-Chef Roland Busch sicher: Deutlich zweistelliges Wachstum sei in diesem Geschäftsjahr auf jeden Fall drin.
"Erneut geliefert": Siemens-Chef Roland Busch

"Erneut geliefert": Siemens-Chef Roland Busch

Foto: Andreas Gebert/REUTERS

Siemens erhöht nach einem furiosen Quartal zum dritten Mal in diesem Jahr die Umsatz- und Gewinnerwartungen. Von April bis Juni hat sich der Nettogewinn im Vergleich zu dem stark von der Corona-Krise geprägten Vorjahresquartal auf 1,48 Milliarden von 535 Millionen Euro fast verdreifacht, wie der Münchener Technologiekonzern am Donnerstag mitteilte. Der Umsatz legte auf vergleichbarer Basis um 21 Prozent auf 16,1 Milliarden Euro zu, der Auftragseingang schoss sogar um 44 Prozent auf 20,5 Milliarden Euro nach oben. Ohne Währungseffekte wären die Zuwächse noch höher ausgefallen. "Im dritten Quartal haben wir erneut geliefert - mit starkem und profitablem Wachstum in allen Geschäftsbereichen", sagte Vorstandschef Roland Busch (56).

Die Zahlen übertrafen die Erwartungen der von Siemens befragten Analysten deutlich. "Herausforderungen - etwa in den Lieferketten - haben wir erfolgreich gemeistert", sagte Busch. Dass es zu keinen wesentlichen Engpässen in der Versorgung mit Chips und Rohstoffen kommt, sei auch die Voraussetzung für die neuen, höheren Prognosen. Der Umsatz soll bis Ende September um 11 bis 12 (Prognose bisher: 9 bis 11) Prozent zulegen, der Nettogewinn soll auf 6,1 bis 6,4 (bisher 5,7 bis 6,2) Milliarden Euro steigen. Dabei ist zum ersten Mal der US-Krebsspezialist Varian berücksichtigt, den die börsennotierte Tochter Siemens Healthineers im April übernommen hat. Analysten trauen Siemens bisher im Schnitt einen Nettogewinn von 6,1 Milliarden Euro zu.

Die Erlanger Medizintechniktochter Healthineers hatte ihre Erwartungen schon in der vergangenen Woche angehoben, auch dank des brummenden Geschäfts mit Corona-Schnelltests. Besonders gut lief es im dritten Quartal in der Gebäude- und Infrastrukturtechnik (Smart Infrastructure), die um 15 Prozent wuchs und das operative Ergebnis (angepasstes Ebita) fast verdoppelte. Für die Sparte erwartet Siemens im Gesamtjahr nun ein Umsatzwachstum von 8 bis 9 (bisher 5 bis 7) Prozent. Die Industrieautomatisierungssparte Digital Industries rechnet nun mit einem Wachstum von 10 bis 12 (bisher 9 bis 11) Prozent.

Für die Zugsparte Mobility bleibt es bei der Erwartung eines Umsatzwachstums von rund 5 Prozent, obwohl die Aufträge dank einer Milliardenorder aus den USA 74 Prozent höher waren als im Vorjahr. Siemens stärkt die Sparte mit der 550 Millionen Euro teuren Übernahme von Sqills, dem Entwickler einer Reservierungs-Software aus den Niederlanden. Der Zukauf wurde am Donnerstagmorgen kurz nach den Quartalszahlen verkündet. Das passt in die Strategie von Vorstandschef Busch. Er will die Sparten mehr auf Software ausrichten und das Software-Geschäft vom Verkauf von Lizenzen auf ein Abomodell umstellen.

ak/Reuters