Mittwoch, 20. November 2019

Schwächelnde Ertragsperle Siemens erwartet jahrelange Flaute im Kraftwerksgeschäft

Gasturbine: Überkapazitäten im Markt

Der Münchener Siemens-Konzern rechnet mit einer Abkühlung im ertragreichen Geschäft mit großen Gasturbinen. Der Kauf des Fracking-Spezialisten Dresser-Rand sorgt derweil intern für Streit.

München/Hamburg - Siemens Börsen-Chart zeigen rechnet mit einer länger andauernden Flaute im wichtigen Kraftwerksgeschäft. "Wir werden in den nächsten zwei bis drei Jahren ein niedrigeres Margenniveau sehen", sagte Energie-Vorstand Lisa Davis der "Börsen-Zeitung". Angesichts der Überkapazitäten im Markt für große Gasturbinen sei ein Preisdruck entstanden. Zudem müsse Siemens mehr investieren.

Die Warnung der ehemaligen Shell Börsen-Chart zeigen-Managerin ist von Gewicht für den Gesamtkonzern, weil die entsprechenden Aktivitäten in den vergangenen fünf Geschäftsjahren den jeweils höchsten Gewinn aller Divisionen erwirtschaftet haben. Zuletzt spielten die Geschäfte rund um die Kraftwerke sogar mehr ein als der gesamte Sektor Industrie.

Siemens-Chef Joe Kaeser hatte bereits bei Vorlage der jüngsten Zahlen Ende Juli gewarnt, dass das Geschäft mit Kraftwerken und Stromübertragungstechnik noch einige Quartale für Ärger sorgen könne.

Kauf von Dresser-Rand sorgt intern für Streit

Der geplante Kauf des US-Fracking-Spezialisten Dresser-Rand sorgt derweil einem "Spiegel"-Bericht zufolge für Streit im Arbeitnehmerlager. IG-Metall-Vertreter im Betriebs- und Aufsichtsrat lobten die anvisierte, knapp sechs Milliarden Euro teure Akquisition nach der Ankündigung am 22. September als "richtig" und "strategisch schlüssig". Im krassen Gegensatz dazu steht die Meinung des Vereins von Belegschaftsaktionären. Er vertritt gut 6000 Mitarbeiter und profiliert sich schon länger als Kritiker der Unternehmensführung.

Der "Einstieg in das hochumstrittene Geschäft mit Fracking" heißt es in einer Erklärung der Organisation, sei für eine Firma wie Siemens mit Schwerpunkt auf alternativen Energien "riskant und gefährlich". Der Deal könne sich schon bald als zu teuer herausstellen. Womöglich komme er auch "zu spät", da "Fracking-Quellen schon in wenigen Jahren versiegen" könnten.

Auch am geplanten Rückzug aus dem Geschäft mit Hausgeräten lassen die internen Mahner kein gutes Haar - im Gegensatz zu Vertretern der IG Metall. "Hier beginnt gerade eine neue spannende Zeit mit Vernetzung und computergesteuerten Geräten", argumentieren sie.

ts/rtr/Spiegel

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