Neue Zugflotte für Amtrak Rekordauftrag für Siemens in Nordamerika

73 neue Züge, später vielleicht 140 weitere, das Ganze im Wert von mehreren Milliarden Dollar: Einen Auftrag, wie ihn das US-Verkehrsunternehmen Amtrak an Siemens vergeben hat, hat der Dax-Konzern zuvor in den USA noch nicht bekommen.
Amtrak-Zug in Washington: Siemens soll die Flotte des US-Unternehmens erneuern

Amtrak-Zug in Washington: Siemens soll die Flotte des US-Unternehmens erneuern

Foto: DANIEL SLIM / AFP

Siemens hat einen Großauftrag über 3,4 Milliarden Dollar vom US-Bahnbetreiber Amtrak an Land gezogen. Die Order über 73 Züge und deren Wartung sei die größte, die die Siemens-Bahntechnik-Sparte Mobility jemals in Nordamerika bekommen habe, teilte der Münchner Technologiekonzern am Mittwoch mit.

Die Züge werden zwischen 2024 und 2030 ausgeliefert. Sie sollen die 40 bis 50 Jahre alte bestehende Flotte ersetzen und vor allem im Nordosten der USA eingesetzt werden. Amtrak - offiziell National Railroad Passenger Corporation - kann darüber hinaus bis zu 140 weitere Züge bei Siemens ordern, womit sich der Wert des Auftrags in etwa verdreifachen würde.

Gebaut werden die Züge im Siemens-Werk im kalifornischen Sacramento, wo 2100 Menschen arbeiten. Siemens ist mit einem Marktanteil von rund 16 Prozent einer der größten Lieferanten von Loks, Reisezügen, Stadtbahnen und Zug-Infrastruktur in USA.

"Das ist der eindrucksvolle Beweis dafür, dass Covid den Trend zu nachhaltigem Transport nicht bremst, sondern (...) die Verkehrswende auch in den USA gewollt und staatlich unterstützt wird", sagte der Chef von Siemens Mobility, Michael Peter, der Nachrichtenagentur Reuters. "Dabei fällt dieser Auftrag nicht unter die Stimulus-Programme nach der Corona-Pandemie."

Ein Teil des Geldes für die neuen Züge kommt trotzdem vom amerikanischen Staat. Amtrak ist formal im Privatbesitz, wird aber staatlich gefördert. Der Bahnbetreiber bezifferte sein Investment in neue Ausrüstung auf insgesamt 7,3 Milliarden Dollar.

Gerade für Hochgeschwindigkeitszüge gebe es in den USA ein enormes Potenzial, sagte Peter. Wenn sie die Metropolen an der Ostküste oder an der Westküste miteinander verbinden, ließen sich damit Flüge einsparen. Amtrak hoffe, durch die schnelleren Züge und die damit verkürzten Reisezeiten 1,5 Millionen Reisende pro Jahr zusätzlich zu gewinnen. 50 der bestellten Loks haben einen "Zweikraftantrieb", lassen sich also wahlweise elektrisch über die Oberleitung oder mit Diesel betreiben. 15 verfügen über einen Hybridantrieb mit Batterien.

"Die neuen Züge werden das Reisen mit der Bahn grundlegend verändern", erklärte Amtrak-Geschäftsführer Bill Flynn. Die Investition werde nicht nur für komfortable und sichere Reisen sorgen, "sondern auch gleichzeitig den CO2 Ausstoß reduzieren". Insgesamt will Amtrak inklusive des Großauftrags für Siemens 7,3 Milliarden Dollar investieren.

Wie profitabel der Milliardenauftrag ist, sagte Siemens-Manager Peter nicht. Siemens Mobility hat gerade die Ziele nach oben geschraubt. Der Umsatz soll in den nächsten Jahren im Schnitt um 5 bis 8 Prozent wachsen, die operative Rendite soll dabei zwischen 10 und 13 (bisher 9 bis 12) Prozent liegen. Die französische Alstom, auch in den USA der schärfste Konkurrent von Siemens, kämpft dagegen nach der Übernahme der kanadischen Bombardier mit Altlasten aus deren defizitären Großprojekten.

cr/Reuters, AFP
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