Dienstag, 25. Februar 2020

Live-Blog zur Siemens-Hauptversammlung "Siemens verliert die Kunden der Zukunft"

Joe Kaeser und Roland Busch auf der Bilanz-Pressekonferenz vor der Hauptversammlung
REUTERS/Andreas Gebert
Joe Kaeser und Roland Busch auf der Bilanz-Pressekonferenz vor der Hauptversammlung

In München treffen sich die Siemens-Aktionäre zur Hauptversammlung. Das Treffen steht unter dem Protest von Klimaaktivisten. Es geht aber auch um die Zukunft des Konzerns nach der Abspaltung des Kerngeschäfts Energie - und den Abschied von CEO Joe Kaeser.

18.30 Uhr: Die Abstimmungsergebnisse werden bekannt. Die Aktionäre von Siemens entlasten ihre Vorstände mit jeweils 94 bis 95 Prozent der Stimmen - überwältigende Zustimmung, aber weitaus weniger überwältigend als bei Siemens-Hauptversammlungen üblich. Im Vorjahr hatte es nur gut halb so viele Nein-Stimmen gegeben. Das schlechteste Ergebnis erzielt Konzernchef Joe Kaeser mit 94,29 Prozent. Noch einen Tick schlechter schneiden die Aufsichtsräte mit 92,6 bis 95,07 Prozent ab.

Auch das neue Vergütungssystem, mit dem Siemens "Verantwortung und Nachhaltigkeit stärken" will, wird mit nur 94,5 Prozent angenommen. Das war die Hauptversammlung 2020.

Kaeser, der in sein vermutlich letztes Amtsjahr geht, versucht sich als Weichensteller für nachhaltigen Erfolg des künftig dreigeteilten Konzerns zu präsentieren. Und er wirkt sichtlich irritiert, dass Siemens plötzlich zur Zielscheibe des Klimaprotests geworden ist, der auch diese Hauptversammlung dominiert - wobei Kaeser selbst daran großen Anteil hat, wie unsere Münchener Korrespondentin Angela Maier in ihrem Bericht analysiert.

16.45 Uhr: Ein Klimaschützer nach dem anderen spricht. Nun ordnet Snabe an, die Saalschützer sollten einen Aktivisten "entfernen". Eine Gruppe von "Extinction Rebellion" hatte sich an ein Geländer in der Halle sowie gegenseitig an den Händen aneinandergeklebt.

15.30 Uhr: Gewinner des Tages ist Siemens - an der Börse in Madrid. Die Aktie der Windkrafttochter Siemens Gamesa steigt um 6,5 Prozent auf 16,80 Euro, nachdem Siemens 1,1 Milliarden Euro für den Anteil des spanischen Energiekonzerns Iberdrola zahlt. "Das ist keine gute Nachricht", kommentiert jedoch die baskische Wirtschaftsministerin Arantxa Tapia. Es bestehe das Risiko, Siemens Energy werde die bisher im baskischen Zamudio angesiedelte Zentrale entmachten. Der Verein der spanischen Minderheitsaktionäre fordert auf der Hauptversammlung, dass Siemens auch ihnen wie Iberdrola 20 Euro je Aktie zahlt.

15 Uhr: Außer der Schülerin Varsha Yajman ist noch eine weitere Australierin nach München gereist, um Siemens-Chef Joe Kaeser "Lüge" vorzuwerfen. Murrawah Johnson tritt als Vertreterin des Volks der Wangan und Jagalinguo aus Queensland auf, wo die Adani-Kohlemine geplant ist, für die Siemens Bahntechnik liefert. Es stimme nicht, dass die Aborigines dem Projekt zugestimmt hätten, wie Kaeser behauptet. "Ich erhebe mich und kämpfe für mein Volk."

Anschließend sorgt Konzernchef Kaeser für Irritation, als er die beiden Australierinnen in seiner Antwort verwechselt. Die Umweltorganisation Urgewald, die Johnson eingeladen hat, verweist auf weitere Siemens-Projekte, die weniger kleinteilig wirken als der Adani-Auftrag. Siemens rüste beispielsweise Indonesiens größtes Kohlekraftwerk Batang aus, das derzeit gebaut wird. Die Energiesparte "verharrt im fossilen Zeitalter", meint Urgewald-Campaignerin Regine Richter.

14.30 Uhr: Inzwischen haben auch einige Klimaaktivisten gesprochen und den Protest von der Menschenkette draußen in die Olympiahalle hineingetragen, darunter auch zwei 17-Jährige von "Fridays for Future": Helena Marschall aus Frankfurt und Varsha Yajman aus Sydney. Durchweg fordern sie, den Auftrag für ein australisches Kohleprojekt doch noch abzusagen - unter Applaus. Marschall warnt, Siemens verliere die Kunden der Zukunft.

13.50 Uhr: Werner Fembacher vom Verein der Belegschaftsaktionäre kritisiert, dass die Dividende trotz des gesunkenen Gewinns je Aktie zum sechsten Mal in Folge erhöht wurde. Das Geld sollte besser im Geschäft investiert werden, wo "überhöhter Margendruck" etwa bei Digital Industries zu verzögerten Software-Updates und verärgerten Kunden führe.

Der Verein hat mehrere Gegenanträge zur Hauptversammlung gestellt. Unter anderem will er Kaeser die Entlastung verweigern. Nicht einmal das neue Vergütungssystem, das manche Fondsmanager als "überfällig" bezeichnen, findet die Gnade der Belegschaftsaktionäre.

13.30 Uhr: Finanzvorstand Ralf Thomas deutet an, Siemens werde seine 85 Prozent Anteile an Siemens Healthineers Börsen-Chart zeigen vorerst behalten. Ein Verkauf von Aktien komme erst infrage, wenn die Medizintechniktochter sich durch eine Übernahme verstärken könne. "Wir führen die Diskussion erst dann, wenn wir an der Brücke sind, über die wir dann auch gehen werden."

Joe Kaeser ahnt diese Brücke schon: "Der Umstand, dass man M&A-Vorhaben nicht sieht, heißt noch längst nicht, dass es keine Ziele gibt", ergänzt der Vorstandschef.

Damit beginnt die zweite Fragerunde. Aufsichtsratschef Jim Hagemann Snabe hat die Rednerliste geschlossen und die Redezeit auf fünf Minuten begrenzt, da noch immer rund 50 Aktionäre Wortbeiträge angemeldet haben. Die Klimaaktivisten von "Extinction Rebellion" sind empört.

13.15 Uhr: Joe Kaeser beantwortet erste Aktionärsfragen, und nimmt auch erneut Stellung zum Fall Adani. "Wir machen als Konzern 50 Millionen Euro Umsatz pro Stunde." Den Adani-Auftrag hingegen beziffert er auf 18 Millionen Euro - so etwas könne schon einmal unterm Radar bleiben, soll das heißen. "Dennoch müssen wir sagen: Das müssen wir besser machen." Dafür werde ein eigenes Gremium eingerichtet.

Kaeser fragt zugleich, "wo machen wir denn Halt?" Eine Kohlemine werde man "natürlich nicht" mehr unterstützen. Aber neue Gebäudetechnik für den Bergbaukonzern Rio Tinto sei in Ordnung; sie helfe, die CO2-Emissionen zu senken. Aufzüge für eine Kupfer- und Palladiummine in Chile, "dass die Leute sicher runter- und wieder raufkommen", nennt Kaeser als Beispiel.

Die Debatte um seine eigene Nachfolge "haben wir im Unternehmen nicht", behauptet Kaeser. "Die findet woanders statt. Wir im Unternehmen haben einen Plan, und ich finde, er wird jeden Tag besser."

12.45 Uhr: Während der Hauptversammlung ist die Siemens-Aktie Börsen-Chart zeigen, die am Vormittag nach teilsden schwachen Geschäftszahlen teils mehr als 2 Prozent im Minus notierte, auf inzwischen 113,66 Euro (plus 0,6 Prozent gegenüber dem Vortag) gestiegen. Die Analyseberichte der Banken reichen von "schwach" bis "durchwachsen", heben aber durchweg hervor, dass der Auftragseingang weniger geschrumpft sei als erwartet.

12.30 Uhr: Winfried Mathes von der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka kritisiert Joe Kaesers Zaudern beim Abtreten. "Einer solchen Personaldiskussion sind wir überdrüssig." Ein möglicher Nachfolger - also vermutlich Roland Busch - drohe öffentlich beschädigt zu werden. Mathes fordert, falls Kaeser nach dem Ende der Amtszeit in den Aufsichtsrat wechsle, müsse er eine zweijährige Cooling-Off-Periode einhalten, um Interessenkonflikte zu vermeiden.

12.15 Uhr: Vera Diehl von Union Investment urteilt anders als ihr Vorredner. "Der Fall Adani war ein kommunikatives Desaster für Siemens", bei einer sorgfältigen Prüfung hätte das Unternehmen "diesen Auftrag niemals unterzeichnen dürfen". Der Rufschaden als doch so grüner Konzern sei - neben dem von Kaeser "völlig überteuert gekauften" Ölausrüster Dresser-Rand - eine "Hypothek" für den Börsengang von Siemens Energy.

Auch zur Aktienperformance in der Ära Kaeser hat sie eine andere Rechnung als Kaeser selbst. Sie kommt auf eine Gesamtrendite von 62 Prozent Börsen-Chart zeigen seit seinem Antritt, eine "unterdurchschnittliche Leistung" aus Kapitalmarktsicht.

12 Uhr: Freundliche Worte kommen von Marcus Poppe, Fondsmanager der Deutsche-Bank-Tochter DWS, die nach eigenen Angaben 1,5 Milliarden Euro in Siemens-Aktien investiert hat - und damit zufrieden scheint, auch wenn Poppe hier und da noch etwas zu verbessern findet. Das "Reputationsrisiko" von Adani nicht zu erkennen, sei ein Fehler gewesen - aber trotzdem richtig, den Auftrag nicht zu stornieren. Das dürfte Siemens-Chef Joe Kaeser ebenfalls unterschreiben.

11.30 Uhr: Nun beginnt die Aussprache der Aktionäre. Laut Aufsichtsratschef Jim Hagemann Snabe liegen 50 Wortmeldungen vor, er bittet um Einhaltung einer Redezeit von 10 Minuten. Auch mehrere Klimaaktivisten haben sich mit Siemens-Aktien das Recht verschafft, ihre Kritik am Adani-Projekt in die Olympiahalle zu tragen.

11.20 Uhr: Kaeser wird persönlich. In einem Monat habe er sein 40-jähriges Konzernjubiläum. "Siemens 1980 und Siemens 2020, das sind andere Welten und Generationen." Das Siemens der nächsten Generation werde "kein komplexes Konglomerat mehr sein, wie wir es kennen und wie wir es lieben" - mit dem letzten Einschub weicht er vom Manuskript leicht ab.

Trotzdem sei das Neue besser als das Alte: Kaeser nennt es "kurzsichtig", von einer Zerschlagung zu sprechen. "In Wirklichkeit beginnt jetzt erst die Kür." Jedes der drei Siemens-Unternehmen könne in seiner Branche "zu den Besten gehören, vorzugsweise der Beste sein". So will der 62-Jährige sein Vermächtnis verstanden wissen.

In einem Jahr endet Kaesers Amtszeit. Die Idee, noch einmal zu verlängern, mit der Kaeser zwischenzeitlich liebäugelte, ist anscheinend vom Tisch. Zuletzt hatte Kaeser erklärt, mit der Konzernspaltung schaffe er seinen Job ab. Subtext: Roland Busch, der die Führung der Siemens AG übernehmen soll, ist dann eigentlich nicht mehr so wichtig wie der große Gestalter Kaeser jetzt.


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11.10 Uhr: Joe Kaeser spricht die Aktionäre an. Am 25. Juli 2013 habe Siemens zuletzt eine Gewinnwarnung veröffentlicht - wir erinnern uns: Das war der Auslöser für Kaesers Sprung an die Konzernspitze. Wer damals Siemens-Aktien kaufte, habe bis Ende 2019 eine Gesamtrendite von 82 Prozent verbuchen können.

Mit der für September geplanten Abspaltung von Siemens Energy bekämen die Aktionäre noch eine "Sachdividende" hinzu (die Energy-Aktien werden den Siemens-Aktionären ins Depot gebucht).

Das Muster dafür, die schon 2018 abgespaltene Medizintechniksparte Siemens Healthineers, sei "ein sehr guter erster Schritt" gewesen - trotz der jüngst aufgetretenen Probleme.

11 Uhr: Neue Vorzeigesparte der künftigen Siemens AG ist "Digital Factory" - und die bekommt Kaesers erstes Lob für jüngste Erfolge. Stolz ist Kaeser auf den Auftrag, "dass alle 122 VW-Werke weltweit miteinander vernetzt werden". Die einstige Kernsparte Energie muss sich jedoch noch hinter Zügen für die Londoner U-Bahn anstellen, mit einem Milliardenauftrag für ein Gaskraftwerk in Brasilien. Früher - auch noch unter Kaeser - wurde hier größer gedacht.

10.50 Uhr: Kaeser zieht "vier grüne Haken" unter den Zahlen des abgelaufenen Geschäftsjahres für Siemens. Dann setzt er auf das Eigenlob noch etwas drauf - "Es ist großartig, ein erfolgreiches Jahr zu haben. Aber eine Erfolgsserie hinzulegen ist etwas ganz anderes." 2019 sei zum sechsten Mal in Folge die Prognose erreicht oder übertroffen worden. Ein rotes Kreuz steht nur unter dem Geschäftsjahr 2013 - im August 2013 hatte der damalige Finanzvorstand Kaeser den Chefposten übernommen.

Außerdem sei Siemens in der Ära Kaeser "wieder zurück auf dem Wachstumspfad", sagt Kaeser. "Auch wenn die Profitabilität nicht Schritt hielt", räumt er ein. Aber egal, wie der Seitenhieb auf den einstigen Überrivalen General Electric demonstriert, der "in Existenznot geraten" sei.

10.40 Uhr: Siemens-Chef Joe Kaeser übernimmt das Mikrofon. Mit Blick auf den umstrittenen Kohleauftrag in Australien räumt er ein: "Es trifft zu, dass wir das gesamte Bild dieses Auftrags nicht rechtzeitig gesehen haben." Parallel zeigt er eine Folie, der zufolge Siemens schon heute 41 Prozent des Klimaneutralitätsziels bis 2030 erreicht habe. Im abgelaufenen Geschäftsjahr habe Siemens fast 640 Millionen Tonnen CO2 eingespart, das wären 80 Prozent der gesamten Emissionen Deutschlands.

10.35 Uhr: Snabe verabschiedet sich von den beiden einzigen Frauen im Siemens-Vorstand: der Amerikanerin Lisa Davis, die mit Kaesers missglücktem Zukauf des US-Ölausrüsters Dresser Rand 2014 kam und "sich um die Energiegeschäfte von Siemens sehr verdient gemacht hat", die nun ohne Davis an die Börse gehen - als Co-Chefin der Sparte neben Michael Sen amtiert sie nur noch heute, den Vorstand verlässt sie Ende Februar; und Personalchefin Janina Kugel, deren Amtszeit schon Ende Januar endete. Kugel ist heute nicht einmal mehr in der Olympiahalle.

Der Aufsichtsratschef spricht von einer "Neuerfindung" des Traditionskonzerns, um "Siemens zu einem Vorreiter für eine nachhaltige und digitale Zukunft zu machen" - vorerst offenbar ein Männerjob.

10.30 Uhr: Snabe spricht mit Blick auf die bevorstehende Spaltung vom Energiegeschäft von einem "Meilenstein". Am 9. Juli werden die Aktionäre noch einmal zu einer außerordentlichen Hauptversammlung geladen, um über die Trennung des früheren Kerngeschäfts zu beschließen.

"Manche sagen, dass das Unternehmen sich damit verkleinert", stellt Snabe fest. Aufsichtsrat und Vorstand aber sähen das anders: "Die drei Siemens-Unternehmen (Energy, Healthineers und die Rest-Siemens AG) bleiben miteinander verbunden wie die Mitglieder einer Familie."

10.20 Uhr: Snabe geht auf die Kritik am Australien-Auftrag ein. Er meint, die Debatte "entfernte sich von den eigentlichen Kernthemen: der Frage, wie wir Siemens insgesamt nachhaltiger machen". Der Konzern habe sich schon 2015 "als erstes globales Industrieunternehmen weltweit" verpflichtet, klimaneutral zu werden, und zwar schon bis 2030. Das gleiche Motiv wie am Morgen bei Konzernchef Kaeser: Die Siemens-Führung wirkt etwas beleidigt, dass sie keine Anerkennung als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit erntet.

10.07 Uhr: Mit leichter Verzögerung eröffnet Aufsichtsratschef Jim Hagemann Snabe die Versammlung. Zunächst hält er sich auf sicherem Terrain: den Formalien. Sicherheitskräfte riegeln die Bühne ab, damit niemand aus dem Publikum heraufstürmt. Das gab es noch nie.

Sicherheitskräfte vor der Bühne der Siemens-Hauptversammlung
manager magazin
Sicherheitskräfte vor der Bühne der Siemens-Hauptversammlung

10 Uhr: Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser! Wir berichten live von der Hauptversammlung von Siemens in der Münchener Olympiahalle.

Zuvor haben Konzernchef Joe Kaeser und sein designierter Nachfolger Roland Busch Geschäftszahlen für das vergangene Quartal präsentiert - und die fielen nicht gut aus.

Michael Sen, der das künftig eigenständige Unternehmen Siemens Energy im September an die Börse bringen soll, sprach von einem "gewaltigen Kraftakt" - und bekam von Kaeser mit, er müsse dringend bald bessere Zahlen vorlegen. "Diese Notwendigkeit war ja gerade im ersten Quartal unübersehbar." So unabhängig ist die Energiesparte offenbar schon jetzt: Kaeser sieht andere als zuständig für die Performance.

Zudem äußerte sich Kaeser zur Kritik an dem Kohleprojekt des indischen Konzerns Adani in Australien, für das Siemens Signaltechnik der Güterbahn liefern will. Es mute "schon fast grotesk an, dass wir durch ein Signaltechnik-Projekt in Australien zur Zielscheibe zahlreicher Umweltaktivisten geworden sind". Seiner Meinung nach sei der Siemens-Beitrag "irrelevant" für den Bau des neuen Kohlebergwerks. Gleichwohl würde er sich gegen den Auftrag entscheiden, wenn der Vertrag nicht schon unterschrieben wäre. Nach Informationen von manager magazin wusste Kaeser allerdings durchaus früh Bescheid.

Am Vorabend gab Siemens bekannt, den Minderheitsaktionär Iberdrola aus dem Windkraftunternehmen Siemens Gamesa für 1,1 Milliarden Euro herauszukaufen. Der Anteil von Siemens steigt damit auf 67,1 Prozent, was dem Konzern eine Zweidrittelmehrheit in der Hauptversammlung sichert. Ein Übernahmeangebot für die restlichen Aktien ist nicht geplant. Siemens Gamesa soll in die neue Aktiengesellschaft Siemens Energy eingebracht werden, deren Börsengang in diesem Jahr geplant ist. Jüngst musste das Unternehmen jedoch die zweite Gewinnwarnung in Folge herausgeben.

9.30 Uhr: Vor Beginn der Hauptversammlung versammeln sich Anhänger verschiedener Gruppen am Halleneingang. Sie zeigen Transparente mit Aufschriften wie "Kohlemine stoppen", "Siemens & Co enteignen" oder "Menschenrechte für Uigur*innen". Die größte Gruppe von rund hundert jungen Klimademonstranten wendet sich gegen die Beteiligung von Siemens an einem umstrittenen Kohlemineprojekt in Australien und skandiert "Kohle Stopp".

Mehrere Dutzend Polizisten und Wachleute beobachten die Kundgebungen und bewachen den Halleneingang, der mit Absperrgittergittern abgeriegelt war. Lediglich Aktionäre werden in das Gebäude gelassen. Am Vortag waren Greenpeace-Aktivisten auf das Dach der Siemens-Zentrale in München geklettert.

Auch Grünen-Bundestagsfraktionschef Anton Hofreiter äußert eine Erwartung an die Hauptversammlung: "Ich hoffe sehr, dass die Aktionäre und Geschäftsführung von Siemens heute ihrer Verantwortung für den Schutz des Planeten gerecht werden und dem Kohleprojekt in Australien die Unterstützung verweigern", sagt er. "Für Siemens wäre das finanziell ein kleiner Schritt, für das Weltklima dagegen ein enormer Gewinn." Auf der Tagesordnung steht das Vorhaben allerdings nicht.

mit Nachrichtenagenturen

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