Umsatz sinkt nur leicht, operativer Gewinn steigt Digitalsparte macht Siemens Hoffnung

Der Industriekonzern Siemens kommt recht robust durch die Corona-Krise, der Umsatz geht nur leicht zurück. Die guten Geschäfte der Digitalsparte sorgen dafür, dass der operative Gewinn sogar gestiegen ist.
Siemens: Der Umsatz sinkt nur moderat, der operative Gewinn ist im dritten Quartal gestiegen

Siemens: Der Umsatz sinkt nur moderat, der operative Gewinn ist im dritten Quartal gestiegen

Foto: FABRIZIO BENSCH/ REUTERS

Das Geschäft von Siemens zeigt in der Corona-Krise nur leichte Bremsspuren. Der Umsatz des Münchener Technologiekonzerns ging in den drei Monaten von April bis Juni nur um 5 Prozent auf 13,5 Milliarden Euro zurück, der Auftragseingang schrumpfte um 7 Prozent auf 14,4 Milliarden, wie Siemens am Donnerstag mitteilte. Vor allem die Zugsparte und Software zur Industrieautomatisierung stützten das Geschäft. Anleger reagierten mit Käufen auf die Quartalszahlen: Die Aktie von Siemens zog im vorbörslichen Handel um mehr als 2 Prozent auf 114,50 Euro an.

Der bereinigte operative Gewinn (Ebita) aus dem Industriegeschäft stieg im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2019/20 (per Ende September) sogar um 8 Prozent auf 1,79 Milliarden Euro. Analysten hatten Siemens im Schnitt nur 1,17 Milliarden zugetraut. Dazu trug auch eine Zuschreibung von gut 200 Millionen Euro auf die Beteiligung am Softwareunternehmen Bentley Systems bei. Die Steigerung im operativen Gewinn lässt sich vor allem auf den höheren Ergebnisbeitrag der Sparte "Digital Industries" zurückführen. Die Aktie von Siemens  legte im vorbörslichen Handel am Donnerstag leicht zu.

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Die neue Siemens-Führung

Foto: Eberhard Franke/ Siemens

Unter dem Strich halbierte sich der Gewinn allerdings auf 535 Millionen (Vorjahreszeitraum: 1,14 Milliarden) Euro. Dafür verantwortlich waren neben höheren Steuern vor allem die Verluste bei der spanischen Windkraft-Tochter Siemens Gamesa. Sie wird als Teil der Energietechnik-Sparte Siemens Energy am 28. September an die Börse gebracht.

Die Kosten der Abspaltung dürften den Gewinn im Gesamtjahr "wesentlich belasten", warnte Siemens. Deshalb gibt der Konzern auch weiterhin keine Gewinnprognose ab. Der Umsatz werde wegen der Corona-Pandemie "moderat", also um 3 bis 5 Prozent unter Vorjahr liegen. Nach neun Monaten steht ein Minus von 2 Prozent zu Buche.

Umbau im Vorstand - Busch ersetzt Kaeser ab Oktober

Außerdem vollzieht Siemens den angekündigten Vorstandsumbau. Der langjährige Vorstandschef Joe Kaeser (63) wird den Stab mit Ablauf der Hauptversammlung im Februar 2021 an Roland Busch (55) übergeben, wie der Aufsichtsrat des Technologiekonzerns am Mittwochabend entschied. Allerdings wird Busch, wie bereits bekannt, schon am 1. Oktober 2020 die Verantwortung für die Geschäftsaktivitäten und damit das Geschäftsjahr 2021 übernehmen. Kaeser werde den Übergang "aktiv" begleiten.

Zudem wurden auch die restlichen Weichen für das neue Vorstandsteam gestellt. Der langjährige Vorstand Klaus Helmrich (62), zuletzt verantwortlich für das Geschäft mit der digitalen Industrie, geht Ende März 2021 nach Ablauf seines Vertrages in den Ruhestand, wie es weiter hieß. Sein Nachfolger werde bereits zum 1. Oktober 2020 Cedrik Neike (47), derzeit Vorstandsmitglied für das Segment intelligente Infrastruktur. Auch Helmrich steht Neike bis zum Ablauf seines Vertrages zur Seite, wie es hieß. Neikes Posten übernimmt den Angaben zufolge Matthias Rebellius (55), der derzeit im Management der Sparte das operative Geschäft verantwortet. Rebellius wurde nun zum Vorstandsmitglied des Konzerns bestellt und mit einem Fünfjahresvertrag ausgestattet.

Damit ist der neue Vorstand von Siemens komplett. Bereits Mitte Juli hatte der Konzern mit Judith Wiese (49) eine neue Personalchefin gefunden, die ebenfalls ab 1. Oktober starten wird. Finanzvorstand bleibt Ralf Thomas (59).

Damit hat sich Siemens auch personell für die laufende Neuausrichtung gerüstet. Das Unternehmen will sich künftig verstärkt auf die Digitalisierung konzentrieren. In den vergangenen Jahren hat Kaeser daher eine Reihe von Bereichen in die Selbstständigkeit entlassen. So fusionierte Siemens das Windanlagengeschäft mit dem spanischen Konkurrenten Gamesa und brachte die Medizintechnik unter dem Namen Healthineers an die Börse. Derzeit läuft die Abspaltung des Energiegeschäfts Siemens Energy, das ab Ende November ebenfalls an der Börse notiert sein wird.

la/reuters
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