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Siemens-Chaos: Peter Löschers Pannenserie

Foto: A3216 Peter Kneffel/ dpa

Siemens kappt Prognose Die Kapitulationserklärung des Peter Löscher

Für Siemens-Chef Peter Löscher wird es eng. Nach zahlreichen Pannen kappt das Unternehmen das Renditeziel für 2014. Nun ist der Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Cromme am Zug. Am Mittwoch kommt es in München womöglich zum Showdown.
Von Cornelia Knust

München - Die magische Zahl ist gekippt. Im Schnitt 12 Prozent Marge bis 2014 - damit läuft Siemens-Konzernchef Peter Löscher seit Monaten durch den Konzern, um den Koloss auf Rentabilität zu trimmen, die Marktschwäche in Europa und die Pannen im Eisenbahn- und Windkraftgeschäft auszugleichen, die zunehmend genervten Aktionäre bei der Stange zu halten. Fast schien es, er habe sein eigenes Schicksal an das Erreichen dieser Zielmarge geknüpft.

Nun lässt er lapidar mitteilen: Siemens  geht nicht mehr davon aus, bis 2014 eine Ergebnismarge für die Summe der Sektoren von 12 Prozent zu erreichen. Schaut man auf den Börsenkurs - er stürzte nach 14 Uhr steil um 4 Prozent ab - kann man die Tragweite der Nachricht für den ganzen Konzern mit Händen greifen.

Der Grund für die gekippte Prognose: geringere Markterwartungen. Am Programm Siemens 2014, dem nach Schätzungen der IG Metall rund 10.000 Stellen zum Opfer fallen sollen, liegt es angeblich nicht: "Die strukturellen Maßnahmen zur Portfoliooptimierung und Kostensenkung sind weitestgehend auf Kurs", schreibt das Unternehmen.

Genetral Electric eilt davon

Tatsächlich hat Löscher im Konzern zuletzt an vielen Stellen reinen Tisch gemacht: Die leidige Beteiligung an Nokia Siemens Networks an Nokia übergeben, Osram per Spin-off an die Börse gebracht, den teuer zugekauften Anbieter von Solarkraftwerken Solel geschlossen.

Doch die schleppende Investitionsgüterkonjunktur wiegt offenbar alle Bemühungen auf.

Siemens steht mit seinem Pessimismus nicht allein: Wettbewerber ABB  aus der Schweiz hat heute schlechtere Zahlen im Auftragseingang vorgelegt, die genau diese mauen Aussichten, vor allem für die Wirtschaft in Europa, unterstreichen. Der Kurs geriet erheblich unter Druck. Hauptkonkurrent General Electric klang zuletzt allerdings optimistischer.

Bei Siemens kommen aber immer wieder hausgemachte Probleme dazu. So gibt es Meldungen über neue Pannen bei den Windrädern. Nach Informationen von Spiegel Online soll ein Unfall in einem von Siemens erstellten Windpark in der Wüste Kaliforniens Reparaturkosten in dreistelliger Millionenhöhe nach sich ziehen.

Opfert sich Cromme gleich selbst?

Freude über die gekippte Gewinnprognose dürfte bei der Gewerkschaft IG Metall ausbrechen. Sie hat die Fixierung auf das Margenziel immer wieder als Anbiederung an die Kapitalmärkte kritisiert und dem kurzfristigen Sparprogramm des Vorstands ein eigenes, langfristiger angelegtes Programm "Siemens 2020" entgegengesetzt.

Der Arbeitnehmerflügel im Siemens-Aufsichtsrat stützt allerdings bislang Siemens-Chef Löscher, da er dem Konzern ein Wachstumsprogramm verordnete, in den letzten Jahren in großem Umfang Stellen aufgebaut hat und sich an den einst geschlossenen Beschäftigungspakt gebunden fühlt.

Für Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme, selbst seit seinem unfreiwilligen Rückzug von der Aufsichtsratsspitze von Thyssen Krupp geschwächt, dürfte es zunehmend schwerer werden, das Verbleiben Löschers an der Konzernspitze zu rechtfertigen.

Er hatte ihn auf dem Höhepunkt der Schmiergeldaffäre 2007 persönlich auf den USA geholt und für ihn eine zweite Amtszeit an der Siemens-Spitze durchgesetzt. Wenn nach Aufkündigung des Margenziels die Fliehkräfte im Vorstand zu groß werden - dort sitzen einige mächtige Sektor-Chefs und ein ehrgeiziger Finanzvorstand - dann müsste er Löscher opfern oder gleich selbst mit abtreten.

Am 1. August will Siemens die 9-Monatsergebnisse veröffentlichen. Die vorangehende Aufsichtsratssitzung am Mittwoch könnte zum großen Showdown geraten.

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