Donnerstag, 5. Dezember 2019

Rekordvergütung von Siemens Joe Kaeser verdient 14 Millionen Euro in einem Jahr

Joe Kaeser
Hannibal Hanschke/ REUTERS
Joe Kaeser

Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser dürfte in diesem Jahr zu einem der bestverdienenden Manager im Leitindex Dax aufsteigen - wenn nicht ganz an die Spitze. Der seit sechs Jahren amtierende Konzernlenker hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2018/19 (per Ende September) 14,2 Millionen Euro Vergütung bekommen, wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten Geschäftsbericht des Münchener Industriekonzerns hervorgeht. Ein Jahr zuvor waren es 9,6 Millionen.

Grund für den Anstieg ist, dass in diesem Jahr zwei Tranchen von Langfrist-Boni aus den Jahren 2014 und 2015 fällig wurden, die sich bei Kaeser allein auf 7,2 Millionen Euro summieren. Seine Gesamtvergütung - also die Gehaltsansprüche, die sich Kaeser im Geschäftsjahr 2018/19 erworben hat - stieg nur leicht von 6,96 Millionen auf 7,15 Millionen Euro.


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Auch seine Vorstandskollegen Roland Busch, Lisa Davis, Ralf Thomas und Klaus Helmreich profitieren von der Doppel-Auszahlung. Diese rührt daher, dass Siemens die Wartefristen für die Langfrist-Boni in den vergangenen Jahren mehrfach verändert hat. Kaesers Stellvertreter Busch erhielt 7,3 Millionen Euro.

Ab dem seit Oktober laufenden Geschäftsjahr 2020 will Siemens die Vergütung seiner Vorstände umstellen, um sie "stärker an der nachhaltigen Unternehmensentwicklung" auszurichten. Dabei werde der überarbeitete, künftige Deutsche Corporate Governance Kodex bereits berücksichtigt, hieß es. Zudem sollen im neuen System neben der Entwicklung am Kapitalmarkt auch die Verringerung der CO2-Emissionen, die Fortbildung von Mitarbeitern und die Kundenzufriedenheit eine Rolle spielen.

Der Münchener Konzern sieht sich damit als Vorreiter unter den Dax-Unternehmen. "Unsere neue Vorstandsvergütung macht die langfristige Verantwortung von Siemens nicht nur gegenüber den Aktionären, sondern auch den Kunden, Mitarbeitern und der Gesellschaft deutlich", erklärte Aufsichtsratschef Jim Hagemann Snabe. Die Aktionäre sollen am 5. Februar darüber abstimmen.

Snabe reagiert mit dem neuen System auch auf die Kritik von Fondsgesellschaften und anderen Großaktionären. So richten sich die langfristigen Aktien-Boni künftig nicht mehr am Abschneiden der Siemens-Aktie über vier Jahre im Vergleich zu fünf direkten Konkurrenten, sondern im Vergleich zum breit gefassten "MSCI World Industrials Index". Die Ein-Jahres-Boni können maximal das Doppelte des Grundgehalts - bei Kaeser etwa 2,2 Millionen Euro - betragen. Bisher hatte der Aufsichtsrat nach eigenem Gutdünken noch 20 Prozent drauflegen können. Für Siemens-Vorstände, die auch für einen Geschäftsbereich zuständig sind, fließt dann das Abschneiden der jeweiligen Sparte in den Bonus ein.

Der Bundestag beschloss im November eine Gehaltsobergrenze, die allerdings von den Aktiengesellschaften selbst definiert werden soll. Der Personalberater Christoph Zeiss erwartet ohnehin, dass "die Managergehälter weiter steigen werden". Angesichts der zunehmenden Komplexität der Aufgaben an der Konzernspitze sei die Auswahl möglicher Bewerber gering.

Kaesers Vertrag läuft bis 2021. Für den Fall, dass die geregelte Nachfolge nicht klappt, brachte der Manager jüngst aber eine Verlängerung um zwei Jahre ins Spiel.

ak/reuters/dpa-afx

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