Umsatz und Auftragseingang gesunken Joe Kaeser senkt zum Abschied erstmals die Siemens-Dividende

Kurz vor Ende seiner siebenjährigen Amtszeit verkündet Siemens-Chef Joe Kaeser erstmals eine sinkende Dividende. Zwar gab es im vierten Quartal einen ordentlichen Gewinnsprung. Für das gesamte Geschäftsjahr sehen die Zahlen jedoch schlechter aus.
"Das neue Siemens ist hervorragend aufgestellt, um die gewaltige industrielle Transformation zu gestalten": Siemens-Chef Joe Kaeser

"Das neue Siemens ist hervorragend aufgestellt, um die gewaltige industrielle Transformation zu gestalten": Siemens-Chef Joe Kaeser

Foto: ODD ANDERSEN/ AFP

Der Technologiekonzern Siemens hat im vierten Quartal von der Abspaltung seines Energiegeschäfts profitiert. Nach Steuern verdiente das Unternehmen mit rund 1,9 Milliarden Euro 28 Prozent mehr als im Vorjahr, wie das Unternehmen am Donnerstag in München mitteilte.

Operativ wurde die Entwicklung weiter zum Teil durch Nachfragerückgänge im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie belastet. Einsparungen wirkten sich dabei positiv aus. Das bereinigte operative Ergebnis der Industriegeschäfte (Ebita) konnte um 10 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro zulegen, was deutlich über den Erwartungen der Analysten lag.

Hier profitierte Siemens auch von der Neubewertung seines Anteils an Bentley Systems im Zusammenhang mit dem Börsengang des Unternehmens im September. Umsatz und Auftragseingang wurden durch negative Währungseffekte belastet. Die Erlöse sanken um 6 Prozent auf 15,3 Milliarden Euro, das Neugeschäft nahm um 1 Prozent ab. 

Im gesamten abgelaufenen Geschäftsjahr sank der Gewinn zwar um ein Viertel, doch unter dem Strich steht immer noch ein Plus von 4,2 Milliarden Euro. Der Umsatz ging im abgelaufenen Geschäftsjahr - ohne die abgespaltene Energietechnik - um 2 Prozent auf 57,1 Milliarden Euro zurück. Der Auftragseingang schrumpfte um 7 Prozent auf 60,0 Milliarden. Zum ersten Mal seit dem Amtsantritt von Vorstandschef Joe Kaeser vor sieben Jahren sinkt deshalb die Dividende: auf 3,50 von 3,90 Euro je Aktie.

Moderates Wachstum im neuen Geschäftsjahr

Siemens habe "ein bemerkenswertes Geschäftsjahr mit einem starken vierten Quartal abgeschlossen", sagte der scheidende Konzernchef Joe Kaeser (63). Die Jahreszahlen sind die letzten, die er verantwortet. Im Februar soll er von seinem Stellvertreter Roland Busch (55) abgelöst werden. Der künftige Chef gilt als unpolitisch, geradlinig und technikverliebt - ein Gegenmodell zu seinem Vorgänger (lesen Sie hier  ein Porträt über Roland Busch). Busch hat bereits klargemacht, dass er den Konzern nicht weiter zerlegen will.

"Nach der Abspaltung von Siemens Energy und der Veräußerung von Flender ist das neue Siemens hervorragend aufgestellt, um die gewaltige industrielle Transformation zu gestalten", sagte Kaeser weiter. Sein designierter Nachfolger Busch sprach von einem neuen Kapitel in der 173-jährigen Geschichte des Unternehmens. "Wir haben ein Konglomerat in ein fokussiertes Technologieunternehmen gewandelt", sagte Busch. 

Siemens rechnet auch für das am 1. Oktober gestartete Geschäftsjahr 2020/21 mit einem erheblichen Gegenwind von der Währungsseite. Vergleichbar - also bereinigt um Währungs- und Portfolioeffekte - erwartet der Konzern ein moderates (3 bis 5 Prozent) Umsatzwachstum. Auch der Gewinn nach Steuern dürfte moderat steigen von 4,2 Milliarden Euro im Vorjahr. Dabei unterstellt Siemens, dass die Corona-Pandemie die Weltwirtschaft nicht dauerhaft belasten wird.

mg/dpa-afx/Reuters