Dienstag, 25. Februar 2020

EXKLUSIV Auftrag in Australien Siemens-Vorstände besprachen Kohleprojekt doch schon vor Vertragsabschluss

Proteste bei Siemens in Niedersachsen: Das bei Klimaschützern hochumstrittene Signaltechnik-Projekt für ein Kohlebergwerk in Australien wurde bereits am 5. Dezember in der Siemens-Vorstandssitzung vorgestellt.
picture alliance/dpa
Proteste bei Siemens in Niedersachsen: Das bei Klimaschützern hochumstrittene Signaltechnik-Projekt für ein Kohlebergwerk in Australien wurde bereits am 5. Dezember in der Siemens-Vorstandssitzung vorgestellt.

Der Siemens-Vorstand hat den hochumstrittenen Signaltechnik-Auftrag für das Kohlebergwerksprojekt des indischen Industriekonzerns Adani in Australien fünf Tage vor Vertragsabschluss in einer Vorstandssitzung besprochen. Dies erfuhr das manager magazin aus Unternehmenskreisen.

Der Auftrag sei demnach unter dem Tagesordnungspunkt "Around the table" ("Sonstiges") von dem für die Zugtechnik zuständigen Vorstandsmitglied Roland Busch in der Vorstandssitzung des 5. Dezember 2019 vorgestellt worden. Wegen des geringen Volumens von nur 18 Millionen Euro sei der Auftrag kein eigener Tagesordnungspunkt gewesen. Busch habe darüber wegen der damals schon laufenden Proteste vor allem australischer Klimaschützer vorgetragen.


Mehr dazu: Projekt in Australien belastet Joe Kaeser und Roland Busch: Wie die Siemens-Spitze in den umstrittenen Kohledeal verstrickt ist

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Größere Einwände habe es in der Sitzung nicht gegeben. Der Vertrag wurde am 10. Dezember 2019 unterzeichnet. Den Unternehmenskreisen zufolge nahm der Großteil der Vorstände inklusive des Vorsitzenden Joe Kaeser an der Sitzung teil. Siemens ließ vergangene Woche eine Anfrage des manager magazins dazu unbeantwortet.

Das Projekt sorgt seit Wochen für Protestwellen der Klimaschützer um die Jugendbewegung "Fridays For Future". Kaeser hatte der deutschen FFF-Anführerin Luisa Neubauer daraufhin sogar einen Sitz im Aufsichtsrat der künftigen Kraftwerksgesellschaft Siemens Energy angeboten, war aber abgeblitzt.

Der Vorstandschef vermittelte zeitweise den Eindruck, er habe erst nach Vertragsunterschrift am 10. Dezember von dem Projekt erfahren. Da aber sei ihm "sofort klar gewesen, was sich da anbahnt und dass die Bedeutung weit über das Auftragsvolumen von 18 Millionen Euro hinausgeht", sagte er am 10. Januar dem SPIEGEL. "Wäre der Auftrag nicht bereits unterschrieben gewesen, wäre ich sicher schwer davon zu überzeugen gewesen, ihn anzunehmen."

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