Mittwoch, 13. November 2019

Medizintechnik-Sparte erhöht Umsatz und verfehlt Renditeziel Siemens Healthineers steigen nach Zahlen auf Rekordhoch

Siemens Healthineers: Bei bildgebenden Verfahren wie der Computertomographie stieg das operative Ergebnis deutlich

Die Medizintechnik-Sparte von Siemens kommt wegen der holprigen Einführung ihres neuen Labordiagnostik-Systems nicht recht voran. Beim Umsatz übertraf Siemens Healthineers im Geschäftsjahr 2018/19 (Ende September) mit 14,5 Milliarden Euro das Vorjahresniveau um 6 Prozent, weil die dominierende Sparte Bildgebung (Röntgen, Computertomografie, MRT) einen Endspurt hinlegte, wie das Unternehmen am Montag am Firmensitz in Erlangen mitteilte.

Doch die bereinigte operative Gewinnmarge lag mit 17,3 (2017/18: 17,2) Prozent nur leicht über Vorjahr und unterhalb der mindestens 17,5 Prozent, die Vorstandschef Bernd Montag im August in Aussicht gestellt hatte.

Die Aktien von Siemens Healthineers Börsen-Chart zeigen haben sich am Montag für eine klar positive Richtung entschieden. Im vorbörslichen Geschäft hatten sie zeitweise noch deutlich unter Druck gestanden, im Xetra-Handel starteten sie dann aber kräftig im Plus. Mit 41,475 Euro verbuchten sie zu Handelsbeginn sogar einen neuen Rekord. Zuletzt standen sie mit 5,4 Prozent im Plus bei 40,455 Euro. Dies brachte ihnen im freundlichen MDax die Spitzenposition ein.

Am Markt setzte sich bei dem Hersteller von Medizintechnik die gute organische Umsatzentwicklung und ein als solide gewerteter Ausblick gegenüber einigen anderen Aspekten durch. Der Umsatz habe die durchschnittliche Analystenschätzung übertroffen, urteilte JPMorgan-Analyst David Adlington in einer ersten Reaktion. Er und auch weitere Experten sprachen jedoch von einer mauen Margenentwicklung.


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Von den "Atellica"-Laborstraßen, dem Hoffnungsträger der Diagnostik-Sparte, hat Siemens Healthineers im abgelaufenen Geschäftsjahr 1820 Exemplare ausgeliefert. Zuletzt hatte Montag das Ziel von 2200 bis 2500 auf 1800 gesenkt. Bis die Sparte die angepeilte operative Umsatzrendite von rund 15 Prozent erreicht, werde es bis 2024 dauern, räumte Healthineers ein.

Bisher sollte sie das bis 2022 schaffen. Das Unternehmen verdient weniger an der aufwendigen Installation der Anlagen, als später mit Reagenzien und anderen Verbrauchsmaterialien. Zuletzt lag die Marge bei Diagnostics bei 9,3 (12,1) Prozent, der operative Gewinn brach um 17 Prozent ein.

Neue Ziele bis 2020: Umsatz soll um 5 bis 6 Prozent wachsen

Bei Imaging (Bildgebung) stieg das operative Ergebnis um 18, bei Advanced Therapies (Operationsroboter und andere Geräte) um 14 Prozent. "Wir gehen die Herausforderungen bei Diagnostics entschlossen an, während wir die starken Positionen von Imaging und Advanced Therapies ausbauen", sagte Vorstandschef Montag.

Der Gewinn nach Steuern sprang 2018/19 um 24 Prozent auf 1,59 Milliarden Euro, weil Healthineers weniger Zinsen zahlen musste. Die Dividende soll auf 80 von 70 Cent je Aktie steigen. Der Münchner Industriekonzern Siemens hält seit dem Börsengang im März 2018 noch 85 Prozent an der Tochter.

Für das laufende und die nächsten Jahre setzt sich Siemens Healthineers höhere Ziele. Der Umsatz soll 2019/20 um fünf bis sechs Prozent wachsen, in den beiden folgenden Geschäftsjahren um rund fünf Prozent. Für das bereinigte Ergebnis je Aktie (2018/19: 1,70 Euro) erwartet Healthineers im laufenden Jahr einen Zuwachs von sechs bis zwölf Prozent, für die folgenden Jahre von rund zehn Prozent.

la/reuters

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