Kapitalerhöhung Siemens Healthineers sammelt Milliarden für Varian-Übernahme ein

Mit der teuren Übernahme des US-Partners Varian hat der Medizintechnik-Ableger von Siemens bereits für Partylaune in Palo Alto gesorgt. Nun besorgt sich Siemens Healthineers Geld über die Ausgabe neuer Aktien - und hält an seinen Dax-Aufstiegsplänen fest.
Bernd Montag, Chef von Siemens Healthineers, will mit dem Medizintechnikkonzern nach der Übernahme von Varian gern in den Dax aufsteigen

Bernd Montag, Chef von Siemens Healthineers, will mit dem Medizintechnikkonzern nach der Übernahme von Varian gern in den Dax aufsteigen

Foto: Daniel Karmann/ dpa

Der Medizintechnikkonzern Siemens Healthineers hat sich am Kapitalmarkt knapp drei Milliarden Euro für die Varian-Übernahme besorgt. Die im Rahmen einer Kapitalerhöhung ausgegebenen neuen Aktien seien für 36,40 Euro je Stück verkauft worden, teilte das Unternehmen am späten Mittwochabend in Erlangen mit. Der Schlusskurs im Xetra-Hauptgeschäft hatte bei 38,32 Euro gelegen. Dementsprechend standen die Papiere  am Donnerstag unter Druck und gaben um rund 4 Prozent nach.

Mit der Kapitalerhöhung ist das Grundkapital um 7,5 Prozent erhöht worden. Die Papiere waren ausschließlich professionellen Ablegern in einem beschleunigten Verfahren angeboten worden. Der Medizintechnikkonzern aus Erlangen hatte Anfang August angekündigt, seinen auf Krebsbehandlung spezialisierten langjährigen US-Partner Varian Medical Systems für 16,4 Milliarden Dollar zu übernehmen. Rund die Hälfte des Kaufpreises will Healthineers durch die Ausgabe neuer eigener Aktien finanzieren. Der erste Schritt dazu war die nun abgeschlossene Kapitalerhöhung. Mit dem Erlös solle ein Teil des von der Mutter Siemens bereitgestellten Brückenkredits abgelöst werden, erklärte Siemens Healthineers. 

Gute Kaufgelegenheit

Ein Händler verwies darauf, dass der Kapitalschritt wegen der Übernahme schon angekündigt und so im Zuge der jüngsten Kursschwäche wohl auch schon eingepreist worden sei. Seitdem der Kauf vermeldet wurde, wurden die Papiere auf ein Tief seit April gedrückt. Gut 13 Prozent haben sie seither schon an Wert verloren - ohne den nun drohenden Abschlag am Donnerstag. Der Börsianer sieht daher in einem Rückschlag eine womöglich gute Kaufgelegenheit.

Varian Medical Systems  mit Sitz im kalifornischen Palo Alto konzentriert sich auf die Entwicklung und Bereitstellung innovativer Krebsbehandlungen und beschäftigt laut eigenen Angaben 10.000 Mitarbeiter. Im Jahr 2019 erwirtschaftete das Unternehmen laut Jahresbericht  einen Umsatz von 3,2 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen bringt es gegenwärtig auf einen Börsenwert von etwa 13 Milliarden Dollar. In Palo Alto sorgte der Traumdeal des scheidenden Siemens-Chefs Joe Kaeser (63) daher auch für Partylaune .

Siemens Healthineers, das 2018 vom Mutterkonzern abgespalten wurde, ist an der Börse derzeit umgerechnet etwa 51,4 Milliarden Dollar wert. Im dritten Quartal fiel der Umsatz des MDax-Konzerns gegenüber dem Vorjahresquartal um 7,2 Prozent auf 3,31 Milliarden Euro. Der um Sondereffekte bereinigte Betriebsgewinn (Ebit) rutschte um 15 Prozent auf 461 Millionen Euro ab. Für das letzte Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2019/2020 rechnet der Konzern wieder mit deutlich besseren Geschäften.

mg/dpa-afx, Reuters
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