Gewinneinbruch bei Labordiagnostik Corona-Krise verhagelt Siemens Healthineers das Geschäft

Ausgerechnet die Labordiagnostiksparte von Siemens Healthineers verzeichnet trotz der Corona-Pandemie einen Gewinneinbruch. Denn die Siemens-Tochter ist im Bereich der Corona-Diagnostik nicht sehr gut aufgestellt.
Siemens-Healthineer-Logo: Routineuntersuchungen in den Krankenhäusern und bei Ärzten wurden aufgrund der Pandemie verschoben - das ging zu Lasen der Labordiagnostiksparte

Siemens-Healthineer-Logo: Routineuntersuchungen in den Krankenhäusern und bei Ärzten wurden aufgrund der Pandemie verschoben - das ging zu Lasen der Labordiagnostiksparte

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Michaela Rehle/ REUTERS

Die Medizintechnik-Tochter von Siemens muss den Turbulenzen in Krankenhäusern und Laboren in der Corona-Pandemie Tribut zollen. Beim Umsatz trat Siemens Healthineers  im abgelaufenen Geschäftsjahr 2019/20 (per Ende September) mit 14,5 Milliarden Euro auf der Stelle. Der Nettogewinn ging um 10 Prozent auf 1,42 Milliarden Euro zurück, wie das Unternehmen am Montag in Erlangen mitteilte. Grund dafür war vor allem ein Gewinneinbruch in der Labordiagnostiksparte, weil Kliniken und Ärzte Routineuntersuchungen mit Bluttests wegen der Pandemie verschoben. Dazu kamen höhere Kosten. Siemens Healthineers hat zwar auch Corona-Tests im Angebot, ist aber in der Molekulardiagnostik im Vergleich zu Marktführer Roche klein.

Im vierten Quartal zeigten sich immerhin Verbesserungen im Vergleich zum Vorjahresquartal, als vor allem das Diagnostikgeschäft deutlich unter den niedrigeren Testaufkommen für Routineuntersuchungen litt. Umsatz und Gewinn lagen aber dennoch unter dem Vorjahr. So sank der Umsatz um 6,4 Prozent auf 3,88 Milliarden Euro. Vergleichbar lag das Minus bei 2 Prozent. Dabei sind Währungseffekte sowie Zu- und Verkäufe herausgerechnet. Das Diagnostikgeschäft erholte sich dabei im Vergleich zum Vorjahresquartal deutlich, lag aber mit einem vergleichbaren Umsatzrückgang von 1 Prozent immer noch leicht im Minus. Das bereinigte Ebit lag im vierten Quartal nur bei sieben Millionen Euro - im Vorjahresquartal waren es noch 106 Millionen Euro. Auch die Margen blieben unter Druck. Das Geschäft mit der Bildgebung konnte sich gegenüber dem Vorjahresquartal verbessern, lag aber ebenfalls noch unter dem Vorjahr. Unter dem Strich verdiente Siemens Healthineers mit 428 Millionen Euro weniger als im Vorjahresquartal, als noch 502 Millionen Euro zu Buche standen.

Positiver Ausblick für das neue Geschäftsjahr

Mit den Zahlen erfüllte Siemens Healthineers die eigenen, im August abgegebenen Prognosen. Das Ergebnis je Aktie lag mit 1,59 (Vorjahr: 1,70) Euro in der Mitte der erwarteten Spanne von 1,54 bis 1,62 Euro. Die Siemens-Tochter hatte einen stagnierenden Umsatz in Aussicht gestellt. Siemens Healthineers habe sich "als sehr widerstandsfähig erwiesen und hervorragend behauptet", sagte Vorstandschef Bernd Montag (51). Die Dividende soll bei 80 Cent je Aktie stabil bleiben.

Im neuen Geschäftsjahr soll es wieder deutlich aufwärtsgehen. Für 2020/21 erwartet das Unternehmen einen Umsatzanstieg auf vergleichbarer Basis von 5 bis 8 Prozent. Das Ergebnis je Aktie soll zwischen 1,58 und 1,72 Euro liegen. Voraussetzung dafür sei, dass bei den Routineuntersuchungen in den Laboren langsam wieder Normalität einkehre und die Investitionen im US-Gesundheitssystem ab Januar wieder anzögen.

Das bereinigte Ergebnis je Aktie ist inem Händler zufolge schlechter als erwartet. Auch das Abschneiden des Konzerns im vierten Geschäftsquartal nannte er durchwachsen. Die im MDax  notierten Titel gaben am Montag um 0,2 Prozent nach.

Die vereinbarte Übernahme des US-Krebsspezialisten Varian ist in den Prognosen noch nicht enthalten. Healthineers will die im Sommer angekündigte 16,4 Milliarden US-Dollar schwere Akquisition in der ersten Hälfte des Kalenderjahres 2021 abschließen. Der Traumdeal von Siemens-Chef Joe Kaeser  (63) sorgte bisher vor allem am Varian-Sitz in Palo Alto für Partylaune. Mit dem Milliardendeal will der Medinzintechnikkonzern sein US-Geschäft deutlich ausbauen und hierzulande in den Dax aufsteigen.

mg/Reuters/dpa-afx
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