Montag, 9. Dezember 2019

Konzern legt operativ zu Siemens verdient mehr als erwartet

Siemens-Zentrale in München

Der Technologiekonzern Siemens steht vor seiner größten Transformation seit Jahren. Mit der Entscheidung, sich von seinem Energiegeschäft zu trennen, kappt das Unternehmen einen Teil seiner Wurzeln. Die DNA der Münchener wird mit der Konzentration auf die wachstumsträchtigen digitalen Geschäfte grundlegend verändert.

Dabei kann Siemens auf eine robuste Entwicklung im ersten Halbjahr zurückgreifen. Im zweiten Quartal schnitt Siemens besser ab als erwartet. Investoren griffen am Mittwochmorgen bei der Aktie Börsen-Chart zeigen zu - sie lag mit einem Plus von mehr als fünf Prozent an der Dax-Spitze.

Der Umsatz des Technologiekonzerns legte im zweiten Quartal um vier Prozent auf knapp 21 Milliarden Euro zu, die Auftragslage zog weiter an und stieg um rund sechs Prozent auf 23,6 Milliarden Euro, wie Siemens am Mittwoch in München mitteilte.

Das operative Ergebnis lag mit rund 2,4 Milliarden Euro um sieben Prozent über dem Vorjahresquartal. Zwar gilt seit April eine neue Konzernstruktur, doch die Zahlen präsentierten die Münchener noch nach altem Modell.

Service-Aufträge zahlen sich aus

Durchatmen konnte vor allem die Kraftwerksparte. Siemens-Chef Joe Kaeser hatte am Dienstag angekündigt, die Einheit auszugliedern und an die Börse zu bringen. Damit trennt sich Siemens von einem weiteren Kerngeschäft, das dem Konzern in der Vergangenheit aber vor allem Sorge bereitet hatte. Weil die Konkurrenz erneuerbarer Energien immer stärker wird und auf dem Markt ein Überangebot an Gasturbinen herrscht, hat das Geschäft mit konventionellen Kraftwerken große Probleme. Auch im aktuellen Quartal ging der Umsatz um vier Prozent auf rund 2,8 Milliarden Euro zurück. Auch Kaeser räumt ein, dass die konjunkturellen Hochzeiten der Branche erstmal vorbei seien.

Doch neue Großaufträge, etwa für ein Flüssiggasprojekt in Brasilien, lassen auf bessere Zeiten hoffen. Auch der Aufbau der Stromversorgung im Irak könnte für Siemens weitere Aufträge bedeuten.

Das operative Ergebnis stieg deutlich um rund 38 Prozent auf 156 Millionen Euro. Grund dafür sind vor allem langfristige und lukrative Service-Aufträge für Wartung und Instandhaltung bestehender Anlagen, die sich nach und nach auszahlen. "Ich glaube, dass viele Wettbewerber sich wirklich wünschen würden, dass sie auch so kriseln würden wir das angeblich tun", sagte Kaeser am Mittwoch.

Rund läuft weiterhin auch die Zugsparte, deren Fusion mit dem französischen TGV-Hersteller Alstom unlängst am Veto der EU-Kommission scheiterte. Der Auftragseingang stieg im zweiten Quartal um nahezu die Hälfte auf rund 3,5 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahresquartal.

Prognose bestätigt

Unter dem Strich verdiente Siemens mit 1,8 Milliarden Euro leicht weniger als im Vorjahr, als 1,95 Milliarden Euro erzielt wurden. Marktexperten hatten einen deutlicheren Rückgang erwartet. Dabei wirkten sich Steuereffekte positiv aus. Im vergangenen Jahr hatte Siemens zudem von einem Sondergewinn profitiert.

Die Prognose für das am 30. September endende Geschäftsjahr bekräftigte Siemens. Bereinigt um Kosten für Personalabbau in der Kraftwerkssparte erwartet der Konzern eine Marge für das Industriegeschäft von 11 bis 12 Prozent. Im vergangenen Geschäftsjahr waren es 11,3 Prozent gewesen. Beim Gewinn je Aktie erwartet das Management um Kaeser eine Zunahme auf 6,30 bis 7,00 Euro. Auch hier sind Kosten für Stellenabbau ausgeklammert. Finanzvorstand Ralf Thomas kündigte eine Präzisierung für das dritte Quartal an.

Siemens will 20.500 neue Stellen schaffen

Mittelfristig sollen die jährliche Wachstumsrate des Umsatzes und die Gewinnmarge des Industriellen Geschäfts um jeweils zwei Prozentpunkte steigen. Das Ergebnis je Aktie soll mittelfristig stärker wachsen als der Umsatz. Langfristig soll die Gewinnmarge des Industriellen Kerngeschäfts 14 bis 18 Prozent erreichen, im zweiten Quartal lag sie bei 11,7 Prozent.

Dazu will Siemens Kosten sparen. Wie bereits angekündigt, sollen zentrale Konzernfunktionen wie die Verwaltung dezentralisiert und schlanker aufgestellt werden. Dies bedeutet einen Abbau von rund 2500 der insgesamt etwa 12.500 Arbeitsplätze in diesen Zentralfunktionen bis 2023, wie Siemens weiter mitteilte.

Die in diesem Zusammenhang anfallenden Kosten bezifferte Siemens auf 400 Millionen Euro, die Aufwendungen für das Effizienzprogramm sollen bei rund 1 Milliarde Euro liegen. Bis 2023 will der Konzern durch Effizienzsteigerungen die Kosten um rund 2,2 Milliarden Euro senken. Das bereits bekannte Sparprogramm in der Kraftwerkssparte von 500 Millionen Euro ist darin bereits enthalten.

Insgesamt sollen damit 10.400 Stellen in Verwaltung, Digital Industries und bei Smart Infrastructure abgebaut werden. Dies soll sozialverträglich geschehen. So soll der Abbau durch die derzeit herrschende Altersstruktur aufgefangen werden, so Kaeser. Gleichzeitig plant Siemens jedoch die Schaffung 20.500 neuer Stellen.

rei, mg/dpa-afx

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