Quartalsverlust Siemens schreibt erstmals seit zwölf Jahren rote Zahlen

Siemens-Chef Roland Busch muss den ersten Quartalsverlust seit fast 12 Jahren melden. Vor allem Abschreibungen auf Siemens Energy und das Russland-Geschäft belasten. Siemens dampft die Jahresprognose deutlich ein. Die Aktie gibt nach.
Roland Busch: Der Siemens-Chef sieht den Konzern operativ gut gerüstet

Roland Busch: Der Siemens-Chef sieht den Konzern operativ gut gerüstet

Foto: Peter Kneffel/ dpa

Eine milliardenschwere Abschreibung auf die Beteiligung an der ehemaligen Energietechnik-Tochter Siemens Energy hat Siemens den ersten Quartalsverlust seit gut zwölf Jahren eingebrockt. Unter dem Strich stand im dritten Quartal ein Minus von 1,53 Milliarden Euro, teilte der Technologie- und Industriekonzern am Donnerstag mit. Ein Jahr zuvor hatte Siemens noch 1,48 Milliarden Euro Gewinn erwirtschaftet. Am Markt kamen die Zahlen zunächst nicht gut an. Hatten die Papiere zunächst mehr als 2 Prozent nachgegeben, konnten sie ihre Verluste in einem starken Dax-Umfeld am Vormittag auf gut 1 Prozent reduzieren.

Rote Zahlen hatte es zuletzt im Schlussquartal des Geschäftsjahres 2009 gegeben. Damals hatte eine Abschreibung auf die Gemeinschaftsfirma Nokia Siemens Networks in Höhe von 1,6 Milliarden Euro dem Konzern einen Nettoverlust von rund 1 Milliarde Euro beschert.

Der Münchner Konzern muss nun seine Beteiligung an Siemens Energy um 2,7 Milliarden Euro abschreiben, nachdem deren Aktienkurs angesichts der Probleme bei der Windkraft-Tochter Siemens Gamesa in die Tiefe gerauscht ist. Entsprechend muss Siemens auch die Gewinnprognose für 2021/22 (Ende September) zusammenstreichen.

Auftragseingang und Umsatz besser als erwartet

Dabei brummt das operative Geschäft weiter. Auftragseingang und Umsatz lagen im dritten Quartal deutlich über den Erwartungen. Von April bis Juni kamen Aufträge über 22 (Vorjahr 20,5) Milliarden Euro herein, das war auf vergleichbarer Basis 1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Der Umsatz kletterte ohne Währungs- und andere Sondereffekte um 4 Prozent auf 17,9 Milliarden Euro. Der Auftragsbestand habe mit 99 Milliarden Euro ein Rekordniveau erreicht. "Das zeigt: Wir haben das richtige Angebot und die richtige Strategie, um selbst in unsicheren Zeiten erfolgreich zu sein", sagte Vorstandschef Roland Busch (57)

Der operative Gewinn aus dem Industriegeschäft schnellte um 27 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro hoch, lag damit aber leicht unter den Analysten-Prognosen. 739 Millionen davon entfielen auf den Verkauf des Straßenverkehrstechnik-Sparte Yunex Traffic an die italienische Atlantia. Ohne diesen Effekt wäre die Zug-Sparte Mobility in die roten Zahlen gerutscht. Sie leidet besonders unter dem angekündigten Rückzug aus Russland infolge des Ukraine-Kriegs. Siemens hatte dafür bereits im Vorquartal fast 600 Millionen Euro zurückgestellt, nun kommen weitere 600 Millionen Euro an Belastungen hinzu, die sich im Nettogewinn niederschlagen.

Vorstand streicht Jahresprognose zusammen

Schwerer aber wiegt Siemens Energy: Statt einer Steigerung des Gewinns je Aktie auf 8,70 bis 9,10 (2020/21: 8,32) Euro je Aktie erwartet Finanzvorstand Ralf Thomas (61) nun für das laufende Geschäftsjahr einen Rückgang auf 5,33 bis 5,73 Euro. Die Differenz von 3,37 Euro je Aktie entspreche genau der Siemens-Energy-Abschreibung, vor der Siemens bereits Ende Juni gewarnt hatte. Von Siemens befragte Analysten hatten zuletzt im Schnitt mit einem Gewinn von 5,97 Euro je Aktie gerechnet.

rei/Reuters
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