2500 Jobs bedroht Siemens Gamesa schraubt Ziele weiter herunter

Siemens Gamesa spielt weniger Umsatz ein, weitet den Verlust aus und senkt erneut die Prognose für das Gesamtjahr. Jetzt erwägt der Konzern, 2500 Stellen abzubauen.
Probleme mit seinen Landturbinen und steigende Kosten bei einem intensiveren Wettbewerb verhageln dem Windturbinenhersteller Siemens Gamesa erneut die Bilanz

Probleme mit seinen Landturbinen und steigende Kosten bei einem intensiveren Wettbewerb verhageln dem Windturbinenhersteller Siemens Gamesa erneut die Bilanz

Foto: Vincent West / REUTERS

Der schwächelnde Windanlagenbauer Siemens Gamesa ächzt weiter unter hohen Kosten und Problemen mit seinen Landturbinen. Das Unternehmen zeigte sich daher erneut pessimistischer und senkte seine Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2021/22 (per Ende September) zum wiederholten Mal.

So soll die bereinigte operative Marge bei minus 5,5 Prozent liegen, wie die Tochter von Siemens Energy am Dienstag im spanischen Zamudio mitteilte. Im Mai hatte das Unternehmen noch ein Ziel von minus 4 Prozent ausgegeben. Beim Umsatz geht Siemens Gamesa nun von einem Rückgang von neun Prozent aus. Bisher hatte der Konzern eine Spanne von minus zwei bis minus neun Prozent angepeilt. Dabei seien Einnahmen aus dem Verkauf von Vermögenswerten schon mit einbezogen.

2500 Jobs auf der Kippe

Im abgelaufenen dritten Geschäftsquartal schrumpfte der Umsatz auf 2,44 Milliarden Euro von 2,7 Milliarden im Vorjahr. Der Nettoverlust weitete sich auf 446 Millionen Euro von 314 Millionen Euro aus. Der Windanlagenbauer litt unter hohen Rohstoffkosten, Störungen in der Lieferkette sowie Ausgaben für die neue, problembehaftete Landturbine 5.X. Dazu kamen Projektverzögerungen im Zusammenhang mit Qualitätsmängeln sowie Kosten für die Reparatur mangelhafter Komponenten bei älteren Windkraftanlagen an Land.

Insidern zufolge erwägt Siemens Gamesa den Abbau von rund 2500 Arbeitsplätzen, um die Verluste in den Griff zu bekommen. Noch sei unklar, welche Sparten und Regionen betroffen seien, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen. Offiziell bestätigt wurde das Gerücht nicht, doch hatte der neue Chef und Sanierer Jochen Eickholt (60) Anfang Juni mögliche Stellenstreichungen explizit nicht ausgeschlossen. "Derzeit kann ich gar nichts ausschließen, so leid mir das tut", hatte Eickholt in einem Zeitungsinterview gesagt.

Aktien von Siemens Gamesa  gaben am Vormittag zunächst 4 Prozent nach, konnten ihre Verluste aber in der Folge reduzieren. Papiere des Mutterkonzerns Siemens Energy  rutschten in der Spitze um 5,7 Prozent ab. Siemens Energy will den Windanlagenbauer von der Börse nehmen und bietet für die 33 Prozent an Siemens Gamesa, die es noch nicht hält, gut vier Milliarden Euro.

rei/dpa-afx/Reuters
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