Aktie auf Talfahrt Siemens Energy kassiert wegen Gamesa Gewinnprognose

Eine gesenkte Ergebnisprognose der Windkraft-Tochter Gamesa durchkreuzt die Gewinnpläne von Siemens Energy. Anleger reagieren verschreckt.
Nachschubprobleme: Die Corona-Pandemie bremst die Produktion in Brasilien und führt bei dem Windkrafthersteller Siemens Gamesa zu deutlich höheren Kosten

Nachschubprobleme: Die Corona-Pandemie bremst die Produktion in Brasilien und führt bei dem Windkrafthersteller Siemens Gamesa zu deutlich höheren Kosten

Foto: Patrick Pleul / DPA

Erneute Probleme mit der spanischen Windkraft-Tochter Siemens Gamesa durchkreuzen die Gewinnpläne von Siemens Energy. Weil der Windanlagenbauer auch im laufenden Geschäftsjahr 2020/21 (Ende September) operativ mit roten Zahlen rechnen muss, wird auch der Mutterkonzern sein Renditeziel nicht erreichen. Die operative Umsatzrendite vor Sondereffekten werde 2020/21 wohl unterhalb der angepeilten Spanne von 3 bis 5 Prozent liegen, räumte der Energietechnik-Konzern am späten Mittwochabend ein. Der Umsatz soll aber wie geplant um 3 bis 8 Prozent zulegen; hier hatte Siemens Energy bereits vor drei Monaten Abstriche gemacht.

Die Aktienkurse gerieten am Donnerstag deutlich unter Druck. Siemens Gamesa  brachen um fast 14 Prozent ein, Siemens Energy  um mehr als 9 Prozent. Zudem riss der Mix aus internen und externen Problemen bei Gamesa auch die anderen Windanlagenbauer mit sich. So verlor die Nordex-Aktie knapp 6 Prozent, Vestas gaben vergleichsweise moderate 1,2 Prozent nach.

Siemens Gamesa musste im dritten Quartal (per Ende Juni) überraschend Verluste hinnehmen. Vor allem das seit längerer Zeit schwächelnde Windanlagengeschäft an Land (Onshore) habe die Geschäfte belastet, hieß es. So komme es zu höheren Anlaufkosten für die neue Plattform 5X, in die Gamesa große Hoffnungen gesetzt hatte. Insbesondere Brasilien, das viele Aufträge für die Plattform vergeben hat, ist dabei betroffen. Da es dort auch zu durch die Corona-Pandemie bedingten Lieferschwierigkeiten kommt, gibt es weitere Projektverzögerungen.

Brasilien gehört zu den Wachstumsmärkten im Windgeschäft, ebenso wie etwa Indien. Auch dort kämpft Siemens Gamesa mit erheblichen Problemen - da die Wende zu schaffen, nannte Konzernchef Andreas Nauen "herausfordernd". Der seit rund einem Jahr amtierende Konzernchef hatte sich vor allem die Sanierung des verlustreichen Windanlagengeschäfts an Land auf die Fahne geschrieben und ein umfangreiches Restrukturierungsprogramm auf den Weg gebracht. Weiter robust läuft dagegen das Geschäft mit Anlagen auf See (Offshore) sowie der Service.

Prognose zum zweiten Mal in diesem Jahr gesenkt

Die Tochter von Siemens Energy musste nun die Erwartungen für die - bereits um Sondereffekte bereinigte - Umsatzrendite vor Steuern und Zinsen (Ebit) zum zweiten Mal in diesem Jahr senken, nun auf null bis minus ein Prozent. Bisher war Siemens Gamesa von einer positiven Ebit-Marge von 3 bis 5 Prozent ausgegangen. Auf unrentable Projekte wie in Brasilien schreibt Siemens Gamesa 229 Millionen Euro ab. Im Jahr zuvor hatte die Siemens-Energy-Tochter mit einer Rendite von minus 2,5 Prozent ebenfalls rote Zahlen geschrieben.

Der Umsatz von Siemens Gamesa werde 2020/21 am unteren Ende der Prognosespanne von 10,2 bis 10,5 Milliarden Euro liegen, hieß es in der Mitteilung. Die Umsatzerwartungen hatte Siemens Gamesa schon vor drei Monaten nach unten korrigiert. Im dritten Quartal lag der Umsatz bei 2,7 Milliarden Euro, das bereinigte Ebit bei minus 150 Millionen Euro. Angesichts dieser Zahlen werde auch Siemens Energy die Erwartungen der Analysten im dritten Quartal nicht erfüllen, warnte die deutsche Mutter.

Dabei gilt Siemens Gamesa als großer Hoffnungsträger beim Umbau des Konzerns, der sein Geld bisher vor allem mit Turbinen für Gas- und Kohlekraftwerke verdient. Steigende Ordereingänge und staatliche Infrastrukturprogramme hatten Siemens Energy noch im Mai zuversichtlich für das Geschäft mit erneuerbaren Energien gestimmt. Im angestammten Geschäft (Gas and Power) laufe alles nach Plan, teilte Siemens Energy mit. Dort werde der Umsatz im laufenden Geschäftsjahr um 2 bis 6 Prozent wachsen, bei einer operativen Umsatzrendite von 3,5 bis 5,5 Prozent.

mg/Reuters
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