Siemens-Energy-Chefkontrolleur Joe Kaeser weist Vorwürfe Russlands zur Gasreduktion zurück

Seit rund zwei Wochen fließt weniger russisches Gas durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1. Betreiber Gazprom macht dafür die Sanktionen und Siemens Energy verantwortlich. Der Aufsichtsratsvorsitzende wehrt sich dagegen.
Siemens-Energy-Chefkontrolleur Joe Kaeser: "Selbst wenn es so wäre, würde das niemals rechtfertigen, den Gasfluss so stark zu drosseln."

Siemens-Energy-Chefkontrolleur Joe Kaeser: "Selbst wenn es so wäre, würde das niemals rechtfertigen, den Gasfluss so stark zu drosseln."

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Pool / Getty Images

Der Energiekonzern Siemens Energy wehrt sich gegen Behauptungen aus Russland, die Gaslieferungen nach Deutschland müssten gedrosselt werden, weil das Unternehmen Turbinen nicht rechtzeitig warte. "Es ist sehr bequem, ein Unternehmen mit reinzuziehen, das in Russland bekannt ist", sagte Joe Kaeser (65), Vorsitzender des Aufsichtsrats von Siemens Energy, der "Süddeutschen Zeitung ". "Selbst wenn es so wäre, würde das niemals rechtfertigen, den Gasfluss so stark zu drosseln."

Russlands staatlicher Energieriese Gazprom hatte Mitte des Monats die Gaslieferungen durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 deutlich gedrosselt. Derzeit fließen nur noch rund 40 Prozent der vereinbarten Menge durch die Pipeline. Schuld sei eine in Kanada überholte Gasturbine von Siemens Energy, die wegen der Russland-Sanktionen nicht an Nord Stream 1 ausgeliefert werden könne, hieß es von Gazprom.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD; 64) hat die russische Begründung als vorgeschoben kritisiert. Die gedrosselten Lieferungen sind für Deutschland vor allem deshalb ein Problem, weil die Gasspeicher bis Anfang November zu mindestens 90 Prozent gefüllt sein sollen, um den Winter einigermaßen zu überstehen.

Wartung der Pipeline bereitet Sorge

Angesichts der reduzierten Gasmengen aus Russland hatte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne; 52) in der vergangenen Woche die Alarmstufe für die Gasversorgung ausgerufen. Bei einer weiteren Verschärfung könnten die Versorger die in die Höhe geschossenen Preise direkt an die Kunden weiterreichen, die bereits jetzt erhebliche Preissteigerungen verkraften müssen. Ein Jahresabnahmevertrag im Mai kostete laut dem Portal Check24 rund 122 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Besonders kritisch wird die Lage am 11. Juli, wenn eine zehntägige Routinewartung der Pipeline beginnt. In dieser Zeit strömt kein Gas durch die Pipeline nach Deutschland, das einen Großteil seiner Lieferungen über diese Leitung bezieht. Energieversorger und Bundesregierung sind besorgt, dass Gazprom die Pipeline danach nicht wieder anstellen könnte. Deutschland bezieht einen Großteil seiner Gaslieferungen über Nord Stream 1.

Ökonomen raten zu Preiserhöhungen

Laut Daten von Europas Gasinfrastruktur-Betreiber (GIE) sind Deutschlands Gasspeicher inzwischen zu mehr als 60 Prozent gefüllt. Damit seien aber noch nicht alle Risiken für die Gasversorgung der Industrie im Winterhalbjahr gebannt, warnten mehrere Wirtschaftsforschungsinstitute in einer gemeinsamen Studie. Sie raten dazu, die Preise zu erhöhen, damit weniger Gas verbraucht wird.

Gasspeicher gleichen Schwankungen beim Verbrauch aus. Ihre Bedeutung ist aber begrenzt. Denn selbst wenn sie komplett gefüllt wären, würden ihre Mengen nicht für die komplette Heizperiode ausreichen.

Nach Schätzung des Präsidenten der Bundesnetzagentur, Klaus Müller (51), würden die Speicher bei einem durchschnittlichen Winter nur zweieinhalb Monate reichen, um die Nachfrage auch ohne russisches Gas zu decken. Daher sucht Deutschland nach anderen Möglichkeiten, etwa Flüssiggas-Lieferungen über schwimmende Terminals.

mg/dpa-afx
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