Spanische Windkraft-Tochter Siemens Energy plant Komplettübernahme von Siemens Gamesa

Siemens-Energy-Chef Christian Bruch prüft derzeit die vollständige Übernahme der spanischen Problem-Tochter Siemens Gamesa. Nach entsprechenden Berichten hat der Konzern dies nun bestätigt.
Kämpft gegen den Wind: Die Siemens-Energy-Tochter Siemens Gamesa

Kämpft gegen den Wind: Die Siemens-Energy-Tochter Siemens Gamesa

Foto: Bernd Wüstneck/ dpa

Mit einer Komplettübernahme der Windkrafttochter Siemens Gamesa will der Energietechnikkonzern Siemens Energy die andauernden Probleme nun in eigener Regie lösen. "Das Management erwägt ein Bar-Kaufangebot mit der Intention eines Delistings für die ausstehenden Aktien von Siemens Gamesa", teilte Siemens Energy als Reaktion auf entsprechende Medienberichte mit. Es sei aber noch keine Entscheidung getroffen worden. Durch den seit Längerem erwarteten Schritt wollen die Münchener das Ruder herumreißen. Denn in den vergangenen Monaten war Siemens Energy infolge der anhaltend schwachen Entwicklung der Tochter in Mitleidenschaft gezogen worden.

Die Aktien  von Siemens Gamesa stiegen um 11,5 Prozent auf ein Dreiwochenhoch von 15,75 Euro, bevor sie vom Handel ausgesetzt wurden. Papiere von Siemens Energy  legten um knapp 4 Prozent zu und waren damit größter Gewinner im Index für mittelschwere Werte.

Prämie für Siemens-Gamesa-Aktionäre

Siemens Energy besitzt bereits gut zwei Drittel der Siemens-Gamesa-Anteile, das Unternehmen mit Hauptsitz in Spanien wird bisher an der Börse mit etwa 9,6 Milliarden Euro bewertet. Seit Monaten kursieren Gerüchte über eine Übernahme. Wie das manager magazin im März berichtete , hat Joe Kaeser (64), Chefkontrolleur von Siemens Energy, genau aus diesem Grund auch Francisco Belil in den Aufsichtsrat von Siemens Gamesa geholt. Belil soll nach der Komplettübernahme durch Siemens Energy die Wogen glätten.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte am Morgen unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen über entsprechende Überlegungen berichtet. Für die Aktionäre dürfte bei dem Vorhaben laut dem Bericht eine kleine Prämie anfallen, das durchschnittliche Kursziel von Analysten lag zuletzt bei etwas über 18 Euro. Seit Jahresbeginn hat die Siemens-Gamesa-Aktie bis dato ein Drittel an Wert eingebüßt.

Siemens Energy hatte seine Prognose infolge der anhaltend schwachen Entwicklung bei Siemens Gamesa vergangene Woche nach unten geschraubt. Umsatz und operatives Ergebnis dürften nun am unteren Ende der bisher angegebenen Prognosespannen ausfallen, hieß es. Unter dem Strich erwartete das Management um Konzernchef Christian Bruch (52) anhaltend hohe Verluste. "Die Situation bei Siemens Gamesa hat sich seit der letzten Gewinnwarnung weiter verschärft", sagte Bruch. Zum vierten Mal in Folge hatte Siemens Gamesa das Quartalsergebnis der Mutter verdorben.

Turbinenhersteller müssen sich derzeit auf steigende Kosten für Energie, Stahl und Kupfer gefasst machen. Die anhaltenden Lieferengpässe zermürben die Profitabilität. Im spezifischen Fall von Siemens Gamesa sollen Preiserhöhungen und eine selektive Auswahl von Aufträgen helfen. Zudem sollen die Probleme mit der neuen Landturbine 5.X angegangen werden, die offenbar noch tiefergehend sind als zunächst vermutet, wie der erst seit Anfang März amtierende Konzernchef Jochen Eickholt zuletzt sagte.

mg/dpa-afx