Energiewende Siemens-Energy-Chef Christian Bruch streicht 7800 Stellen

Im November vergangenen Jahres hatte Christian Bruch bereits angekündigt, das Geschäft mit fossiler Energie auslaufen zu lassen. Nun wird klar, was das für die Mitarbeiter des Konzerns bedeutet.
Läutet das Ende für 7800 Jobs ein: Siemens-Energy-Chef Christian Bruch (hier beim Börsengang im November 2020)

Läutet das Ende für 7800 Jobs ein: Siemens-Energy-Chef Christian Bruch (hier beim Börsengang im November 2020)

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Der Energiekonzern Siemens Energy baut weitere Arbeitsplätze ab. Um Kosten zu sparen und die Profitabilität zu verbessern, sollen 7800 Stellen bei der Sparte Gas and Power gestrichen werden, davon 3000 in Deutschland, teilte das Unternehmen am Dienstag in München mit. Insgesamt stellt der Konzern derzeit weltweit gut 90.000 Arbeitsplätze. Standortschließungen soll es dabei nicht geben. Der Abbau ist Teil der Bestrebungen, die Kosten im Geschäft mit fossilen Energien mindestens um 300 Millionen Euro zu senken. Dieses Ziel hatte Siemens Energy im vergangenen September auf seinem Kapitalmarkttag angekündigt. Die Aktien  legten am Morgen rund 2 Prozent zu, drehten dann aber ins Minus.

Der Abbau soll bis Ende des Geschäftsjahres 2025 (per Ende September) erfolgen, der Großteil ist für das Geschäftsjahr 2023 geplant. Rund drei Viertel der betroffenen Stellen entfallen den Angaben zufolge auf Management, Verwaltung und Vertrieb. Mit dem Abbau reagiert Siemens Energy  auf den Wandel im Energiemarkt hin zu erneuerbaren Energien. So hatte das Unternehmen bereits angekündigt, sich nicht mehr an Neuausschreibungen für Kohlekraftwerke zu beteiligen. Zudem wird das Geschäft mit sogenannten aeroderivativen Gasturbinen - die in der Bauweise Flugzeugtriebwerken nachempfunden sind - zurückgefahren. Siemens Energy hatte im vergangenen Jahr hohe Abschreibungen auf das Geschäft vornehmen müssen.

"Der Energiemarkt verändert sich rasant. Das bietet uns Chancen, stellt uns aber gleichzeitig vor große Herausforderungen", sagte der Vorstandsvorsitzende Christian Bruch (51). Mit dem Sparprogramm wolle er die Wettbewerbsfähigkeit steigern. "Wir sind uns bewusst, dass unsere Pläne Teilen der Belegschaft viel abverlangen. Daher ist es unser Ziel, diese Maßnahmen so sozialverträglich wie möglich durchzuführen." Zudem sollen keine ganzen Standorte geschlossen werden. Sitz des Unternehmens ist München, das Hauptquartier soll in Berlin angesiedelt werden.

IG Metall-Hauptkassierer Jürgen Kerner sagte, er erwarte, "dass wir die geplanten Restrukturierungsmaßnahmen im Sinne der Beschäftigten und einer nachhaltigen Zukunftsperspektive ohne Kündigungen gestalten". Die Zukunftsvereinbarung sei "eine solide Grundlage für die Transformation von Siemens Energy in Deutschland".

Siemens Energy kehrt in die Gewinnzone zurück

Konzernchef Bruch hatte auf dem Kapitalmarkttag klargemacht, dass er mit der Profitabilität von Siemens Energy nicht zufrieden ist, und Maßnahmen angekündigt. So will er die Struktur des Unternehmens verschlanken und Komplexität herausnehmen. Die nun beschlossenen Maßnahmen reichen von Einsparungen bei externen Dienstleistern und im Einkauf über eine optimierte Logistik bis zur deutlichen Vereinfachung der IT-Landschaft. Siemens Energy bekräftigt das Ziel, bis 2023 eine bereinigte operative Marge (Ebita) von 6,5 Prozent bis 8,5 Prozent zu erreichen.

Die Kosten sollen sich für die Geschäftsjahre 2020 bis 2023 auf einen mittleren bis hohen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag belaufen. Der Ausblick für 2020/21 bleibt unverändert. Bereits in den vergangenen Jahren hatte der Technologiekonzern Siemens das seit längerem schwächelnde Kraftwerksgeschäft einem harten Sparkurs unterzogen und mehrere tausend Stellen gestrichen. Siemens hatte das Energiegeschäft im vergangenen September abgespalten und mehrheitlich an die Börse gebracht.

Im ersten Quartal (per Ende Dezember) kehrte Siemens Energy wieder in die Gewinnzone zurück. Nach Steuern verdiente das Unternehmen 99 Millionen Euro, nach einem Verlust von 195 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Energiekonzern, zu dem auch mehrheitlich der Windturbinenhersteller Siemens Gamesa gehört, hatte bereits Ende Januar vorläufige Zahlen vorgelegt. Der Umsatz nahm um 2,6 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro zu. Die bereinigte Ebita-Marge von Siemens Energy verbesserte sich auf 5,6 Prozent, nach minus 1,2 Prozent im Vorjahr.

Dass die Geschäfte im ersten Quartal gut liefen, ändere nichts an der Notwendigkeit des Umbaus, hieß es von Siemens Energy. Das Ergebnis wurde zum einen von operativen Verbesserungen bei Gas and Power und der Windkrafttochter Siemens Gamesa getragen. Zum anderen halfen Sondereffekte: So sparte das Unternehmen durch Homeoffice und wegfallende Dienstreisen in der Corona-Pandemie.

mg/dpa-afx
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