Mittwoch, 24. April 2019

Eklat auf Osram-Aktionärstreffen Familienzoff bei Siemens - Kaeser will Osram-Chef Berlien abschieben

Es kracht gewaltig: Großaktionär Siemens ist mit Osram-Vorstand alles andere als zufrieden

2. Teil: Osram-Vorstand und Chefaufseher verteidigen die Neuausrichtung

Berlien und Bauer verteidigten in ihren Reden vor den 2500 Aktionären die Neuausrichtung. "Den Strategieprozess hat der Vorstand seit Jahresbeginn in kontinuierlicher und enger Abstimmung mit dem Aufsichtsrat geführt", sagte der seit Anfang 2015 amtierende Berlien. "Es hat sich schnell gezeigt, dass es aufgrund der rasanten technologischen Entwicklung keine risikofreie Entscheidungen gibt." Doch wäre ein 'weiter so' "die schlechteste Option" gewesen.

Bauer betonte, der Aufsichtsrat habe die neue Strategie sorgfältig und "mit großem Zeitaufwand" mit dem Vorstand diskutiert. Man habe mehrere strategische Optionen analysiert und - schon vor dem November-Beschluss - in Sitzungen des Aufsichtsratsplenums im Juni und September "die Chancen und Risiken der verschiedenen Optionen gegeneinander aufgewogen".

Aktionärsvertreterin kritisiert Siemens scharf

Aktionärsvertreterin Caterina Steeg vom Verein zur Förderung der Aktionärsdemokratie kritisierte Siemens' Verhalten scharf und betonte, für Anlegerkommunikation sei Finanzvorstand Klaus Patzak zuständig. Wenn es stimme, dass Patzak die Strategie nicht billige, solle Patazk zurücktreten. Osrams Kapitalmarktinformation sei "abgrundtief schlecht". Auch angesichts der schlechten Qualität der Ergebnisprognosen "stellt sich die Frage, ob dieser Finanzvorstand die Zahlen im Griff hat".

Mit Berliens Nichtentlastung stellt Kaeser nicht nur Berlien und Bauer bloß, sondern auch den eigenen Vorstandskollegen Roland Busch. Busch hatte im Osram-Aufsichtsrat die Strategie über viele Monate mitdiskutiert und am Ende auch genehmigt.

Trotz Siemens' Querschüssen war Berlien zuletzt teilweise erfolgreich mit seiner Werbetour: Der Osram-Kurs hat sich seit November zwar kaum erholt, aber im Börsenabschwung der vergangenen Wochen sehr gut gehalten - auch dank unerwartet guter Quartalszahlen und Aktienrückkäufen.

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