Siemens-Chef Kaeser baut Vorstand schon wieder um

Sieben Monate nach dem letzten Vorstandsumbau sortiert Joe Kaeser die Zuständigkeiten abermals neu: Kaesers Vertraute Janina Kugel steigt als Personalchefin in den Vorstand auf. Ein Hoffnungsträger wird übergangen - ein zweiter wirft hin.
Siemens-Chef Kaeser: Erneuter Umbau nach seinem Gusto

Siemens-Chef Kaeser: Erneuter Umbau nach seinem Gusto

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Entgegen der Beschwichtigungen von Konzernchef Joe Kaeser kommt Europas größter Industriekonzern Siemens  nicht zur Ruhe. Vier Monate nach dem Inkrafttreten einer komplett neuen Organisation und sieben Monate nach dem letzten Vorstandsumbau sortiert Kaeser die Zuständigkeiten im Vorstand abermals nach seinem Gusto neu. Dieses Mal steigt seine Vertraute Janina Kugel (44), derzeit für die Führungskräfteentwicklung und die Vielfalt (Diversity) im Konzern zuständig, als Personalchefin in den Vorstand auf. Dies teilte Siemens am Montagabend nach einer Aufsichtsratssitzung mit.

Vorstand Siegfried Russwurm, der das Personalressort zum 1. Oktober 2014 (zusammen mit dem Technikressort) von seinem Vorstandskollegen Klaus Helmrich übernommen hatte, wird den Arbeitsdirektorenposten schon am 1. Februar 2015 an Kugel weiterreichen. Stattdessen wird Russwurm im Vorstand künftig die Sparte Medizintechnik mitverantworten, da Medizintechnikvorstand Hermann Requardt (59) gut ein Jahr vor Ablauf seines Vertrags überraschend ausscheidet.

Kaeser ist dabei, die Medizintechniksparte rechtlich zu verselbständigen und börsenfähig zu machen, damit sich die Sparte mittel- und langfristig in dem sich rasch wandelnden Gesundheitsmarkt flexibel bewegen kann. Insofern und auch wegen seines Alters galt Requardt langfristig als Vorstand ohne Zukunft: Er gilt zwar als exzellenter Techniker und pflegt beste Beziehungen zu seinen Kunden, vielfach Unikliniken. An der Kommunikation mit Investoren und Medien, die ein CEO einer börsennotierten Firma ebenfalls leisten müsste, fand Requardt jedoch noch nie Gefallen.

Neuer Chef der Medizintechnik wird Bernd Montag, der bisher die darunter angesiedelte Division Bildgebende Systeme leitete. Ihm wird als COO sein bisheriger Kollege Michael Reitermann zur Seite gestellt, derzeit Chef der Diagnostik-Division. Finanzchef der Medizintechnik bleibt Michael Sen - zumindest vorerst.

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Überblick: Wie Joe Kaeser Siemens führt

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Sen galt intern als natürlicher Nachfolger von Requardt, da er in den vergangenen Jahren mit dem von ihm maßgeblich getriebenen Spar- und Effizienzprogramm "Agenda 2013" die einst schwächelnde Medizintechnik wieder erfolgreich auf Kurs gebracht hat. Sen wird nun schon zum zweiten Mal übergangen. Als Siemens-Chef Kaeser im Herbst 2013 einen Nachfolger für sich selber als Finanzchef bestimmte, war Sen schon im engsten Favoritenkreis. So mancher bei Siemens glaubt, dass sich Sen nun bald einen neuen Job suchen könnte.

Der bisherige Chef der wichtigsten Siemens-Division Power + Gas, Roland Fischer (52), hat Branchenkreisen zufolge bereits einen neuen Job außerhalb des Siemens-Konzerns gefunden. Der Kraftwerksspezialist gehe Ende Januar auf eigenen Wunsch, teilte Siemens mit. Offenbar wurde Siemens überrascht, einen Nachfolger für Fischer gibt es bislang nicht.

Einstweilen übernimmt Kaesers neue Energie-Vorstandsfrau Lisa Davis Fischers Aufgaben. Die langjährige Shell-Managerin Davis war erst im August 2014 in den Siemens-Vorstand eingezogen und hat zuvor ihre gesamte Berufslaufbahn in der Öl- und Gasindustrie verbracht. Mit Gasturbinen, dem wichtigsten Geschäft der Power+Gas-Sparte, machte sie zum ersten Mal nach ihrem Amtsantritt bei Siemens nähere Bekanntschaft. Nun muss sie das komplexe, restrukturierungsbedürftige Geschäft vorübergehend sogar operativ führen.

Kaeser hatte in den vergangenen Monaten zunehmend Kritik auf sich gezogen, dass er Siemens wie ein Alleinherrscher leite. "Er kann ein so großes Unternehmen doch nicht wie seine Westentasche führen", hatte ein Siemens-Manager vergangenen Herbst geklagt. Mit den neuesten Personalveränderungen dürfte die Kritik kaum verstummen.

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