Samstag, 30. Mai 2020

Trotz Kurssprungs Sorgen bei den Aktionären Siemens und die Angst vor dem Dinosaurier

Industrieriese in Zahlen: Wo Siemens im Vergleich zu GE und ABB steht
REUTERS

3. Teil: Nachfolge von AR-Chef Cromme offen - Snabe, Wenning und Leibinger-Kammüller vorzeitig wiedergewählt

Gespalten war das Aktionariat, was die vorzeitige Wiederwahl des stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden Werner Wenning sowie der Kontrolleure Nicola Leibinger-Kammüller und Jim Hagemann Snabe bis 2021 angeht (die Wahlperiode aller Räte läuft 2018 aus). Während etwa Hans-Christoph Hirt vom britischen Fondsmanager Hermes den Vorschlag mit Blick auf Kaesers 2014 gestarteten tiefgreifenden Konzernumbau "Vision 2020" lobte, vermutete Speich darin einen "Schachzug, um die Nachfolge von Herrn Cromme im Jahr 2018 zu regeln. Diese nebulöse Nachfolgediskussion ist uns ein Dorn im Auge."

Snabe und Wenning wurden am Abend jeweils mit mehr als 90 Prozent Zustimmung vorzeitig in den Aufsichtsrat wiedergewählt (Snabe 93,69 % Ja, Wenning 90,73 % Ja). Für Leibinger-Kammüller, die mit 87,4 Prozent klar unter der 90-Prozent-Marke blieb, gab es dagegen einen Denkzettel: Aktionäre hatten im Vorfeld der Abstimmung die zahlreichen Aufsichtsratsmandate von Leibinger-Kammüller kritisiert. Die Chefin der Trumpf-Gruppe hat außer Siemens noch vier weitere Aufsichtsratsmandate. Aktionäre fürchten ein "Overboarding" der Multi-Aufsichtsrätin.

Cromme kann 2018 mit fast 75 Jahren wegen der Siemens-Altersgrenze nicht mehr wiedergewählt werden. Wer ihm nachfolgen soll, ist nach der offiziellen Absage des BMW-Aufsichtsratschefs Norbert Reithofer nach wie vor im Dunklen. So spekulierte kürzlich die "Welt", Kaeser strebe langfristig den Aufsichtsratsvorsitz an und würde deshalb 2018 abtreten. Cromme würde demnach interimsweise durch Wenning ersetzt, während Kaeser in die gesetzlich vorgeschriebene, zweijährige Auszeit ("Cooling off") gehen und 2020 wiederum Wenning nachfolgen könne.

Speich sagte, mit einer solchen Interimslösung könne er sich "nicht anfreunden". Kaeser solle seine "Vision 2020" als Vorstandschef zu Ende bringen und eine Verlängerung seines bis 2018 laufenden Vertrags "zumindest bis 2020 anstreben. Vorzeitig von Bord zu gehen, wäre verantwortungslos."

Wenigstens diese Frage - am Morgen vorab von einem Journalisten zitiert - schien dem Vorstandschef zu gefallen. Das sei doch besser, als wenn sein vorzeitiger Abgang gefordert würde, sagte Kaeser grinsend. "Ich werde antworten: Ich bedanke mich für das Vertrauen."

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