Mittwoch, 8. April 2020

Siemens-Hauptversammlung Aktionäre fordern radikalere Spaltung von Siemens

Siemens-Zentrale in München (bei Greenpeace-Protestaktion am Dienstag)
Christof Stache/AFP
Siemens-Zentrale in München (bei Greenpeace-Protestaktion am Dienstag)

Maßgebliche Siemens-Aktionäre zweifeln am Erfolg der aktuellen Konzernstrategie. Das Konzept namens "Vision 2020+" habe nicht gezündet, sagte Vera Diehl, Fondsmanagerin bei Union Investment. "Eine nachhaltige Verbesserung in den Ergebnissen können wir nicht erkennen - und damit auch keinen zusätzlichen Wert für die Aktionäre."

Die Struktur werde auch nach dem im September anstehenden Börsenlisting des Energiegeschäfts in der Firma "Siemens Energy" viel zu komplex bleiben, sagte Diehl. Siemens will die Mehrheit von Siemens Energy an die eigenen Aktionäre verteilen und langfristig eine Sperrminorität zwischen 25,1 und 49,9 Prozent halten.

Deka-Fondsmanager Kollege Winfried Mathes befand, auch die Situation bei der Medizintechniktochter Siemens Healthineers mit einem Siemens-Anteil von 85 Prozent sei "nichts Halbes und nichts Ganzes". Die künftige Siemens AG bleibe ein "Gemischtwarenladen und damit das Gegenteil" der an der Börse angesagten "Pure Plays", kritisierte Diehl. Siemens solle bei den einzelnen Sparten die Kontrollmehrheit oder gar die Sperrminorität abgeben.

Mathes zweifelte sogar am künftigen Kern-Siemens aus den Sparten Industrieautomation, intelligente Infrastruktur und Bahntechnik. Hier stelle sich die "Frage nach der gemeinsamen Klammer". Der Vorstand müsse "noch erhebliche Erklärungs- und Überzeugungsarbeit leisten, damit wir Aktionäre uns mit der neuen Kern-Siemens identifizieren können".

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Kaeser sagte, die Marke werde die gemeinsame Klammer sein. Zunächst wird die Marke für das künftige Kern-Siemens vor allem eine Möglichkeit sein, zusätzliche Erträge zu generieren. Kürzlich übertrug der Konzern die Marke für 9,5 Milliarden Euro auf eine eigens gegründete Tochtergesellschaft. Künftig sollen alle Siemens-Firmen für die Nutzung der Marke Lizenzgebühren zahlen; alleine das kriselnde Energiegeschäft dürfte dies einen stattlichen dreistelligen Millionenbetrag im Jahr kosten. Insider zweifeln, ob dies wirklich für alle Siemens-Firmen langfristig attraktiv ist - zumal, wenn der Anteil der Siemens AG unter eine Sperrminorität sinkt.

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