Mittwoch, 27. Mai 2020

Siemens-Hauptversammlung Aktionäre fordern radikalere Spaltung von Siemens

Siemens-Zentrale in München (bei Greenpeace-Protestaktion am Dienstag)
Christof Stache/AFP
Siemens-Zentrale in München (bei Greenpeace-Protestaktion am Dienstag)

2. Teil: Kritik an Kaesers Kokettieren mit längerer Amtszeit

Welchen Anteil in der Spanne von 25,1 bis 49,9 Prozent Siemens künftig an Siemens Energy halten werde, sei noch offen, sagte Siemens-Finanzchef Ralf Thomas. Man werde sich "in den nächsten Wochen intensiv mit dem Geschäftsplan beschäftigen" und daraus eine mögliche Bewertung durch den Markt abschätzen. Davon hänge ab, wieviele Energy-Aktien den Siemens-Aktionären in dem Listing im September letztlich zugeteilt würden und welcher Anteil bei der Siemens AG verbleibe.

Den Healthineers-Anteil von 85 Prozent werde Siemens erst reduzieren, wenn die Medizintechniktochter sich durch eine Übernahme verstärken kann, erklärte Thomas. "Wir führen die Diskussion erst dann, wenn wir an der Brücke sind, über die wir dann auch gehen werden." Kaeser deutete an, dass man bereits potenzielle Übernahmeobjekte im Auge habe: "Der Umstand, dass man M&A-Vorhaben nicht sieht, heißt noch längst nicht, dass es keine Ziele gibt."

Kritik übten die Fondsmanager auch an der Debatte um die Nachfolge von Vorstandschef Joe Kaeser. "Einer solchen Personaldiskussion sind wir überdrüssig, und sie droht potenzielle Kandidaten bereits im Vorfeld einer Ernennung zu beschädigen", klagte Deka-Mann Mathes. Union-Managerin Diehl appellierte an Aufsichtsratschef Jim Hagemann Snabe: "Sorgen Sie endlich für klare Verhältnisse."

Seit der Aufsichtsrat im September Technikvorstand Roland Busch zu Kaesers Stellvertreter und designiertem Nachfolge ernannt und eine Entscheidung für Sommer 2020 angekündigt hatte, reißen die Spekulationen nicht ab, ob der 62-jährige Kaeser nicht vielleicht doch noch verlängern wolle. Zeitweise befeuerte der CEO dies selber, etwa Ende November, als er sagte: "Ich würde die Firma nie in Unordnung zurücklassen. In dem völlig unerwarteten und unwahrscheinlichen Fall, dass es nicht klappt, könnte ich mir vorstellen, mich für zwei weitere Jahre zu verpflichten."

Gegenüber den Aktionären gab sich Kaeser jedoch unbeteiligt: "Die Personaldiskussion haben wir im Unternehmen nicht. Die findet woanders statt. Wir im Unternehmen haben einen Plan, und ich finde, er wird jeden Tag besser."


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