Starkes Quartal Bei Siemens geht der Zug ab

Zur Hauptversammlung legt Siemens starke Zahlen für das erste Quartal vor. Auch mit einem vollen Auftragsbuch – etwa bei ICE-Zügen – und dem angekündigten Verkauf weiterer Unternehmensteile kann Konzernchef Busch überzeugen. Die Aktie legt deutlich zu.
Roland Busch: Der Siemens-Chef verzeichnet derzeit eine hohe Nachfrage nach Fabrik-Automatisierung und ICE-Zügen

Roland Busch: Der Siemens-Chef verzeichnet derzeit eine hohe Nachfrage nach Fabrik-Automatisierung und ICE-Zügen

Foto: HANNIBAL HANSCHKE / REUTERS

Bei Siemens brummt das Geschäft weiter. Der Münchener Technologieriese übertraf im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2021/22 die Erwartungen von Analysten an Umsatz und operativen Gewinn deutlich, wie der Konzern am Donnerstag vor der Hauptversammlung mitteilte. Der Umsatz kletterte von Oktober bis Dezember auf vergleichbarer Basis um 9 Prozent auf 16,5 Milliarden Euro, das Ergebnis aus dem industriellen Geschäft um 12 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro. Analysten hatten im Schnitt einen Umsatz von knapp 16 Milliarden und ein Ergebnis von knapp 2,3 Milliarden erwartet.

Vorstandschef Roland Busch (57) sprach von einem sehr erfolgreichen Start in das Geschäftsjahr. "Unsere Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, dass wir Vorreiter sind, Digitalisierung und Nachhaltigkeit zu beschleunigen."

42 Prozent mehr Aufträge, Auslieferungen verzögern sich

Dabei erlebt Siemens einen regelrechten Auftragsboom. Der Auftragseingang schoss um 42 Prozent auf 24,2 Milliarden Euro nach oben. Besonders begehrt waren die Fabrik-Automatisierung und ICE-Züge, von denen die Deutsche Bahn weitere für 1,5 Milliarden Euro bestellte. Dabei räumte Siemens erstmals Schwierigkeiten ein, alle Aufträge pünktlich abzuarbeiten. Größere Unterbrechungen seien zwar trotz Beschaffungsengpässen und Ausfällen infolge der Coronavirus-Pandemie vermieden worden. "Gleichwohl gibt es Verzögerungen bei der Auslieferung mancher Produkte an Kunden." Siemens arbeite "mit Hochdruck" daran, die Lieferungen zu optimieren.

Der Konzern bleibt bei seinen Prognosen für das laufende Geschäftsjahr (per Ende September): Der Umsatz soll um etwa 5 Prozent zulegen, der Auftragseingang noch stärker. Das Ergebnis je Aktie erwartet Siemens bei 8,70 bis 9,10 (2020/21: 8,32) Euro.

Siemens gibt Post- und Paketgeschäft und Joint Venture mit Valeo ab

Rund 1,5 Milliarden Euro Gewinn soll dazu der Verkauf weiterer Randbereiche beisteuern. Insgesamt 600 bis 800 Millionen Euro erwartet Finanzvorstand Ralf Thomas (60) allein aus dem im Januar vereinbarten Verkauf der Straßenverkehrstechnik-Tochter Yunex an den italienischen Infrastrukturkonzern Atlantia. Das brummende Geschäft mit Post- und Paket-Sortieranlagen geht für 1,15 Milliarden Euro an den Hamburger Maschinenbauer Körber, wie Siemens bereits am Mittwochabend mitgeteilt hatte. Aus dem defizitären Gemeinschaftsunternehmen Siemens Valeo eAutomotive für Antriebe von Elektroautos steigt der Konzern bis zur Jahresmitte aus; der französische Autozulieferer Valeo zahlt 277 Millionen Euro für den 50-Prozent-Anteil von Siemens.

Für einen Verkauf vorbereitet wird die Sparte Large Drives, die mit rund 7000 Mitarbeitern Elektromotoren, Umrichtern und Generatoren für Mittel- und Hochspannung produziert. Am Tag der Hauptversammlung hat die Gewerkschaft IG Metall die Beschäftigten in Berlin und Nürnberg zu Kundgebungen gegen die Pläne aufgerufen.

Siemens stellt höhere Gewinnprognose in Aussicht

Finanzchef Thomas deutet nach dem unerwartet guten Jahresstart eine Erhöhung der Gewinnprognose an. "Wir sehen Potenzial, das obere Ende unseres EPS-Zielkorridors zu erreichen oder sogar zu überschreiten", sagte er am Donnerstag in einer Telefonkonferenz laut Redetext. Siemens hat bisher ein Ergebnis je Aktie (EPS) von 8,70 bis 9,10 (Vorjahr: 8,32) Euro in Aussicht gestellt. Siemens werde die Prognose nach Ende des zweiten Quartals aktualisieren, wenn man einen besseren Überblick habe, wann sich die Gewinne aus dem Verkauf von Randgeschäften im Ergebnis niederschlagen werden, sagte Thomas weiter.

Die Nachrichten kamen bei den Anlegern am Morgen zunächst gut an. Die Aktie von Siemens  legte um knapp 7 Prozent zu. Damit setzt sich die Erholung der vergangenen Tage fort nach den Verlusten seit Jahresbeginn. Am Freitag war der Kurs auf ein Tief seit August 2021 gefallen.

rei/Reuters, dpa-afx