Mittwoch, 13. November 2019

Vorstand Busch wird Kaesers Kronprinz und rechte Hand Nur scheinbar geordnete Verhältnisse

Der Aufsichtsrat von Siemens hat "erste personelle Weichen" gestellt - aber wofür?

Der Siemens-Aufsichtsrat mit Jim Hagemann Snabe, dem früheren Co-Chef von SAP Börsen-Chart zeigen an der Spitze, hat eine sehr überraschende Entscheidung getroffen. Nur für die Energiesparte, die in einem Jahr via Spin-off an die Börse gebracht werden soll, wird mit dem bisherigen Beteiligungsvorstand Michael Sen ein neuer CEO präsentiert. Die Frage, wer das künftig um ein Drittel kleinere Siemens Börsen-Chart zeigen rund um digitale Fabriken und Gebäude sowie Züge zu alter Größe zurückführen soll, wird um fast ein Jahr vertagt.

Technologievorstand Roland Busch wird mit der Aufwertung zu Kaesers Stellvertreter zwar mehr oder weniger offiziell zum Kronprinz erklärt. Ein logischer Schritt angesichts vieler Verdienste des 54-jährigen Siemens-Veteranen bei der Sanierung von Sparten, bei den Fusionsverhandlungen der Zugsparte mit der französischen Alstom (wenn der Zusammenschluss auch an den EU-Kartellbehörden scheiterte) und angesichts seines digitalen Know-hows.

Aber zugleich signalisiert Snabe mit der Formulierung, die Kontrolleure würden "über die Nachfolge und den Zeitpunkt der Nachfolge von Joe Kaeser im Sommer 2020 entscheiden": Es kann auch sein, dass Kaeser nach Auslaufen seines Vertrags im Januar 2021 nochmal weitermacht. Dann wäre wohl Busch raus, der bis März 2021 bestellt ist.

Sowohl Busch als auch Kaeser wären gerne nach 2021 CEO

Die ungewöhnliche Formulierung mag der Sorge geschuldet sein, Kaeser mit einer Festlegung auf ein Abschiedsdatum zu einer "lame duck" zu degradieren, dem der Konzern nicht mehr folgt. Diese scheint bei der Dominanz des CEO, der das Unternehmen auf sich zugeschnitten hat wie kaum ein anderer Konzernchef, aber eher theoretischer Natur.

Dagegen birgt Siemens' neue Führungskonstellation mit einem Chef, der um die Welt jettet, und einem Vize, der zuhause die Umorganisation und den Stellenabbau in der Zentrale verantwortet, ganz praktische Gefahren und Konfliktpotenziale. Denn nicht nur Busch möchte CEO werden. Kaeser würde es auch gerne bleiben.

Jim Hagemann Snabe hat jetzt eine entscheidende Aufgabe

Kaeser hat sich über derlei Ambitionen zwar nie offiziell geäußert. Anzeichen für Amtsmüdigkeit zeigte er aber auch nie - im Gegenteil. Für enge Kenner des Chefs gilt als sicher, dass der 62-jährige gerne noch ein paar Jahre dranhängen würde. Zumal der 53 Jahre junge Snabe an seinem Chefkontrolleursjob Gefallen gefunden hat und das renommierte Amt womöglich nicht für Kaeser freigibt.

Das Risiko ist groß, dass die Zeit der Machtkämpfe und Intrigen bei Siemens nicht vorbei ist, sondern es eher noch schlimmer wird. Kaeser ist dafür bekannt, seinen Vorständen entgegen getroffener Absprachen gerne mal in den Rücken zu fallen. Die scheidende Personalchefin Janina Kugel könnte darüber trefflich berichten. Auch Busch hat das erlebt. Ihn stellte Kaeser vor ein paar Jahren öffentlich bloß, als er den Strategieschwenk der von Busch mitkontrollierten Ex-Lichttochter Osram bei fast jeder Gelegenheit lauthals kritisierte.

Siemens durchlebt den größten Umbau der Unternehmensgeschichte, in geopolitisch und konjunkturell schwieriger Zeit. Es wäre wichtiger denn je, dass alle an einem Strang ziehen. Darauf aufzupassen, ist im nächsten Jahr Snabes wohl wichtigste Aufgabe.

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung