Mittwoch, 19. Februar 2020

Luftverkehrssicherheit Flüssigkeiten-Scanner wecken Hoffnung auf ein Ende der Tütchen-Wirtschaft

Lästige Tütchenwirtschaft: Sind die nervigen Kontrollen bald überflüssig?

Schuhlose Reisende, die neben Geldbörse und iPad an der Sicherheitskontrolle auch noch mit Tuben gefüllten durchsichtigen Tütchen jonglieren - sie könnten bald der Vergangenheit angehören. Möglich machen dies neue Flüssigkeitsscanner, die selbst durch Metallbehälter "durchschauen" können.

Hamburg - Es sind erschreckende, teils herzerweichende Szenen, die sich täglich an den Sicherheitsschleusen europäischer Flughäfen abspielen. Reisende, die noch schnell auf ex die im Duty-Free-Shop gekaufte Whisky-Flasche leeren, das gerade gekaufte Parfum entsorgen oder Kinder, die unter Geschrei ihr mitgebrachtes Wasser abgeben müssen.

Solche Dramen könnten bald der Vergangenheit angehören. Dank neuer Flüssigkeitsscanner, die mittlerweile selbst durch Tetrapacks und Metalbehälter "durchschauen" können.

Einer der Anbieter, dessen Scanner an vielen europäischen Flughäfen bereits im Betrieb ist, ist der britische Anbieter Cobalt Light Systems. Seine Scanner, von denen dem Unternehmen zufolge auch am Flughafen München bereits einige in Gebrauch sind, arbeiten mit Laser, um die Konsistenz von Flüssigkeiten zu untersuchen.

Indem die Strahlen die zu untersuchende Flüssigkeit aus verschiedenen Positionen durchdringen und Messergebnisse liefern, lassen sich Rückschlüsse auf den Inhalt des Behältnisses ziehen, erläutert CEO Paul Loeffen das Verfahren gegenüber dem "Guardian", der über die Fortschritte in der Sicherheitstechnologie berichtete.

Neben Cobalt gibt es noch diverse Konkurrenzanbieter, die den Briten zufolge aber mit anderen Technologien arbeiten.

Von den rund 550 europäischen Flughäfen setzen laut "Guardian" bereits 65, darunter Heathrow und Gatwick, die Technik der Briten ein. Dabei werden die Flüssigkeitsbehältnisse in den rund 51.000 Euro teuren Scanner eingefahren und gescreent. Auf einem einfachen Bildschirm kann das Sicherheitspersonal dann ablesen, ob es sich bei der Flüssigkeit um eine potenziell gefährliche Substanz handelt.

Versuchte Anschläge mit Flüssigsprengstoff hatten die Menschen verschreckt

Bislang kommt die Technik vor allem bei der Untersuchung von Babynahrung und flüssigen Medikamenten zum Einsatz. Für deren Kontrolle ist seit Anfang des Jahres die Nutzung der neuartigen Flüssigkeiten-Scanner EU-weit verpflichtend.

Da laut "Guardian" aktuell bereits Behälter von einer Größe von bis zu drei Litern gescannt werden können, besteht die Hoffnung, dass der technische Fortschritt die Mitnahme von Flüssigkeiten künftig erleichtern kann.

Zwar können Duty-Free Kunden seit Jahresbeginn ihre Einkäufe in bestimmten transparenten und versiegelten Tüten mit sichtbarem Einkaufsbeleg mit ins Handgepäck nehmen. 2015 sind weitere Lockerungen für klare Flüssigkeiten in durchsichtigen Behältnissen geplant. Und für 2016 wird die komplette Aufgabe aller Restriktion für die sogenannten LAGs (Liquids, Aerolsols, Gas) angepeilt.

Angesichts fehlender leistungsfähiger Screening-Techniken und anhaltender Sicherheitsbedenken der Mitgliedsstaaten hat die EU die Aufgabe der Beschränkungen jedoch bereits mehrmals verschoben. Diese waren 2006 in Folge von vereitelte Anschläge mit Flüssigsprengstoff auf mehrere in London startetende Flüge in Kraft getreten.

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