Mittwoch, 20. November 2019

Mittelständler Seele Was Apples Glaslieferant noch fabriziert

Apple-Store, EZB-Fassade, Nationalstadion: Was Seele sonst noch so baut
Apple

Apple-Chef Tim Cook nennt den schwäbischen Mittelständler Seele einen "hidden champion". Tatsächlich ist die Firma bislang vor allem Architektur-Fans bekannt. Das könnte sich ändern - an herausragenden und spektakulären Konstruktionen fehlt es nicht.

Hamburg - "Endlich dürften wir mal darüber reden", sagte eine freundliche Stimme am anderen Ende der Leitung. Wie Seele geht es vielen Unternehmen. Da hat man den wertvollsten und zahlungskräftigsten Konzern der Welt als Kunde - und man darf es nicht kommunizieren. Aber der Kunde ist eben König, und ein offenes Wort kann mitunter recht teure Konsequenzen haben.

Nun erlöste Apple-Chef Tim Cook den schwäbischen Mittelständler - dank eines zweifelsohne gewollten öffentlichen Auftritt. Der Manager besuchte am Montag Seeles Fertigungshallen in Gersthofen anlässlich der letzten gefertigten Fassadenscheibe für den Apple Campus 2. In Cupertino lässt der iPhone-Hersteller derzeit für bis zu 13.000 Mitarbeiter ein neues Bürogebäude bauen. Zusätzlich ist auf dem 100 Fußballfelder großen Gelände noch ein Auditorium und ein Forschungs- und Entwicklungszentrum geplant.

Der verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs wünschte sich für das neue Gebäude riesige Glasfassaden und ließ weltweit nach Lieferanten suchen. Fündig wurde Apple schließlich in Gersthofen bei Augsburg. Dort ist der Sitz des Glasspezialisten Seele, dessen Tochtergesellschaft Sedak die Frontscheiben des neuen Apple-Hauptquartiers in Cupertino liefert.

Das 1984 gegründete Unternehmen Seele beschäftigt mehr als 1000 Mitarbeiter an 14 Standorten, darunter New York, London, Dubai oder Shanghai. Die Firma ist auf Glas-, Stahl-, Aluminium- und Membranarchitektur spezialisiert. Dem Geschäftsbericht im Bundesanzeiger ist zu entnehmen, dass Seele im Ende März abgelaufenen Geschäftsjahr 2012/2013 einen operativen Gewinn von knapp mehr als 41 Millionen Euro erzielte. Der Umsatz lag bei rund 152,8 Millionen Euro.

Ein Jahr zuvor erlöste Seele noch 263,3 Millionen Euro. Nach Angaben des Unternehmens ist dieser höhere Umsatz auf die Fertigstellung mehrjähriger Bauvorhaben zurückzuführen. Der operative Gewinn im Geschäftsjahr 2011/2012 betrug rund 64 Millionen Euro.

Apple ist seit 2001 Kunde des Mittelständlers. Für 70 Apple Stores lieferte Seele weltweit Glastreppen und Fassaden. "Ohne Seele hätten wir die Stores in aller Welt und unseren Apple Campus 2 nicht so entwerfen können, wie wir es uns vorgestellt haben", hatte Cook der Deutschen Presse-Agentur gesagt. "Die Qualität und die Größe (der Scheiben) liegt über allem, was je weltweit umgesetzt wurde." Seele sei das beste glasverarbeitende Unternehmen der Welt. "Nichts verlässt diese Fabrik, das nicht perfekt ist", hatte der Apple-Chef Seele überschwänglich gelobt.

Neben Bauten für den US-Konzern kann Seele allerdings noch auf weitere Referenzen verweisen. Sie reichen vom Museum of Arts and Design in New York bis hin zum Nationalstadion in Peking, besser bekannt als das berühmteste Vogelnest der Welt. Aber schauen Sie selbst:

mit Material von dpa

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