Neue Führung will durchgreifen Fresenius und FMC senken erneut Gewinnprognosen

Kein guter Start für Carla Kriwet und Michael Sen: Das schwierige US-Geschäft belastet den Dialysekonzern Fresenius Medical Care und in der Folge auch seine Konzernmutter Fresenius noch stärker als befürchtet.
Gewinnprognose gekappt: Der neue Fresenius-Chef Michael Sen

Gewinnprognose gekappt: Der neue Fresenius-Chef Michael Sen

Foto: Daniel Karmann / dpa

Die neue Chefin von Fresenius Medical Care (FMC) greift angesichts unerwartet stark bröckelnder Gewinne durch. Es sei "dringend erforderlich, unsere operative Geschäftsentwicklung durch tief greifende Maßnahmen zu verbessern", erklärte Carla Kriwet (51). Sie hatte angesichts der Probleme bei dem Dialyse-Spezialisten, vor allem in Nordamerika, Anfang Oktober vorzeitig die Führung von FMC übernommen, zeitgleich mit dem neuen Chef des Mutterkonzerns Fresenius, Michael Sen (54). FMC musste zum zweiten Mal innerhalb von drei Monaten die Gewinnprognose senken und zwang damit auch Fresenius zu einer Korrektur.

"Wir haben bereits mit der Ausarbeitung eines umfassenden Turnaround-Plans begonnen, zu dem auch eine Kultur der Leistung und klaren Verantwortlichkeiten gehören wird", sagte Kriwet, die vom Konzern BSH Hausgeräte zu FMC gekommen war. Das einst erfolgsverwöhnte Dialyse-Tochterunternehmen hatte sich zuletzt immer mehr zum Bremsklotz für Fresenius entwickelt.

Vor allem der Mangel an Pflegekräften in den USA bremst die Erholung nach der Corona-Pandemie, in der Dialysepatienten besonders gefährdet waren. Trotz aller Bemühungen sei die Zahl unbesetzter Stellen in den Dialysezentren weiterhin hoch. "Bei aller Ernüchterung darüber, dass sich die eingeleiteten Maßnahmen in Nordamerika verzögert auswirken, sind wir zuversichtlich, dass unsere intensivierten Anstrengungen die nötigen Verbesserungen bringen werden", sagte FMC-Finanzchefin Helen Giza.

In diesem Jahr werde der Nettogewinn von Fresenius Medical Care währungsbereinigt um bis zu 25 Prozent einbrechen, teilte das Unternehmen mit. Bisher war FMC von einem Minus von maximal 20 Prozent ausgegangen. 2021 hatte es bei 1,02 Milliarden Euro gelegen, nach neun Monaten liegt es mit 535 Millionen Euro währungsbereinigt gut ein Drittel unter Vorjahr. Die Inflation belaste das Ergebnis zudem. Der Umsatz soll wie geplant leicht steigen. Von Januar bis September lag er währungsbereinigt mit 14,4 Milliarden Euro zwei Prozent über Vorjahr.

Auch Fresenius-Gewinn belastet

Das schlägt sich auch in den Zahlen von Fresenius nieder. Der Gesundheitskonzern aus Bad Homburg erwartet für das laufende Jahr nun einen Rückgang des währungsbereinigten Gewinns von um die zehn Prozent, wie er am Sonntagabend mitteilte. Bisher war Fresenius von einem niedrigen bis mittleren prozentual einstelligen Rückgang ausgegangen.

Neben FMC seien auch die anderen Sparten von der eingetrübten Konjunktur betroffen, vor allem der Krankenhausdienstleister Fresenius Vamed, erklärte der Konzern "So sind gestiegene Unsicherheiten, inflationsbedingte Kostensteigerungen, Personalengpässe, Störungen in den Lieferketten sowie gestiegene Energiekosten zu verzeichnen. Dies hat unmittelbaren Einfluss auf Kunden- und Patientenverhalten." Der Umsatz soll wie geplant um einen niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentsatz zulegen.

hr/reuters
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