Fotostrecke

Scandlines-Fähren: "Berlin" und "Copenhagen" machen Diät

Foto: Bernd Wüstneck/ dpa

Scandlines lässt Fähren verkleinern Dickschiffe auf Diät

Mit der "Berlin" und der "Copenhagen" soll die Überfahrt nach Dänemark zur Mini-Kreuzfahrt werden. Doch die Fähren, die Scandlines in Stralsund bauen ließ, sind zu schwer und müssen Hunderte Tonnen abspecken.

Odense/Rostock - Der Lack ist ab, der Stahl liegt frei. Das Deck 7 ist um zehn Meter kürzer. Decks 8 und 9: Brücke und Schornstein fehlen. Einer der fünf Dieselmotoren wurde entfernt.

Die noch vor einem halben Jahr in strahlendem Weiß am Kai der Stralsunder P+S-Werft liegende Großfähre "Berlin" für die Reederei Scandlines ist auf der Fayard-Werft im dänischen Munkebo bei Odense wieder zu einem Rohbau geschrumpft. Auch auf dem Schwesterschiff "Copenhagen" sieht es nicht besser aus. "Wir haben auf jeder Fähre rund 2000 Tonnen Material entfernt", sagt Werftenmanager Ivan Larsen. Nach der Schrumpfkur sollen die Fähren um je 700 Tonnen leichter sein.

Die beiden 169 Meter langen Ostseefähren für Scandlines sollten ein Prestigeobjekt der P+S-Werft werden und dort den Wandel zum Spezialschiffbau einleiten. An dem ambitionierten Projekt hat sich die Stralsunder Werft letztendlich verhoben. Gewichtsprobleme an den Fähren läuteten im August 2012 die spektakuläre P+S-Pleite ein.

Scandlines stornierte den Vertrag, kaufte zu Beginn 2014 dann die Fähren für 31,6 Millionen Euro - ein Sechstel des ursprünglichen Kaufpreises - aus der Insolvenzmasse. Befragt nach der Arbeit der Stralsunder Werftarbeiter hält sich der dänische Schiffbauer Ivan Larsen zurück. "Ich weiß nur, dass die Schiffe zu schwer waren."

Büfett-Restaurant und Shoppingmeile

Scandlines will die Fähren nicht nur leichter machen, sondern auch auf umweltfreundlichen Hybridantrieb umrüsten. Ab 2015 sollen sie auf der Verbindung von Rostock nach Gedser auf der dänischen Insel Falster eingesetzt werden. Im Vergleich zu den ursprünglichen Planungen mit einem Deck weniger und einer um 200 Personen geringeren Passagierkapazität, die dann bei 1300 liegt.

Mit den beiden Großfähren soll die 105-minütige Überfahrt zu einem Erlebnis werden, mit Büfettrestaurant, Lounges, Shoppingmeile mit einem Einkaufsmarkt und naturfarbenem Ambiente, wie Projektentwickler Andy Krebs-Hagstrom sagt. Vieles wird neu. Doch von einem will sich Scandlines nicht trennen: Die Fähren sollen auch in Zukunft die Namen "Berlin" und "Copenhagen" tragen.

Zum Umbau der beiden Schiffe gab es laut Scandlines keine vernünftige Alternative. Ein Neubau hätte bedeutet, dass die Reederei noch mindestens bis 2016 mit den veralteten "Kronprins Frederik" und "Prins Joachim" hätte fahren müssen, sagte Scandlines-Sprecherin Anette Ustrup Svendsen. Deren Betrieb wird wegen der ab Januar 2015 auf Nord- und Ostsee geltenden Emissionsverordnung ohnehin teurer.

Die neuen Fähren ohne Abspeckprogramm auf der Route einzusetzen, kam für Scandlines ebenfalls nicht infrage. "Wir hätten die Beladung um 150 PKW reduzieren oder pro Jahr 90 Abfahrten stornieren müssen", sagt Ustrup Svendsen.

Scandlines muss mindestens für 100 Millionen Euro umbauen

Kritiker behaupten, die deutsch-dänische Reederei habe die Schwäche der insolventen deutschen Werft nach der Pleite ausgenutzt, um einen Schnäppchenpreis durchzusetzen, der weit unter dem eigentlichen Wert der Schiffe lag. Gläubigerausschuss und Insolvenzverwaltung ließen im Kaufvertrag eine sogenannte Mehrerwerbsklausel verankern. Danach muss Scandlines mindestens 100 Millionen Euro in den Umbau investieren. Sollte Scandlines weniger zahlen, muss die Differenz an die Sicherungsgläubiger fließen.

"Nach Ausführung der Arbeiten wird Scandlines eine Abrechnung vorlegen, die von einem Wirtschaftsprüfer geprüft wird", verweist Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann auf Vereinbarungen im Kaufvertrag. Wie Ustrup Svendsen sagt, werde die Reederei Scandlines nach dem Umbau mindestens die ursprünglich veranschlagten 184 Millionen ausgegeben haben. "Möglicherweise sogar mehr."

Ob die Reederei tatsächlich noch das lukrative Sommergeschäft mitnehmen kann, ist ungewiss. Das Unternehmen rechnet mit einer Fertigstellung im zweiten Halbjahr. Rund 1,4 Millionen Passagiere verkehren allein pro Jahr auf der Linie Rostock-Gedser. Wachstumschancen sieht Scandlines vor allem im boomenden Lkw-Verkehr zwischen Skandinavien und Osteuropa.

ts/abl/dpa/Martina Rathke