Gewinn steigt um 75 Prozent Corona-Gewinner Sartorius klettert auf Rekordhoch

Die Corona-Krise hat den Höhenflug des Laborausrüsters Sartorius noch einmal beschleunigt. Das MDax-Schwergewicht erreicht nach einem Gewinnsprung ein Rekordhoch - und hofft auf einen Aufstieg in den Dax.
Corona-Gewinner: Der noch im MDax notierte Laborausrüster Sartorius

Corona-Gewinner: Der noch im MDax notierte Laborausrüster Sartorius

Foto: Swen Pförtner/ dpa

Aktie auf Rekordhoch: Der Pharma- und Laborausrüster Sartorius profitiert in der Corona-Pandemie weiter von guten Geschäften vor allem mit der Biopharmaindustrie. Nach starkem Wachstum in den ersten neun Monaten werden die Niedersachsen nun auch optimistischer für das Gesamtjahr. So dürfte der Umsatz am oberen Ende oder sogar leicht über der zuletzt anvisierten Spanne von 22 bis 26 Prozent Wachstum liegen, teilte der MDax -Konzern am Dienstag in Göttingen mit. Die um Sondereffekte bereinigte operative Marge des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen erwartet das Management nun bei rund 29,5 Prozent und damit einen Prozentpunkt höher als zuvor.

Im dritten Quartal zog der Erlös um 35,1 Prozent auf 623,2 Millionen Euro an. Das operative Ergebnis (bereinigtes Ebitda) wuchs gar um 58,1 Prozent auf 195,1 Millionen Euro. Unter dem Strich entfiel auf die Aktionäre der Sartorius AG ein Gewinn von 68 Millionen Euro - das war ein Plus von rund 75 Prozent.

Börsenwert seit März mehr als verdoppelt

Die Aktien von Sartorius  erreichten am Dienstag daraufhin ein Rekordhoch von fast 391 Euro genähert. Das ist ein Plus von rund 4 Prozent. Seit Beginn der Corona-Pandemie hat sich der Börsenwert bereits mehr als verdoppelt.

Schon bald könnte der Lauf beim MDax-Schwergewicht zum nicht nur symbolisch wichtigen Aufstieg in den Leitindex Dax  führen, wenn dieser aufgestockt werden sollte. Der Börsenbetreiber Deutsche Börse hegt bereits entsprechende Pläne .

Sartorius-Chef Joachim Kreuzburg (55) blickt nach den kräftigen Zuwächsen der vergangenen Jahre auch in der Covid-19-Pandemie auf eine zunächst gute Entwicklung. Selbst die Laborsparte, zu Beginn der Corona-Krise noch beeinträchtigt, zeigt mittlerweile einen positiven Trend. Sartorius ist sich aber nicht so sicher, was die Pandemie für die Ausrüstung von Laboren und Pharmakonzernen mittelfristig bedeutet. Derzeit suchen zwar viele der Kunden nach einem wirksamen und zulassungsfähigen Impfstoff sowie Medikamenten zur Covid-Behandlung, die Entwicklung läuft auf Hochtouren.

Umsatz soll bis 2025 auf 4 Milliarden Euro steigen

Doch die Mittelfristziele für Sartorius 2025 bleiben zunächst mal, wie sie waren. Der Umsatz soll bis 2025 auf rund vier Milliarden Euro steigen (2019: 1,83 Milliarden Euro), die bereinigte operative Marge dürfte sich bei 28 Prozent einpendeln. Ob sich die zusätzliche Nachfrage aus den Bereichen Impfstoffe und antivirale Medikamente als nachhaltig erweise, sei derzeit nicht absehbar, hieß es im Juli. Zudem könnte sich die Marktzulassung einiger Biopharmaka aufgrund der pandemiebedingt verschobenen klinischen Testreihen verspäten. Was das alles in Zahlen heißt, kann Sartorius derzeit nicht mit Bestimmtheit sagen.

Dabei bleibt das Unternehmen stetig auf Einkaufstour. Kreuzburg hat bei seinen Übernahmen in der Regel einen recht guten Griff bewiesen, wobei er die Biotechnologie als wichtiges Wachstumsgeschäft sieht. Tatsächlich brummen die Geschäfte in der durch diverse Zukäufe etwa in Deutschland und Frankreich stetig gestärkten Biotechnologiesparte - sie ist aktuell der Wachstumstreiber im Konzern, der unter anderem Zellkulturmedien, Bioreaktoren, Spezialfilter und Analyseinstrumente herstellt.

Ende 2019 übernahm Sartorius etwas mehr als die Hälfte der Anteile am israelischen Zellkulturmedien-Entwickler und -Hersteller Biological Industries. Zudem brachte das Unternehmen Ende April die ein halbes Jahr zuvor angekündigte Übernahme von Teilen des Life-Science-Portfolios vom US-Mischkonzern Danaher unter Dach und Fach - Kaufpreis 825 Millionen Dollar. Vor kurzem kam noch der Aufreinigungsspezialist BIA Separations hinzu, der Verfahrenstechnik für die Aufbereitung und Analyse von großen Biomolekülen wie Viren, Plasmiden und Genbotenstoffen (mRNA) anbietet. Damit will Sartorius seine Position bei Zell-, Gen- und anderen neuartige Therapien stärken. Die Göttinger zahlen 360 Millionen Euro, davon 240 in bar, den Rest in Anteilen der Tochter Sartorius Stedim Biotech.

Sartorius, Airbus, Siemens Healthineers: 3 Schwergewichte hoffen auf den Dax-Aufstieg

Ganz anders sieht es bei den Vorzugsaktien aus - hier werden 91 Prozent im Streubesitz gehandelt, der Rest liegt bei Sartorius selbst. Insgesamt wird das Unternehmen an der Börse derzeit mit rund 26,6 Milliarden Euro bewertet - das Aktienpaket der Erbengemeinschaft und Familie kommt dabei auf über 6,7 Milliarden Euro.

Sartorius ist nach Airbus und Siemens Healthineers der schwerste MDax-Titel und bringt derzeit mehr auf die Börsenwaage als die Dax-Konzerne Eon, Beiersdorf oder Fresenius. Sollte der Dax wie von der Deutschen Börse vorgeschlagen zum März mit 40 Werten statt wie bisher 30 Konzernen aufwarten, so hätte Sartorius nach einhelliger Meinung gute Chancen auf einen Aufstieg. So sehen es zumindest die Experten Pankaj Gupta von JPMorgan und Yohan Le Jalle von der Société Générale.

la/dpa/Reuters
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