Montag, 24. Februar 2020

Umsatz steigt, doch Kosten für Umbau und Boni drücken Gewinn SAP erhöht Ziele und leidet unter hohen Kosten

Christian Klein und Jennifer Morgan: Das neue SAP-Führungsduo verkündet steigende Umsätze, aber einen schrumpfenden Nettogewinn

Europas größter Softwarehersteller SAP Börsen-Chart zeigen hat sich für 2020 ein etwas stärkeres Wachstum bei Umsatz und Ergebnis vorgenommen. Beim um Sondereffekte bereinigten Betriebsergebnis strebt das Management um die Co-Chefs Jennifer Morgan und Christian Klein auf der Basis konstanter Wechselkurse einen Wert zwischen 8,9 und 9,3 Milliarden Euro an, wie der Dax-Konzern am Dienstag in Walldorf mitteilte.

Das sind am oberen Ende der Prognosespanne 200 Millionen Euro mehr als bisher veranschlagt, Analysten gingen allerdings bereits von einem Wert in der Mitte der neuen Spanne aus. Der Konzern rechnet damit, dass der Anstieg der Profitabilität sich in diesem Jahr beschleunigen wird, wie Finanzchef Luka Mucic in einer Telefonkonferenz sagte. Bei der Profitabilität der Cloudgeschäfte sei der Konzern derzeit sogar weiter als geplant.

Der Gesamtumsatz soll 2020 zwischen 29,2 und 29,7 Milliarden Euro landen und damit über der bisher ausgegebenen Marke von maximal 29,2 Milliarden Euro. Analysten hatten bereits mit einem Wert am oberen Ende der Spanne gerechnet. Größter Treiber bleibt das Wachstum bei der Software zur Miete aus dem Internet (Cloud), in diesem Bereich engte SAP die Aussichten etwas ein. Die Kernsoftware S4 Hana laufe gut, sagte Co-Chef Klein. Auch die Dienstleistungen wüchsen derzeit stark, sagte Mucic.

Betriebsergebnis steigt um 11 Prozent auf 8,2 Milliarden Euro

SAP hat bei anhaltend starkem Wachstum des Cloud-Geschäfts das Betriebsergebnis im vergangenen Jahr wie erwartet gesteigert. Der um Sonder- und Währungseffekte bereinigte operative Gewinn kletterte 2019 um elf Prozent auf 8,2 Milliarden Euro, wie der Dax-Konzern am Dienstag in Walldorf mitteilte.


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Bei einem Umsatzanstieg um neun Prozent auf 27,6 Milliarden Euro verbesserte sich die operative Rendite damit um 0,6 Prozentpunkte auf 29,6 Prozent. Das Umsatzwachstum wurde dabei durch die Übernahme des US-Marktforschers Qualtrics Anfang vorigen Jahres getrieben, der eine halbe Milliarden Euro erlöste.

Der Marktführer für Firmensoftware SAP Börsen-Chart zeigen schnitt damit so ab wie versprochen und wie von Analysten erwartet. "Das fünfte Jahr in Folge haben wir unseren Ausblick für das Geschäftsjahr erreicht", erklärte Finanzchef Luka Mucic. Wachstumstreiber blieb das Geschäft mit Software-Abonnements über das Internet - der Cloud-Umsatz stieg bereinigt um 35 Prozent, während das traditionelle Geschäft mit Lizenzen und Wartung nur ein Prozent über Vorjahr lag.

Hohe Ausgaben lassen Nettogewinn schrumpfen - Aktie im Minus

Hohe Ausgaben für Personalumbau und Aktienboni für die Mitarbeiter ließen aber den Nettogewinn um 17 Prozent auf knapp 3,4 Milliarden Euro schrumpfen. Rund 4000 Beschäftigte verließen das Unternehmen gegen Abfindungen, darunter etwa 1400 in Deutschland. Unter dem Strich wuchs die Belegschaft dennoch um knapp 4000 auf insgesamt 100.330 Mitarbeiter. Für dieses Jahr sei kein Personalabbau geplant, erklärte Mucic.

Anleger reagierten mit Verkäufen auf den gesunkenen Nettogewinn: Die Aktie von SAP Börsen-Chart zeigen baute ihre Verluste am Dienstag auf rund 3 Prozent aus und war einer der größten Verlierer im Dax.

Die neuen Vorstandschefs, Jennifer Morgan und Christian Klein, rechnen mit weiterhin dynamischem Zuwachs im Cloud-Geschäft. SAP stellt seine IT-Lösungen für Unternehmen seit gut zehn Jahren auf den Vertrieb über Software-Abonnements statt über Lizenzen um. Die Erlöse fließen dabei über einen längeren Zeitraum, aber stetiger.

Wir sehen einen enormen Erfolg des Kerngeschäfts und hohes Wachstum in der Cloud", sagte Klein. SAP baute das als zukunftsträchtig geltende Geschäft auch mittels milliardenschwerer Übernahmen aus. Das neue Führungsduo, das den langjährigen Chef Bill McDermott im Oktober ablöste, will jetzt vor allem die zugekauften Programme besser integrieren. Doppelarbeit soll vermieden werden, sodass Marketing, Vertrieb, Entwicklung oder Verwaltung effizienter arbeiten.

la/reuters/dpa-afx

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