San Francisco beschließt Verkaufsverbot von E-Zigaretten Schlacht um die Geldmaschine der Zukunft

Juul-Raucherin: Gerade unter Jugendlichen steigt die Zahl der Nutzer der hippen E-Zigaretten rasant

Juul-Raucherin: Gerade unter Jugendlichen steigt die Zahl der Nutzer der hippen E-Zigaretten rasant

Foto: Bloomberg via Getty Images

Es ist eine Entwicklung, die die Chefetagen der Zigarettenkonzerne in den Alarmmodus versetzen und die Lobbyausgaben in neue Höhen schnellen lassen dürfte. Schließlich steht nichts Geringeres auf dem Spiel als deren Geldmaschine der Zukunft: E-Zigaretten.

Dabei kommt die eigentliche Nachricht recht harmlos daher. San Francisco will als erste Stadt in den USA den Verkauf von E-Zigaretten verbieten. Der Stadtrat der kalifornischen Metropole stimmte am Dienstag für eine entsprechende Vorschrift, die nun noch von der Bürgermeisterin unterzeichnet werden muss. Bürgermeisterin London Breed hatte sich zuvor schon für das Verbot stark gemacht. Hintergrund dafür ist eine "anschwellende E-Zigaretten-Epidemie" unter Jugendlichen, wie es in dem Gesetzesvorstoß heißt.

Demnach geht die Stadt gegen den Verkauf von E-Zigaretten vor, die bisher keine Prüfung der US-Gesundheitsbehörde FDA vorweisen können. Bislang hat kein einziges auf dem Markt befindliches Produkt diese Freigabe.

Immer mehr Jugendliche "juulen"

Besonders dürfte der Vorstoß - der von einem ganze Bündel weiterer Maßnahmen begleitet werden soll  - gegen ein Unternehmen gerichtet sein, das seinen Hauptsitz in San Francisco hat, unter US-Jugendlichen extrem beliebt ist und Kinderschützern massiv Sorgen macht: Juul. Das mittlerweile mit 38 Milliarden Dollar bewertete Start-up aus San Francisco, an dem der Marlboro-Hersteller Altria für 12,8 Milliarden Dollar mit 35 Prozent beteiligt ist, hat den US-Markt im Sturm erobert.

Gesundheitsbehörde sieht "E-Zigaretten-Epidemie" auf Schulhöfen

Laut den Marktforschern von Nielsen kontrollieren die Kalifornier, die 2018 einen geschätzten Umsatz von 1,3 Milliarden Dollar machten, bereits jetzt mehr als 70 Prozent des stark wachsenden E-Zigaretten-Marktes der USA mit mindestens zwölf Millionen regelmäßigen Konsumenten.

Video: Die Geschichte der Juul-Gründer Adam Bowen und James Monsees

manager-magazin.de

Fast ein Drittel davon, rund 3,6 Millionen , sind laut einer aktuellen FDA-Studie Kinder und Jugendliche. Eine Zahl die offiziellen Angaben zufolge alleine von 2017 auf 2018 um 1,5 Millionen gestiegen ist.  Und das, obwohl der Verkauf der Geräte in den USA an Jugendliche unter 18 Jahre eigentlich verboten ist. So viele, dass die US-Gesundheitsbehörde FDA bereits 2018 von einer "E-Zigaretten-Epidemie" auf US-Schulhöfen sprach.

Juul: Wie die E-Zigaretten-Pioniere nach Europa drängen 

Dank seines coolen Designs und cleveren Marketings in den sozialen Medien hat Juul einen regelrechten Siegeszug auf US-Schulhöfen hingelegt. "Juuling" ist in. In den sozialen Netzwerken kursieren massenhaft Videos dazu, wie Jugendliche den mit seinem edlen Design an Apple-Produkte erinnernden Nikotinverdampfer nutzen, dessen Kartuschen, so genannte "Pods", es in Geschmacksrichtungen von Mango über Apfel bis hin zu Gurke gibt. Und die in den USA mit einem Nikotingehalt von rund 5 Prozent pro Pod Experten zufolge so viel Nikotin enthalten wie eine komplette Packung Zigaretten - und dank ihrer chemischen Zusammensetzung ähnlich "knallen".

Juul, das sich selbst als gesundere Alternative zu klassischen Zigaretten präsentiert, hat angesichts des steigenden öffentlichen Drucks bereits den Verkauf an Jugendliche eingeschränkt und verkauft Geschmacksrichtungen wie Mango oder Apfel nur noch im Internet nach einer Altersüberprüfung.

Der erste Staat klagt bereits gegen Juul

Kritikern ist dies angesichts der grassierenden E-Zigaretten-Epidemie unter Jugendlichen jedoch nicht genug: So reichte der US-Staat North Carolina  als erster US-Staat überhaupt in der vergangenen Woche Klage gegen Juul ein und warf dem Unternehmen vor, zwar vorzugeben, sich mit seinen Produkten an Erwachsene zu richten, tatsächlich aber mit seiner Geschäftsstrategie klar auf Minderjährige zu zielen.

Juul-Pods und -E-Zigaretten in einem Verkaufsständer

Juul-Pods und -E-Zigaretten in einem Verkaufsständer

Foto: AFP

Neben strengen Werbeauflagen - unter anderem auch in den sozialen Medien - fordert der Generalstaatsanwalt von Juul seiner Ansicht nach unrechtmäßig erzielte Gewinne zurück.  

Wie auch immer das Verfahren ausgeht, für Juul und seine E-Zigaretten- oder Tabakerhitzer-Konkurrenz steht in San Francisco viel auf dem Spiel. Neben Beverly Hills, das den Verkauf von E-Zigaretten bereits bis auf wenige Ausnahmen verboten hat,  wäre die Westküstenmetropole die erste größere Stadt, die E-Zigaretten und Co. verbietet.

Ähnlich wie bei der Zuckersteuer könnte auch dies Schule machen. Und andere Städte und Gegenden in den USA oder womöglich auch international nachziehen. Ein Ziel, das Vertreter der Stadt San Francisco explizit verfolgen. 

Wenig überraschend ist daher, dass die Zigarettenindustrie, die mit sich mit rückläufigem Konsum klassischer Zigaretten  konfrontiert sieht und ihre Hoffnung auf E-Zigaretten und Tabakverdampfer setzt, genau dies verhindern will.

So warnte Juul, die mit einer nikotinärmeren Juul-Variante mittlerweile auch in Deutschland an den Start gegangen sind und mit Sonderangeboten für ihre Starterkits massiv in den Markt drängen, bereits, dass ein Verbot von E-Zigaretten Nutzer wieder zurück zu gesundheitsschädlicheren Zigaretten treiben würde. 

Zudem steckte das Unternehmen Presseberichten zufolge bereits 500.000 Dollar  in eine Initiative, die ein Verbot in San Francisco verhindern oder rückgängig machen will. Ein fast lächerliches Investment angesichts dessen, was für die Konzerne auf dem Spiel steht.

Dabei wird es sicher nicht bleiben. Die Lobby und PR-Schlacht ist eröffnet.

mit dpa