Dienstag, 2. Juni 2020

Verlust wächst Ryanair will Standorte schließen, Lauda Air droht Aus

Ryanair: Verlust könnte sich verdoppeln
Marcel Kusch/dpa
Ryanair: Verlust könnte sich verdoppeln

Europas größter Billigflieger Ryanair Börsen-Chart zeigen gerät in der Coronavirus-Krise noch schwerer in Bedrängnis und wird im ersten Geschäftsquartal einen noch höheren Verlust einfliegen als ohnehin schon gedacht. So dürfte zwischen April und Juni unter dem Strich ein Verlust von über 200 Millionen Euro anfallen, teilte das Unternehmen am Montag mit den Zahlen zum vorigen Geschäftsjahr mit. Der Konzern mit Sitz in Dublin hatte bisher mit einem Fehlbetrag von mehr als 100 Millionen Euro gerechnet. Die Iren erwarten dieses Geschäftsjahr weniger als 80 Millionen Passagiere - und damit nur noch fast die Hälfte der ursprünglich angepeilten 154 Millionen Fluggäste.

Ryanair-Chef Michael O'Leary (59) geht davon aus, dass auch im Sommer zwischen Juli und September, also dem Höhepunkt der Reisezeit, rote Zahlen unter dem Strich stehen werden. Diese sollen aber nicht ganz so schlimm ausfallen wie im ersten Quartal. Der Flugverkehr werde substanziell zurückgehen, was auch die Ticketpreise unter Druck bringe. Ryanairs Rückkehr zu einem normalen Flugplan werde auch dadurch bedeutend erschwert, dass große Airlines mit Staatshilfen ihre Kosten drücken würden, hieß es vom Unternehmen. Für das gesamte Jahr könne Ryanair derzeit keine Gewinnprognose abgeben.

Ryanair hatte bereits mitgeteilt, dass wegen der Krise bis zu 3000 Jobs von Piloten und Kabinencrews auf der Streichliste stehen. Insgesamt beschäftigt Ryanair bisland rund 18.000 Mitarbeiter weltweit. Weitere Optionen sind früheren Angaben zufolge unbezahlter Urlaub, Gehaltskürzungen um bis zu 20 Prozent sowie die vorübergehende Schließung von Basen in Europa.

Nun warnt Ryanair plant wegen des Geschäftseinbruchs, unprofitable Standorte in Europa zu schließen. Akut gefährdet ist der Hauptstandort der österreichischen Tochter Lauda Air in Wien. Dies werde außerdem Basen in Deutschland, Großbritannien und Spanien betreffen. Später sollten auch Stützpunkte in Italien, Belgien und Osteuropa überprüft werden. Lauda stehe vor einer "existenziellen Krise", und die Basis in Wien dürfte Ende Mai schließen, sagte O'Leary am Montag. Er erwarte nicht, dass die Gewerkschaften die vorgesehenen Restrukturierungen mitmachten. An der Wiener Basis sind 15 der 30 A320 von Lauda beheimatet. Die übrigen Stützpunkte in Stuttgart, Düsseldorf und Palma würden offen bleiben, sagte O'Leary.

Der Konzernchef hatte bereits Anfang Mai gewarnt, die Tochter Lauda in Wien zu schließen und die Lauda-Jets mit Ryanair-Flugzeugen zu ersetzen, sollte die Belegschaft nicht zu Lohnkürzungen und neuen Arbeitsverträgen bereit sein. Ryanair ist bei der vom früheren Rennfahrer Niki Lauda gegründeten Fluggesellschaft 2018 eingestiegen und übernahm sie im Januar 2019 ganz.

Im vergangenen Geschäftsjahr (Ende März) beförderte Ryanair insgesamt 148,6 Millionen Passagiere, rund 4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Ohne die Covid-19-Ausbreitung ab Mitte März hätten noch gut 5 Millionen Passagiere mehr befördert werden können. Der Umsatz kletterte auch dank steigender Durchschnittserlöse um 10 Prozent auf 8,5 Milliarden Euro.


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Unter anderem wegen steigender Spritkosten und vor allem wegen des Wertverfalls von Kerosinpreis-Sicherungsgeschäften sank der auf die Aktionäre entfallende Gewinn unter dem Strich um 26 Prozent auf 649 Millionen Euro. Ohne die Sonderbelastung aus dem Hedging wäre der Gewinn um 13 Prozent auf rund eine Milliarde Euro gestiegen.

dpa/akn

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