Mittwoch, 24. April 2019

Deripaskas Aluminium-Konzern baut um Rusal-Spitze und 7 Aufseher treten ab

Aluminium von Rusal: Der russische Konzern leidet unter den US-Sanktionen und baut auf Druck aus Washington nun das Management um

Die Androhung von US-Sanktionen setzt den russischen Aluminium-Konzern Rusal unter Druck und führt zum Abgang zentraler Führungskräfte. Wie der größte Alu-Produzent außerhalb Chinas am Donnerstag mitteile, trat Firmenchefin Alexandra Bouriko nach weniger als drei Monaten zurück. Mit ihr gingen sieben der 14 Aufsichtsratsmitglieder.

Die Rücktritte seien Teil der Maßnahmen, die das Management zum Schutz des Unternehmens und seiner Anteilseigner vor den US-Sanktionen ergriffen habe, erklärte Rusal. Gleichzeitig warnte das Unternehmen vor schwerwiegenden Produktions- und Finanzierungsengpässen.

Die US-Regierung hatte Anfang April harte Sanktionen gegen russische Oligarchen, Regierungsvertreter und Firmen verhängt. Damit reagierte Präsident Donald Trump auf den Giftanschlag auf den früheren russischen Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter in Großbritannien, für den der Westen Russland verantwortlich macht. Mit am stärksten betroffen sind der Aluminiumkonzern Rusal und sein Gründer Oleg Deripaska.

Oleg Deripaska: Der Aluminium-Tycoon hat einen Gutteil der Macht über Rusal abgegeben

Die Sanktionen verbieten es den betroffenen russischen Unternehmen ab dem 23. Oktober, Geschäfte mit den USA oder US-Bürgern zu machen. Dies verursachte schon im Vorfeld einen Kurssturz an der Moskauer Börse und eine Abwertung des Rubel. Eine Reihe von Oligarchen verlor Milliarden.

Beobachter werten die Rücktritte der Aufsichtsratsmitglieder als Beleg dafür, dass Gründer Oleg Deripaska nach und nach die Kontrolle bei Rusal aufgeben könnte. Genau das fordern die USA - es wäre ein Baustein dafür, dass Washington seine Sanktionen gegen Rusal lockern könnte. So endet im Oktober eine Frist, in der Unternehmen noch Geschäfte mit Rusal machen dürfen.


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Wenn das passiert, könnten Handelspartner bestehende Verträge ab Ende Oktober kündigen, teilte Rusal weiter mit. Auch Banken könnten die Zusammenarbeit beenden. "Die Metallproduktion des Unternehmens und die Umsätze würden erheblich darunter leiden", hieß es aus Moskau.

Laut einem englischsprachigen Reuters-Bericht hat Rusal akutell die Lieferung von Aluminium an einige Kunden wieder aufgenommen. Aluminium wird verschifft. Parteien, die bereits Verträge haben, nehmen Lieferungen entgegen", zitiert Reuters in dem Bericht eine nicht näher genannte Quelle.

Die US-Regierung wirft Deripaska vor, für die russische Regierung aktiv zu sein. Inzwischen stellte das US-Finanzministerium aber in Aussicht, die Sanktionen gegen Rusal und Deripaskas Unternehmensgruppe En+ aufzuheben, wenn Deripaska die Kontrolle über die Holding abgibt. Ende April erklärte sich Deripaska bereit, aus der Führung von En+ auszuscheiden und auch seine Unternehmensanteile zu reduzieren. En+ besitzt einen 48-Prozent-Anteil an Rusal.

rei/dpa/Reuters/afp

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