Der Berliner Traditionskonzern, der selbst die NSA narrt Warum ein Ex-Dax-Vorstand einen kleinen Konzern wachküssen will

Angriffsbereit: Rüdiger Andreas Günther, hier als Finanzchef Jenoptiks, will den FP-Konzern wachküssen.

Angriffsbereit: Rüdiger Andreas Günther, hier als Finanzchef Jenoptiks, will den FP-Konzern wachküssen.

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Vor dem Ausbruch der Digitalisierung war die Francotyp-Postalia einer dieser typischen deutschen hidden Champions im gehobenen Mittelstand. Einer der Marktführer für die Herstellung von Frankiermaschinen, Kundschaft weltweit, Umsatz um die 150 Millionen Euro, solider Gewinn.

Rüdiger Andreas Günther soll nun dafür sorgen, dass der FP-Konzern, wie der Mittelständler inzwischen heißt, nicht nur überlebt in dem Wirbelwind, den die neuen Kommunikationsformen entfachen, sondern sich am liebsten an dessen Spitze setzt. Der 57-Jährige, zuvor Chef des Landmaschinenherstellers Claas, Finanzvorstand des Dax-Konzerns Infineon  und zweiter Mann beim Technologiekonzern Jenoptik , soll die börsennotierte Unternehmung ab sofort führen, wie derFP-Konzern am Montagabend bekannt gab . Vorgänger Hans Szymanski beendete ebenfalls am 11. Januar seine Arbeit.

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Den Ehrgeiz, der aus dieser prominenten Personalwahl spricht, verkörpert Aufsichtsratschef Klaus Röhrig, zwischen 2006 und 2011 in Diensten des aktivistischen und mitunter auch durchtriebenen Investors Elliott Associates. Über seine 3R Investments mit Sitz auf Zypern hält der 38-jährige Österreicher 10,3 Prozent am FP-Konzern und ist damit größter Aktionär.

Nach dem Verkauf durch den Röchling-Konzern 1995 hat FP zwar schon kräftig digitalisiert und bietet Unternehmen neben seinen Frankiermaschinen nicht nur das Management des gesamten stofflichen Dokumentenverkehrs an, sondern eben auch E-Mail-Management. Die Berliner nehmen für sich in Anspruch, e-Mails so sicher machen zu können, dass nicht einmal die NSA die elektronische Post lesen könnte.

CEO mit besonderem Ehrgeiz

Allerdings kündigten die Zahlen der Firma mit weltweit 1000 Beschäftigten zuletzt von Stagnation: Der Jahresumsatz kreist um 170 Millionen Euro, die Umsatzrendite bei 3 Prozent. Folgerichtig tut sich auch beim Aktienkurs des im Prime Standard gelisteten Unternehmen seit Monaten nichts. Der Börsenwert liegt bei lediglich rund 70 Millionen Euro.

Günther soll das jetzt ändern. Bei Claas und Jenoptik hat er jeweils nachhaltig den Unternehmenswert gesteigert, allerdings fiel es den Eigentümern nicht immer leicht, mit dem meinungsmutigen und tatendurstigen Manager umzugehen. Er ging in beiden Fällen, bevor er seinen Plan vollendet hatte.

Beim FP-Konzern wird er nun CEO und CFO in einer Person und bekommt nach Informationen von manager-magazin.de einen Vier-Jahres-Vertrag. Auch Aktienoptionen wären in dieser Konstellation nichts Ungewöhnliches. Sie würden Günthers ohnehin schon wachen Unternehmergeist noch weiter anstacheln. Keine schlechte Ausgangsposition für Rüdiger Andreas Günther, es noch einmal allen zu zeigen.

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