Trotz Sanktionen Russischer Ölriese Rosneft zahlt Rekorddividende

Russlands Krieg gegen die Ukraine treibt den Ölpreis in die Höhe und füllt die Kassen der staatlichen Ölkonzerne. Rosneft-Chef Igor Setschin will nun eine milliardenschwere Dividende an den Kreml abführen. Ausländische Aktionäre dürften es schwerer haben, an ihr Geld zu kommen.
Rosneft-Chef Igor Setschin (r.) hat im vergangenen Jahr massiv vom steigenden Ölpreis profitiert, Staatspräsident Wladimir Putin (Hintergrund) als Stellvertreter des russischen Staats dürfte die Milliardendividende schon fest eingeplant haben

Rosneft-Chef Igor Setschin (r.) hat im vergangenen Jahr massiv vom steigenden Ölpreis profitiert, Staatspräsident Wladimir Putin (Hintergrund) als Stellvertreter des russischen Staats dürfte die Milliardendividende schon fest eingeplant haben

Foto: Sergei Karpukhin/ REUTERS

Der russische Ölriese Rosneft hat im vergangenen Jahr angesichts steigender Ölpreise glänzend verdient. Nun will der Konzern unter Führung von Igor Setschin (61), der zu den wichtigsten Vertrauten von Staatschef Wladimir Putin (69) zählt, für 2021 eine Rekorddividende von rund sieben Milliarden Dollar an seine Aktionäre ausschütten lassen – und das inmitten der sich verschärfenden Sanktionen wegen des Ukraine-Krieges, berichten der "Business Insider"  und die "Financial Times" .

Der staatliche Ölkonzern hat den Nettogewinn im vergangenen Jahr auf 883 Milliarden Rubel (14,44 Milliarden Dollar) in etwa versechsfacht. Erst in der vergangenen Woche hatte der russische Gasriese Gazprom die höchste Dividende in seiner Geschichte vorgeschlagen. Der Kreml, dessen Staatshaushalt sich zu einem Großteil aus den Verkaufserlösen von Erdöl und Gas speist, profitiert damit unmittelbar von steigenden Rohstoffpreisen – die er durch seinen Angriffskrieg und die damit weitverbreitete Unsicherheit mit in die Höhe getrieben hat.

Auch vor diesem Hintergrund hat Wirtschaftsminister Robert Habeck (52) kürzlich angeregt, dass wichtige Ölverbraucher wie die USA und die EU gemeinsam versuchen sollten, den Ölpreis in Verhandlungen mit anderen Produzentenländern zu deckeln, damit weniger Geld in Putins Staatskasse fließt. Die EU-Denkfabrik Bruegel schätzt, dass allein die EU Russland täglich rund 450 Millionen Euro für Öllieferungen überweist.

Der Preis für die Sorte Nordseesorte Brent  hatte zu Wochenbeginn erstmals seit zwei Monaten die Marke von 120 US-Dollar pro Fass wieder überschritten – auch, weil sich die EU-Staaten auf ein Öl-Embargo gegen Russland geeinigt haben und der Iran zwei griechische Öl-Tanker beschlagnahmte, was neue Befürchtungen hinsichtlich der Ölversorgung aufkeimen ließ und preistreibend wirkte.

Sanktionen treffen Rosneft durchaus

Trotz weltweit steigender Nachfrage im Zuge der globalen Wirtschaftserholung hat Rosneft Probleme, das Produktionsniveau zu halten, berichtet die "Financial Times" . Denn viele Marktteilnehmer, die bei der Finanzierung, dem Transport oder der Versicherung in dem Bereich tätig sind, haben sich selbst sanktioniert und meiden Geschäfte mit russischem Öl. Zwar versuchen russische Ölproduzenten verstärkt, auf Märkte in Asien auszuweichen, Analysten schätzen jedoch, dass die russische Ölproduktion im Zuge der verschärften Sanktionen langfristig um bis zu zwei Millionen Barrel am Tag sinken werde.

Dabei ist Rosneft offenbar überproportional stark von den Sanktionen betroffen. Daten des russischen Energieministeriums zeigen laut "FT", dass der Ölriese und seine Tochtergesellschaften für etwa zwei Drittel der Produktionskürzungen in Russland verantwortlich sind. Seit Mitte Mai dürfen Rohstoffhändler in der EU und der Schweiz Öl von Rosneft nicht mehr in andere Länder verkaufen, was die Lieferung russischen Öls über große Konzerne an die Endverbraucher erheblich erschwert.

Den Berichten zufolge sollen die Aktionäre von Rosneft am 30. Juni über die Dividendenempfehlung abstimmen. Laut "Business Insider" und Bloomberg könnte es für ausländische Investoren allerdings schwierig werden, ihre Ausschüttung auch zu erhalten. Denn Putin hatte im März laut Bloomberg angeordnet, dass Geld, das Investoren und Kreditgebern aus "unfreundlichen Staaten" geschuldet wird, auf in Rubel lautende Konten zu überweisen ist. Wer das Rubel-Guthaben aber in eine andere Währung tauschen wolle, benötige dafür eine Sondergenehmigung.

rei