Dienstag, 2. Juni 2020

Kahlschlag beim Triebwerksbauer vor allem in Großbritannien Fatale Abhängigkeit - Rolls-Royce streicht 9000 Jobs

Rolls-Royce-Triebwerk: Die Nachfrage auch wegen der Corona-Krise ist drastisch eingebrochen

Dem britischen Triebwerkhersteller Rolls-Royce brechen die Aufträge aus der Luftfahrtindustrie weg. Der Konzern kündigt nun einen harten Stellenabbau an, will von den weltweit 52.000 Jobs "mindestens" 9000 streichen, wie Rolls-Royce am Mittwoch erklärte. Rolls-Royce ist in hohem Maße abhängig von Aufträgen der Flugzeugbauer wie Airbus oder Boeing. Die wiederum verkaufen wegen der Corona-Beschränkungen im Luftverkehr aktuell kaum noch neue Maschinen.

"Dies ist keine von uns verursachte Krise. Aber es ist die Krise, mit der wir konfrontiert sind und mit der wir uns auseinandersetzen müssen", sagte Konzern-Chef Warren East am Mittwoch gegenüber dem BBC. Es werde "immer deutlicher", dass es mehrere Jahre brauchen werde, bevor die Luftfahrtbranche das Niveau erreiche, das sie noch vor wenigen Monaten hatte.

Verhängnisvolle Abhängigkeit von Flugzeugherstellern und Airlines

Im Zuge der Corona-Krise haben die Fluggesellschaften nach Berechnungen der BBC ihre Flugstunden um 90 Prozent oder mehr gekürzt. Zugleich haben Airbus und Boeing ihre Produktionszahlen deutlich reduziert - die Modelle A350 und die B787 zum Beispiel sind auf sechs beziehungsweise zehn Einheiten pro Monat gesunken. Beide Flugzeuge sind mit einem Trent-Triebwerk von Rolls-Royce ausgestattet.

Zugleich ist durch die Krise von Boeing der Markt für Flugzeugtriebwerke immer stärker umkämpft. So kündigte General Electric als größter Zulieferer von Boeing zuletzt an, sich auch als Triebwerkslieferant für die größeren Jets der europäischer Flugzeughersteller zu positionieren.

"Rolls-Royce hatte wohl keine andere Wahl. Als reiner Akteur der Triebwerks- und Antriebssystemindustrie ist das Unternehmen mit am stärksten vom Covid-19-Ausbruch betroffenen und fast vollständig von der Produktion der Flugzeughersteller Airbus und Boeing abhängig", kommentierte Nicolas Jouan, Analyst von Global Data, am Mittwoch.

Die meisten Jobs werden in Großbritannien wegfallen

Rolls-Royce zählt zu den bekanntesten britischen Industrienamen und ist stark von der Luftfahrt abhängig: Mehr als die Hälfte des Umsatzes von rund 15 Milliarden Pfund im vergangenen Jahr stammen aus diesem Sektor. Der Jobkahlschlag wird daher vor allem die zivile Luft- und Raumfahrtsparte treffen. Die Militärsparte von Rolls-Royce soll vom Stellenabbau nicht betroffen sein, heißt es im englischsprachigen Dienst der Nachrichtenagentur Reuters und bei der BBC.

Der Stellenabbau trifft fast ein Fünftel aller Arbeitsplätze des Konzerns. Rolls-Royce verspricht sich davon jährliche Kosteneinsparungen von 1,3 Milliarden Pfund (1,59 Milliarden Dollar). Die durch den Stellenabbau entstehenden Umstrukturierungskosten beziffert das Unternehmen auf etwa 800 Millionen Pfund.

Etwa zwei Drittel der Arbeitsplätze in der zivilen Luft- und Raumfahrt sind im Großbritannien angesiedelt. Überwiegend hier würden vermutlich die Jobs verloren gehen, ließ Konzernchef East durchblicken. Die Verhandlungen mit den Gewerkschaften sollen nun beginnen.

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