Samstag, 25. Mai 2019

Roboterfirma Kuka In der Revolutionszentrale der Industrie 4.0

Viel Handarbeit: Produktion klassischer Industrieroboter bei Kuka

3. Teil: Roboter bauen Roboter

Kuka selbst nutzt den Iiwa zum Verschrauben der Getriebe von klassischen Industrierobotern der KR-Serie. Die menschlichen Monteure wechseln sich mit dem Roboter an zwei verschiedenen Getrieben ab, ölen die Gewinde und kontrollieren die Festigkeit der Schrauben. Nur die ermüdende Kraftarbeit beim Schrauben müssen sie nicht mehr selbst leisten. So wird die Vision Wirklichkeit, dass Roboter beim Bau von Robotern helfen.

Kukas Beispiel zeigt aber auch, wie weit entfernt die mit dem Schlagwort "Industrie 4.0" verknüpfte Fantasie von einem Internet der Maschinen noch ist, die alle miteinander verbunden sind, im gemeinsamen Erfahrungsschatz blitzschnell Lösungen für jedes Problem finden und flexibel auf jeden Bedarf reagieren.

Ans Netz angeschlossen sind die Iiwas bisher nicht, auch wenn sie eine Schnittstelle dafür haben - für die einfachen Aufgaben ist es schlicht nicht nötig. Da sind die klassischen Roboter schon weiter, die zumindest an einem Fließband oder in einer Werkshalle oft zusammengeschlossen und zentral gesteuert werden.

Die Industrie 4.0 lässt sich nicht national regeln

In einer Zelle lässt Kuka ganz altmodisch unkollaborativ drei Leichtbauroboter hinter einem Schutzzaun zusammenwirken, ohne menschliche Kollegen. So geht es in der Produktionsinsel doch schneller und sicherer voran.

Immerhin ist der Iiwa leicht zu programmieren, er versteht die verbreitete Programmiersprache Java und nicht bloß Kukas eigene Robotersprache. "Wir bei Kuka sind prinzipiell für offene Systeme", sagt Firmenchef Reuter. Das ist eines der großen Versprechen der Industrie 4.0: dass Maschinen auch außerhalb einer starr festgelegten Umgebung nutzbar sind. Zugleich ist es eine der großen Gefahren: dass sensible Produktionsdaten für Wettbewerber greifbar werden.

Kuka will die Daten nutzen, fordert dafür aber Regeln. Das Prozess-Know-how der deutschen Industrie und das Daten-Know-how des Silicon Valleys müssten zusammengebracht werden. "Das ist ein globales Thema, die Industrie 4.0 lässt sich nicht national regeln", sagt Reuter. Wendet er sich damit gegen das von der Kanzlerin forcierte nationale Konsortium? Reuter sieht es pragmatisch: "Wir werden an verschiedenen Konsortien teilnehmen."

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