Sonntag, 26. Mai 2019

Roboterfirma Kuka In der Revolutionszentrale der Industrie 4.0

Viel Handarbeit: Produktion klassischer Industrieroboter bei Kuka

2. Teil: Die Revolution ist leicht, schlank und hat sieben Achsen

Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich der Industrie 4.0 verschrieben hat, wollte Kuka an diesem Montag mit einem Besuch als Stütze dieser Zukunftsstrategie für den Standort Deutschland anerkennen. Die Reise scheiterte aber ganz analog an schlechtem Wetter.

So richtig nach digitaler Revolution sieht es allerdings auch in den Werkshallen nicht aus. Da wird gehämmert, geschraubt und geschweißt, einiges davon noch in Handarbeit. Das Brot-und-Butter-Geschäft sind klassische Industrieroboter (bei Kuka mit dem Kürzel KR), die ihren Siegeszug an den Fließbändern schon vor einem halben Jahrhundert angetreten haben.

Diese Geräte sind meist auf eine einzige Bewegung spezialisiert, die sie aber besonders schnell, besonders präzise und besonders stark ausführen können. Manche dieser Stahlungetüme können mehr als eine Tonne Gewicht heben. Doch das ist eher Industrie 3.0, die automatisierte Großserie.

Für die neue Welt dagegen steht der Leichtbauroboter Iiwa (Intelligent industrial work assistant), den Kuka seit zwei Jahren vermarktet. Der bewältigt zwar nur eine Traglast von maximal 14 Kilogramm, ist dafür aber schlank, mit sieben Achsen an einem Arm besonders wendig - und vor allem feinfühlig: Dank mehrerer Sensoren stoppt Iiwa seine Bewegung, wenn man ihn berührt. So kann das Gerät ohne Verletzungsgefahr direkt von Arbeitern bedient werden, während klassische Roboter in Käfigen eingesperrt werden müssen.

Warum die neuen Roboter keine Jobs gefährden

Die Innovation geht auf einen Wunsch von Kuka-Kunde Daimler Börsen-Chart zeigen zurück. Der flexibel einsetzbare Leichtbauroboter soll zum Beispiel Löcher im Unterblech einer Autokarosserie nach der Lackierung mit Gummi stopfen. "Hier haben wir Arbeitsplätze, die unergonomisch sind", sagt Reuter, "die Menschen müssen über Kopf arbeiten".

So erklärt er, warum seine Roboter aus seiner Sicht keine Jobs gefährden, sondern im Gegenteil welche schaffen: Ohne die belastendsten Aufgaben könnten Arbeiter länger durchhalten, die Firmen würden insgesamt produktiver und könnten Fertigung in Hochlohnländer wie Deutschland zurückholen.

Noch ist Iiwa ein Produkt der Forschungsabteilung Kuka Labs, während die klassischen Industrieroboter sich 20.000-fach pro Jahr verkaufen. Also nur ein Prestigeprojekt ohne Markt? Im Gegenteil, sagt Reuter. "Wir sehen einen extremen Run auf dieses Produkt." Deshalb zeigt er sich stolz, dass "wir hier die ersten am Markt waren" - auch wenn das Thema kollaborierende Roboter zuvor schon von Startups wie Rethink Robotics aus Boston oder der dänischen Firma Universal Robots besetzt wurde.

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