Mittwoch, 27. Mai 2020

Schweizer reagieren auf Krise Wer braucht schon einen Chef? Richemont jedenfalls nicht

Richard Lepeu: Im März geht der Konzernchef in Pension - und wird nicht ersetzt

Chefs sind Luxus. In der Krise jedenfalls will der Luxusgüter-Konzern Richemont auf seinen Vorstandschef verzichten. Richard Lepeu wird nicht ersetzt. Zudem werden neun Verwaltungsratsmitglieder ihren Hut nehmen. Die Börse feiert Richemont - trotz schlechter Zahlen.

Nach einer längeren Nachfrageflaute bei teuren Uhren und edlem Schmuck ordnet der Luxusgüterhersteller Richemont seine Führungsstruktur neu und geht dabei einen überraschend ungewöhnlichen Weg.

Der langjährige Konzernchef Richard Lepeu geht im März in Pension, teilte der Konzern am Freitag mit. Finanzchef Gary Saage gibt seinen Posten Ende Juli 2017 ab. Doch während letzterer von Vize-Finanzchef Burkhart Grund ersetzt wird, bleibt der Posten des Vorstandschefs unbesetzt. Ein neuer Vorstandschef solle nicht bestimmt werden, teilte der nach LVMH zweigrößte Luxusgüterkonzern mit.

Die für die Luxusmarken Verantwortlichen würden künftig direkt an den Verwaltungsrat berichten, der von Präsident Johann Rupert geführt wird. "Ich denke, das wird vieles vereinfachen und erleichtern. Eine Person kann nicht alle Bereiche verantworten", sagte Rupert laut "Wall Street Journal" in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Rupert hatte das Unternehmen 1988 gegründet.

"Rupert sitzt wieder im Sattel und hält die Zügel. Die Verantwortung für Marken und Operationen wird er aber delegieren", kommentierte Analyst Jon Cox von Kepler Cheuvreux die neue Führungsstruktur bei Richemont.

Zudem werden neun Verwaltungsratsmitglieder auf der Generalversammlung im September 2017 ihren Hut nehmen, teilte der Konzern weiter mit. Richemont habe seine Führungsstruktur überdacht und wolle mit den Änderungen auf die Herausforderungen reagieren, die der rasche Technologiewandel auch auf sein traditionelles Geschäftsmodell habe.

Aktien des Luxusgüter-Konzern zogen am Freitag in Reaktion auf den Umbau der Führungsstruktur um mehr als 8 Prozent. Dabei hatte der Konzern einen deutlichen Gewinneinbruch vermelden müssen: Der Gewinn brach in den Monaten April bis September um 51 Prozent auf 540 Millionen Euro ein, der Umsatz fiel um 13 Prozent auf 5,1 Milliarden Euro.

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